Pensionierung

Frühpensionierung: Was Sie wissen sollten

Eine Frühpensionierung ist nicht billig. Setzt man sich früh genug mit dem Thema auseinander, kann der vorzeitige Berufsausstieg trotzdem gelingen. Die wichtigsten Themenkreise bei einer Frühpensionierung sind die Finanzierung der verbleibenden Jahre bis zur ordentlichen Pensionierung und die Koordination der ersten, zweiten und dritten Säule. 

Sven Pfammatter

Pensionierungsexperte
Aktualisiert am
01. Januar 2023

Wann kann ich frühestens in Rente gehen?

Die meisten Pensionskassen lassen einen frühzeitigen Bezug der Altersleistungen ab 58 oder 60 Jahren zu. Die AHV-Rente kann man sich heute ein oder zwei Jahre vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters auszahlen lassen. Männer können also ihre Rente schon mit 64 oder 63 Jahren beziehen, Frauen mit 63 oder 62 Jahren.

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AHV-Reform: Das gilt neu für Ihre Pensionierung

Dieses Merkblatt zeigt, wie sich die Reform auf die Renten auswirkt und was gilt, wenn man früher in Pension gehen oder länger arbeiten will.

Mit der AHV-Reform, die das Schweizer Stimmvolk am 25. September 2022 angenommen hat, erhöht sich das ordentliche Pensionierungsalter für Frauen voraussichtlich ab 2025 schrittweise von 64 auf 65 Jahre. Wie bisher dürfen Männer und Frauen dann die Rente bis zu zwei Jahre vorher beziehen, allerdings flexibler als heute, wo lediglich ganze Jahre vorbezogen werden können. Zudem wird es künftig auch möglich sein, zuerst nur einen Teil der Rente (20 bis 80 Prozent) zu beziehen und den Rest aufzuschieben. 

Diese Flexibilität bieten viele Pensionskassen schon heute an im Rahmen einer Teilpensionierung. Wer zum Beispiel mit 63 Jahren sein Arbeitspensum von 100 auf 70 Prozent reduziert, kann bereits dann 30 Prozent seines Pensionskassenguthabens beziehen. Mit Inkrafttreten der AHV-Revision sind alle Pensionskassen verpflichtet, Teilpensionierungen zu ermöglichen.

Wie kann ich die Einkommenslücke überbrücken?

Wer die Rente frühzeitig bezieht, erhält lebenslang eine tiefere Rente. Pensionskassen kürzen die Renten von Frühpensionären in der Regel lebenslang um 3 bis 5 Prozent pro Vorbezugsjahr. Wer mit 63 statt 65 in Rente geht, verzichtet demnach auf 6 bis 10 Prozent Rente. 

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Frühpensionierung: Das müssen Sie wissen

Eine Frühpensionierung ist teuer. Erfahren Sie im kostenlosen Merkblatt, wie der vorzeitige Ausstieg trotzdem gelingen kann.

Ein Vorbezug der AHV-Rente um ein Jahr führt heute zu einer Rentenkürzung von 6,8 Prozent. Bei einem Vorbezug um zwei Jahre Jahr sind es sogar 13,6 Prozent. Der Vorbezug zahlt sich deshalb nur aus, wenn man relativ früh stirbt. Zudem treiben vorzeitig bezogene Renten die AHV-Beiträge in die Höhe, die auch Frühpensionierte zahlen müssen (mehr dazu weiter unten).

Mit der AHV-Reform wird die Rente bei einem Vorbezug von zum Beispiel einem Jahr voraussichtlich nur noch um 4,0 Prozent statt 6,8 Prozent gekürzt. Frauen der Übergangsgeneration (wahrscheinlich die Jahrgänge 1961 bis 1969) profitieren von noch tieferen Kürzungssätzen. Welche Kürzungssätze genau gelten werden und ab wann, legt der Bundesrat noch fest.

