Pensionierung

Frühpensionierung: Was Sie wissen sollten

Praktisch jede zweite Schweizerin und jeder zweite Schweizer möchte vorzeitig in Pension gehen. Die wichtigsten Themenkreise bei einer Frühpensionierung sind die Finanzierung der verbleibenden Jahre bis zur ordentlichen Pensionierung und die Koordination der ersten, zweiten und dritten Säule. 

Sven Pfammatter
Pensionierungsexperte
Aktualisiert am
18. Januar 2024

Ab wann ist eine Frühpensionierung möglich?

Die meisten Pensionskassen lassen einen vorzeitigen Bezug der Altersleistungen ab 58 oder 60 Jahren zu. Die AHV-Rente kann man sich ab 63 auszahlen lassen. 

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Frühpensionierung: Das müssen Sie wissen

Eine Frühpensionierung ist teuer. Erfahren Sie im kostenlosen Merkblatt, wie der vorzeitige Ausstieg trotzdem gelingen kann.

Für Frauen der Jahrgänge 1961 bis 1969 gelten besondere Regelungen. Das sind die ersten Jahrgänge, die von der schrittweisen Erhöhung des Frauenrentenalters von 64 auf 65 Jahre betroffen sind.

Diese sogenannte Übergangsgeneration kann sich entweder für das höhere Rentenalter entscheiden und erhält dafür lebenslang einen Zuschlag auf die AHV-Rente ausbezahlt, oder sie bezieht ihre AHV-Rente früher und kommt in den Genuss einer verminderten Rentenkürzung. Zudem können diese Frauen ihre Rente bereits ab 62 vorbeziehen statt erst ab 63.

Wie kann ich die Einkommenslücke bei einer Frühpensionierung überbrücken?

Im schweizerischen Vorsorgesystem löst im Normalfall die AHV zusammen mit der Pensionskassenrente das Erwerbseinkommen ab. Fällt das Berufseinkommen vor dem Erreichen des ordentlichen AHV-Alters (Referenzalter genannt) weg, entsteht eine Einkommenslücke, die es zu überbrücken gilt. Mehrere Möglichkeiten kommen dafür in Frage:

Vorbezug von Pensionskassenleistungen

Wenn man seine Pensionskassenleistungen vorzeitig bezieht, ist das Alterskapital kleiner als bei einer ordentlichen Pensionierung, weil Beitragsjahre und Zinsgutschriften wegfallen. Zudem wird der Umwandlungssatz gekürzt, mit dem das Guthaben in eine lebenslange Rente umgerechnet wird. Pensionskassen kürzen diesen Satz in der Regel um 0,15 bis 0,2 Prozentpunkte pro Vorbezugsjahr. Wer zwei Jahre früher aufhört, verzichtet so schnell einmal auf mehr als 10 Prozent Rente.

AHV-Rente vorzeitig beziehen

Auch ein Vorbezug der AHV-Rente führt zu einer lebenslangen Rentenkürzung. Bei einem Vorbezug um zwei Jahre Jahr sinkt die Rente um 13,6 Prozent. Wer sie ein Jahr früher bezieht, verzichtet auf 6,8 Prozent Rente. 

Der Vorbezug zahlt sich deshalb nur aus, wenn man relativ früh stirbt. Zudem treiben vorzeitig bezogene Renten die AHV-Beiträge in die Höhe, die auch Frühpensionierte zahlen müssen (mehr dazu weiter unten). Frauen der Jahrgänge 1961 bis 1969 profitieren von reduzierten Kürzungssätzen.

Überbrückungsrente

Viele Pensionskassen bieten Frühpensionierten eine Überbrückungsrente an, mit der sie einen Vorbezug der AHV-Rente umgehen können. So eine Rente ist vor allem dann interessant, wenn sich der Arbeitgeber an der Finanzierung beteiligt oder wenn man von einer stark verkürzten Lebenserwartung ausgehen muss. Meistens müssen Frühpensionierte die Überbrückungsrente jedoch selbst finanzieren, indem die ausbezahlten Renten von ihrem angesparten Pensionskassenguthaben abgezogen werden. 