Viele Pensionskassen bieten Frühpensionierten eine Überbrückungsrente an, mit der sie einen Vorbezug der AHV-Rente umgehen können. So eine Rente ist vor allem dann interessant, wenn sich der Arbeitgeber an der Finanzierung beteiligt oder wenn man von einer stark verkürzten Lebenserwartung ausgehen muss. Meistens müssen Frühpensionierte die Überbrückungsrente jedoch selbst finanzieren, indem die ausbezahlten Renten von ihrem angesparten Pensionskassenguthaben abgezogen werden. 

Am besten überbrückt man die Einkommenslücke zwischen der Frühpensionierung und der ordentlichen Pensionierung nach Möglichkeit mit privaten Ersparnissen wie zum Beispiel Guthaben in der Säule 3a oder Freizügigkeitsguthaben, die man grundsätzlich bis zu fünf Jahre vor Erreichen des AHV-Alters beziehen kann. Ebenfalls geeignet sind Guthaben aus Kapitallebensversicherungen – vorausgesetzt, sie kommen während der Frühpensionierung zur Auszahlung. Eine vorzeitige Auflösung der Police lohnt sich oft nicht, weil ein Rückkaufsverlust entsteht.

Je nachdem kann man auch die Hypothek aufstocken und dieses Geld zur Überbrückung der Einkommenslücke verwenden. Wegen der fehlenden Tragbarkeit verweigern jedoch viele Banken älteren Kreditnehmern die Aufstockung der Hypothek.

Muss ich nach der Frühpensionierung AHV-Beiträge zahlen?

Die Beitragspflicht endet erst, wenn man sein ordentliches AHV-Alter erreicht hat, für Männer also mit 65 und für Frauen zurzeit noch mit 64. Wer vorzeitig in Pension geht, muss folglich weiterhin AHV-Beiträge zahlen. Die Ausgleichskasse berechnet den geschuldeten Betrag für Nichterwerbstätige anhand des Vermögens und des Renteneinkommens.

Beträgt das Vermögen eines alleinstehenden Frühpensionierten zum Beispiel 500’000 Franken und sein jährliches Renteneinkommen 75’000 Franken, muss er 4378 Franken pro Jahr in die AHV einzahlen. Hinzu kommen je nach Ausgleichskasse bis zu 5 Prozent Verwaltungskosten.

Wichtig: Frühpensionierte werden von der AHV nicht automatisch dazu aufgefordert, Beiträge zu zahlen. Sie müssen sich bei der Zweigstelle ihrer Wohngemeinde als nichterwerbstätig anmelden, wenn sie keine rentenmindernden Beitragslücken riskieren wollen. Zudem kann die AHV die Beiträge der letzten fünf Jahre nachfordern, wenn sie das Versäumnis feststellt – und zwar samt Verzugszins von bis zu 5 Prozent. 

Wer gestaffelt in Pension geht oder nach der Frühpensionierung noch einer Teilzeitbeschäftigung nachgeht, kann AHV-Beiträge sparen. Die Beitragspflicht ist mit den AHV-Beiträgen auf dem reduzierten Erwerbseinkommen in der Regel bereits erfüllt, auch jene des Ehepartners.

Was kostet eine Frühpensionierung?

Die Kosten einer Frühpensionierung mit 64 statt mit 65 Jahren entsprechen etwa einem Jahresgehalt. Es fällt ein Jahreseinkommen weg, bereinigt um die niedrigeren Einkommenssteuern und die AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige, die bis zum regulären AHV-Alter gezahlt werden müssen. Zudem fallen die AHV- und die Pensionskassenrente wegen des Vorbezugs lebenslang tiefer aus.

Lässt sich der alleinstehende Mann in unserem Beispiel mit 64 Jahren frühpensionieren, betragen die Kosten rund 92'000 Franken (siehe Tabelle). Bei einer Pensionierung mit 62 Jahren machen sie 273'000 Franken aus.

Ist ein PK-Einkauf für die Frühpensionierung ratsam?

Immer mehr Pensionskassen bieten die Möglichkeit an, eine Leistungskürzung bei einer Frühpensionierung mit freiwilligen Einkäufen auszugleichen. Versicherte, die sich bereits für die vollen ordentlichen Leistungen in der Pensionskasse eingekauft haben, können dann zusätzliche Einkäufe tätigen.