Weitere Finanzierungsmöglichkeiten 

Am besten überbrückt man die Einkommenslücke zwischen der Frühpensionierung und der ordentlichen Pensionierung nach Möglichkeit mit privaten Ersparnissen wie zum Beispiel Guthaben in der Säule 3a oder Freizügigkeitsguthaben, die man grundsätzlich bis zu fünf Jahre vor Erreichen des AHV-Alters beziehen kann. Ebenfalls geeignet sind Guthaben aus Kapitallebensversicherungen – vorausgesetzt, sie kommen während der Frühpensionierung zur Auszahlung. Eine vorzeitige Auflösung der Police lohnt sich oft nicht, weil dann ein Verlust entsteht. Der sogenannte Rückkaufswert liegt in der Regel deutlich unter dem gesamthaft einbezahlten Kapital. 

Je nachdem kann man auch die Hypothek aufstocken und dieses Geld zur Überbrückung der Einkommenslücke verwenden. Wegen der fehlenden Tragbarkeit verweigern jedoch viele Banken älteren Kreditnehmern die Aufstockung der Hypothek.

Muss ich nach der Frühpensionierung AHV-Beiträge zahlen?

Die Beitragspflicht endet erst, wenn man sein Referenzalter erreicht hat. Wer vorzeitig in Pension geht, muss folglich weiterhin AHV-Beiträge zahlen. Das gilt selbst dann, wenn man die AHV-Rente vorzeitig bezieht. 

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AHV-Reform: Das gilt neu für Ihre Pensionierung

Dieses Merkblatt zeigt, wie sich die Reform auf die Renten auswirkt und was gilt, wenn man früher in Pension gehen oder länger arbeiten will.

Die Ausgleichskasse berechnet die geschuldeten AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige anhand des Vermögens und des Renteneinkommens.Beträgt das Vermögen eines alleinstehenden Frühpensionierten zum Beispiel 500’000 Franken und sein jährliches Renteneinkommen 75’000 Franken, muss er 4378 Franken pro Jahr in die AHV einzahlen. Hinzu kommen je nach Ausgleichskasse bis zu 5 Prozent Verwaltungskosten.

Wichtig: Frühpensionierte werden von der AHV nicht automatisch dazu aufgefordert, Beiträge zu zahlen. Sie müssen sich bei der Zweigstelle ihrer Wohngemeinde als nichterwerbstätig anmelden, wenn sie keine rentenmindernden Beitragslücken riskieren wollen. Zudem kann die AHV die Beiträge der letzten fünf Jahre nachfordern, wenn sie das Versäumnis feststellt – und zwar samt Verzugszins von bis zu 5 Prozent. 

Wer gestaffelt in Pension geht oder nach der vorzeitigen Pensionierung noch einer Teilzeitbeschäftigung nachgeht, kann AHV-Beiträge sparen. Die Beitragspflicht ist mit den AHV-Beiträgen auf dem reduzierten Erwerbseinkommen in der Regel bereits erfüllt, auch jene des Ehepartners.

Besser Anfang oder Ende Jahr frühzeitig in Pension gehen?

Es kann finanziell einen grossen Unterschied machen, ob man schon im Januar oder erst im Dezember in Pension geht:

Einzahlung in die Säule 3a

Erwerbstätige, die nicht in einer Pensionskasse versichert sind, dürfen jedes Jahr bis zu 20 Prozent ihres Einkommens und maximal 35'280 Franken in die Säule 3a einzahlen. Je später im Kalenderjahr sie in Pension gehen, desto mehr verdienen sie im Jahr ihrer Pensionierung, und desto mehr können sie noch in die dritte Säule einzahlen und vom steuerbaren Einkommen abziehen.

Steuern auf Pensionskassenbezug

Wer sein Pensionskassenguthaben auszahlen lässt oder einen Teil davon, muss den Kapitalbezug in dem Jahr versteuern, in dem das Guthaben fällig wird. Das Fälligkeitsdatum ist normalerweise der Tag nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Fällt der Pensionierungszeitpunkt auf den 31. Dezember, wird der Pensionskassenbezug also erst im neuen Jahr besteuert. Das kann wichtig sein, denn wer Pensionskassen-, Freizügigkeits- und Säule-3a-Guthaben über mehrere Steuerperioden verteilt bezieht, spart leicht mehrere Tausend Franken an Kapitalauszahlungssteuern.

AHV-Beiträge bei einer Frühpensionierung

Wer vorzeitig in Pension geht, muss oft mehrere Tausend Franken pro Jahr an AHV-Beiträgen zahlen, bis er das ordentliche AHV-Alter erreicht hat. Arbeitet man im Jahr der Frühpensionierung mindestens neun Monate lang und beträgt das Arbeitspensum mindestens 50 Prozent, gilt AHV-Beitragspflicht für das betreffende Jahr als erfüllt und es werden keine zusätzlichen Beiträge fällig. 

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Pensionierung selber planen: Das sind die häufigsten Fehler

Dieses Merkblatt zeigt Ihnen auf, welche Fehler bei der Pensionierung besonders häufig sind und wie Sie diese am besten vermeiden.

Beträgt die Arbeitszeit weniger als neun Monate, vergleicht die Ausgleichskasse die Beiträge, die als Nichterwerbstätiger geschuldet sind, mit den Beiträgen, die der Frühpensionierte und sein Arbeitgeber auf dem Erwerbseinkommen einbezahlt haben. Wenn die Beiträge aus dem Erwerbseinkommen kleiner als die Hälfte der Beiträge als Nichterwerbstätiger sind, ist die Beitragspflicht nicht erfüllt.

Der Frühpensionierte muss dann die Beiträge für Nichterwerbstätige zahlen. Die Beiträge, die bereits auf dem Erwerbseinkommen geleistet wurden, werden dabei angerechnet.

Frühpensionierte müssen keine AHV-Beiträge zahlen, wenn ihr Ehepartner als erwerbstätig im Sinne der AHV gilt und zusammen mit seinem Arbeitgeber mindestens 1028 Franken pro Jahr in die AHV einzahlt.

Rente, Kapital oder beides?

Wer in Pension geht, kann sein Guthaben in der Pensionskasse auszahlen lassen oder als Rente beziehen. Auch ein Mix aus beidem ist möglich.

Der grösste Vorteil der Rente ist, dass sie ausbezahlt wird, solange man lebt. Allerdings wird die Rente über die Jahre an Wert verlieren, weil die wenigsten Pensionskassen die Inflation ausgleichen. Bei einer jährlichen Teuerung von 2 Prozent schrumpft die Kaufkraft von 3000 Franken in 10 Jahren auf rund 2450 Franken.

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Pensionierung – Rente oder Kapital?

Wie soll man das Pensionskassenguthaben beziehen? Die wichtigsten Kriterien für Ihren Entscheid erfahren Sie in diesem Merkblatt.

Mit dem Kapitalbezug bleibt man finanziell flexibler und spart in der Regel Steuern. Die Rente muss man jedes Jahr als Einkommen versteuern. Das Kapital wird nur einmal besteuert – zu einem tieferen Steuersatz. Der Kapitalbezug ist daher oft attraktiver. Auf keinen Fall sollte man sich aber nur aus steuerlichen Gründen für einen Kapitalbezug entscheiden.

Meistens reichen die Renten aus AHV und Pensionskasse schon bei einer ordentlichen Pensionierung nicht mehr aus, um den gewohnten Lebensstandard weiterzuführen. Eine Frühpensionierung verschärft das Problem zusätzlich. Viele angehende Pensionierte sind heute gezwungen, mindestens einen Teil ihres Guthabens in Kapitalform zu beziehen, wenn sie im Ruhestand genug Einkommen haben möchten.

Ob Rente oder Kapital: Der Entscheid ist endgültig und prägt die spätere Lebensqualität. Bereiten Sie sich darum gut darauf vor. Wägen Sie die Chancen und Risiken jeder Bezugsform gut ab und erstellen Sie einen Finanzplan. Er zeigt auf, wie sich der Bezug der Rente oder des Kapitals langfristig auswirkt. Das hilft enorm, sich richtig zu entscheiden.

Was kostet eine Frühpensionierung?

Die Kosten einer vorzeitigen Pensionierung mit 64 statt mit 65 Jahren entsprechen etwa einem Jahresgehalt. Es fällt ein Jahreseinkommen weg, bereinigt um die niedrigeren Einkommenssteuern und die AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige, die bis zum regulären AHV-Alter gezahlt werden müssen. Zudem fallen die AHV- und die Pensionskassenrente wegen des Vorbezugs lebenslang tiefer aus.