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Einkauf in die Pensionskasse: Das sollten Sie beachten

Erfahren Sie in diesem Merkblatt, was Sie wissen sollten, bevor Sie sich für einen PK-Einkauf entscheiden.

Die zusätzlichen Altersleistungen dürfen die Altersleistungen bei einer ordentlichen Pensionierung allerdings höchstens um 5 Prozent übersteigen. Diese Leistungsgrenze überschreiten Versicherte unter Umständen, wenn sie doch länger arbeiten als geplant. Mit dem Aufschub ihrer Pensionierung zahlen sie nicht nur weiterhin in die Pensionskasse ein, auch ihr Rentenumwandlungssatz fällt höher aus als erwartet.

Fragen Sie Ihre Pensionskasse, was mit dem zu viel einbezahlten Kapital geschieht, bevor Sie diese Einkaufsmöglichkeit nutzen. In der Regel verfällt es zu Gunsten der Pensionskasse.

Wie verbreitet ist eine Frühpensionierung?

Fast jede zweite Schweizerin und jeder zweite Schweizer möchte früher in Pension gehen. Dass eine Frühpensionierung oft nicht nur ein frommer Wunsch bleibt, zeigen Zahlen des Bundesamtes für Statistik:

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Frühpensionierung: Das müssen Sie wissen

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Im Jahr 2020 bezogen über 40 Prozent der Neurentnerinnen und Neurentner ihre Pensionskassenleistungen vorzeitig. Die AHV-Rente haben lediglich 9 Prozent aller Neubezügerinnen und Neubezüger bereits vor dem gesetzlichen Rentenalter abgerufen. Das dürfte insbesondere daran liegen, dass sich ein AHV-Vorbezug oft nicht lohnt.

Teilpensionierung statt Frühpensionierung: Was sind die Vorteile?

Wer sein Arbeitspensum schrittweise reduziert, kann heute schon bei vielen Pensionskassen im Rahmen einer Teilpensionierung Altersguthaben ab 58 oder 60 vorzeitig beziehen, und zwar im Umfang der Pensumsreduktion. Sobald die AHV-Reform in Kraft tritt, müssen alle Pensionskassen diese Möglichkeit mindestens ab 63 anbieten und damit die Regelung übernehmen, wie sie neu auch in AHV gelten wird.

Schrittweise aufzuhören kostet viel weniger als eine Frühpensionierung. Ein Beispiel: Ein Mann mit einem Jahreslohn von 120'000 Franken muss mit Rentenkürzungen von rund 160'000 Franken rechnen, wenn er mit 63 aufhört. Reduziert er sein Pensum aber auf 50 Prozent, ist die Kürzung nur etwa ein Viertel so hoch (siehe Tabelle unten) – und zwar unabhängig davon, dass bei der Teilpensionierung noch zwei Jahre lang ein reduzierter Lohn fliesst.

Auch steuerlich kann sich eine Teilpensionierung lohnen, weil man länger in die Säule 3a einzahlen darf. Und wenn man sein Pensionskassenguthaben gestaffelt auszahlen lässt, spart man noch mehr Steuern.

Unfreiwillig in Frühpension wegen Jobverlust: Was muss ich beachten?

Wenn Unternehmen Stellen abbauen, entlassen sie oft als Erstes ihre ältesten Mitarbeitenden in die Frühpension. Betroffene sollten alle Optionen für ihr Pensionskassenguthaben sorgfältig prüfen, damit die Einkommenseinbusse im Ruhestand nicht allzu gross ausfällt. Je nachdem können sie entweder in der bisherigen Pensionskasse versichert bleiben, vorzeitig die Rente beziehen oder das Altersguthaben auf ein Freizügigkeitskonto transferieren. 

Manche Arbeitgeber federn die finanziellen Auswirkungen einer unfreiwilligen Frühpensionierung mit einer Abgangsentschädigung ab. Je nachdem kann es steuerlich sinnvoll sein, die Abgangsentschädigung in die Pensionskasse einzuzahlen.