Lässt sich der alleinstehende Mann in unserem Beispiel mit 64 Jahren frühpensionieren, betragen die Kosten rund 92'000 Franken (siehe Tabelle). Bei einer Pensionierung mit 62 Jahren machen sie 273'000 Franken aus.

Ist ein PK-Einkauf für die Frühpensionierung ratsam?

Immer mehr Pensionskassen bieten die Möglichkeit an, eine Leistungskürzung bei einer vorzeitigen Pensionierung mit freiwilligen Einkäufen auszugleichen. Versicherte, die sich bereits für die vollen ordentlichen Leistungen in der Pensionskasse eingekauft haben, können dann zusätzliche Einkäufe tätigen.

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Einkauf in die Pensionskasse: Das sollten Sie beachten

Erfahren Sie in diesem Merkblatt, was Sie wissen sollten, bevor Sie sich für einen PK-Einkauf entscheiden.

Die zusätzlichen Altersleistungen dürfen die Altersleistungen bei einer ordentlichen Pensionierung allerdings höchstens um 5 Prozent übersteigen. Diese Leistungsgrenze überschreiten Versicherte unter Umständen, wenn sie doch länger arbeiten als geplant. Mit dem Aufschub ihrer Pensionierung zahlen sie nicht nur weiterhin in die Pensionskasse ein, auch ihr Rentenumwandlungssatz fällt höher aus als erwartet.

Fragen Sie Ihre Pensionskasse, was mit dem zu viel einbezahlten Kapital geschieht, bevor Sie diese Einkaufsmöglichkeit nutzen. In der Regel verfällt es zu Gunsten der Pensionskasse.

Teilpensionierung statt Frühpensionierung: Was sind die Vorteile?

Wer sein Arbeitspensum schrittweise reduzieren möchte, kann auch nur einen Teil der AHV- und/oder der Pensionskassenrente vorzeitig beziehen. Es ist möglich, die Rente zwischen 63 und 70 in bis zu drei Teilschritten beziehen. Bei vielen Pensionskassen sind Teilpensionierungen bereits ab 58 oder 60 möglich.

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Schrittweise in Pension gehen

Erfahren Sie aus diesem Merkblatt, was Sie beachten und entscheiden müssen, wenn Sie Ihr Arbeitspensum sukzessive reduzieren möchten.

Schrittweise aufzuhören kostet viel weniger als eine Frühpensionierung. Ein Beispiel: Ein Mann mit einem Jahreslohn von 120'000 Franken muss mit Rentenkürzungen von rund 160'000 Franken rechnen, wenn er mit 63 aufhört. Reduziert er sein Pensum aber auf 50 Prozent, ist die Kürzung nur etwa ein Viertel so hoch (siehe Tabelle unten) – und zwar unabhängig davon, dass bei der Teilpensionierung noch zwei Jahre lang ein reduzierter Lohn fliesst.

Auch steuerlich kann sich eine Teilpensionierung lohnen, weil man länger in die Säule 3a einzahlen darf. Und wenn man sein Pensionskassenguthaben gestaffelt auszahlen lässt, spart man noch mehr Steuern.

Unfreiwillig in Frühpension wegen Jobverlust: Was muss ich beachten?

Wenn Unternehmen Stellen abbauen, entlassen sie oft als Erstes ihre ältesten Mitarbeitenden in die Frühpension. Betroffene sollten alle Optionen für ihr Pensionskassenguthaben sorgfältig prüfen, damit die Einkommenseinbusse im Ruhestand nicht allzu gross ausfällt. Je nachdem können sie entweder in der bisherigen Pensionskasse versichert bleiben, vorzeitig die Rente beziehen oder das Altersguthaben auf ein Freizügigkeitskonto transferieren. 

Manche Arbeitgeber federn die finanziellen Auswirkungen einer unfreiwilligen Frühpensionierung mit einer Abgangsentschädigung ab. Je nachdem kann es steuerlich sinnvoll sein, die Abgangsentschädigung in die Pensionskasse einzuzahlen.