Pensionierung

Frühpensionierung: Was Sie wissen sollten

Eine Frühpensionierung ist nicht billig. Setzt man sich früh genug mit dem Thema auseinander, kann der vorzeitige Berufsausstieg trotzdem gelingen.

Sven Pfammatter

Pensionierungsexperte

1. So lässt sich die Einkommenslücke überbrücken

Wer früher in Pension geht, muss die Einkommenslücke zwischen der Frühpensionierung und der ordentlichen Pensionierung überbrücken. Am besten eignen sich dazu private Ersparnisse wie zum Beispiel Guthaben in der Säule 3a, die man grundsätzlich bis zu fünf Jahre vor Erreichen des AHV-Alters beziehen kann. Ebenfalls geeignet sind Guthaben aus Kapitallebensversicherungen – vorausgesetzt, sie kommen während der Frühpensionierung zur Auszahlung. Eine vorzeitige Auflösung der Police lohnt sich oft nicht, weil ein Rückkaufsverlust entsteht.

Merkblatt

AHV und Pensionierung: Das müssen Sie wissen

Die AHV ist ein Vorsorgewerk mit sehr komplexen Regeln, die für Laien kaum zu durchschauen sind. Das Wichtigste erfahren Sie in diesem Merkblatt.

Die AHV-Rente kann man schon ein oder zwei Jahre vor dem regulären Rentenalter beziehen, und die meisten Pensionskassen lassen einen Bezug der Altersleistungen ab 58 oder 60 Jahren zu. Pensionskassen kürzen die Renten von Frühpensionären in der Regel lebenslang um 3 bis 5 Prozent pro Vorbezugsjahr. Wer mit 63 statt 65 in Rente geht, verzichtet demnach auf 6 bis 10 Prozent Rente.

Ein Vorbezug der AHV-Rente um zwei Jahre führt sogar zu einer Rentenkürzung von 13,6 Prozent. Bei einem Vorbezug um ein Jahr sind es 6,8 Prozent. Viele Pensionskassen bieten Frühpensionierten eine Überbrückungsrente an, mit der sie einen Vorbezug der AHV-Rente umgehen können.

Eine weitere Finanzierungsquelle kann auch das Eigenheim sein. Man kann die Hypothek aufstocken und dieses Geld zur Überbrückung der Einkommenslücke verwenden. Viele Banken verweigern älteren Kreditnehmern jedoch wegen der fehlenden Tragbarkeit die Aufstockung der Hypothek, auch wenn sie sich die höhere Hypothek bei den tiefen Zinsen problemlos leisten könnten.

2. Was kostet eine Frühpensionierung?

Die Kosten einer Frühpensionierung mit 64 statt mit 65 Jahren entsprechen etwa einem Jahresgehalt. Es fällt ein Jahreseinkommen weg, bereinigt um die niedrigeren Einkommenssteuern und die AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige, die bis zum regulären AHV-Alter gezahlt werden müssen. Zudem fallen die AHV- und die Pensionskassenrente wegen des Vorbezugs lebenslang tiefer aus.

Lässt sich der alleinstehende Mann in unserem Beispiel mit 64 Jahren frühpensionieren, betragen die Kosten rund 100'000 Franken (siehe Tabelle). Bei einer Pensionierung mit 62 Jahren machen sie fast 300'000 Franken aus.

3. PK-Einkauf für die Frühpensionierung

Immer mehr Pensionskassen bieten die Möglichkeit an, eine Leistungskürzung bei einer Frühpensionierung mit freiwilligen Einkäufen auszugleichen. Versicherte, die sich bereits für die vollen ordentlichen Leistungen in der Pensionskasse eingekauft haben, können dann zusätzliche Einkäufe tätigen.

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Einkauf in die Pensionskasse: Das sollten Sie beachten

Erfahren Sie in diesem Merkblatt, was Sie wissen sollten, bevor Sie sich für einen PK-Einkauf entscheiden.

Die zusätzlichen Altersleistungen dürfen die Altersleistungen bei einer ordentlichen Pensionierung allerdings höchstens um 5 Prozent übersteigen. Diese Leistungsgrenze überschreiten Versicherte unter Umständen, wenn sie doch länger arbeiten als geplant. Mit dem Aufschub ihrer Pensionierung zahlen sie nicht nur weiterhin in die Pensionskasse ein, auch ihr Rentenumwandlungssatz fällt höher aus als erwartet.

Fragen Sie Ihre Pensionskasse, was mit dem zu viel einbezahlten Kapital geschieht, bevor Sie diese Einkaufsmöglichkeit nutzen. In der Regel verfällt es zu Gunsten der Pensionskasse.

4. Wie verbreitet ist eine Frühpensionierung?

Laut einer Umfrage des VZ VermögensZentrums unter 1588 Personen, die 2018 an den kostenlosen Infoveranstaltungen des VZ zum Thema Pensionierung teilnahmen, zieht knapp die Hälfte der Befragten eine Frühpensionierung in Erwägung. Dass eine Frühpensionierung oft nicht nur ein frommer Wunsch bleibt, zeigen Zahlen des Bundesamtes für Statistik:

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Frühpensionierung: Das müssen Sie wissen

Eine Frühpensionierung ist teuer. Erfahren Sie im kostenlosen Merkblatt, wie der vorzeitige Ausstieg trotzdem gelingen kann.

Im Jahr 2020 bezogen über 40 Prozent der Neurentnerinnen und Neurentner ihre Pensionskassenleistungen vorzeitig. Die AHV-Rente haben lediglich 9 Prozent aller Neubezügerinnen und Neubezüger bereits vor dem gesetzlichen Rentenalter abgerufen. Das dürfte insbesondere daran liegen, dass sich ein AHV-Vorbezug oft nicht lohnt.

5. Teilpensionierung: Die günstige Alternative zur Frühpensionierung

Prüfen Sie eine schrittweise Reduktion des Arbeitspensums, wenn eine Frühpensionierung zu teuer ist, Auf dem Teilzeiteinkommen sind weiterhin AHV-Beiträge fällig. Die Beitragspflicht ist damit oft bereits erfüllt, und es fallen keine zusätzlichen AHV-Beiträge an wie es bei einer vollständigen Frühpensionierung. Eine gestaffelte Pensionierung kann sich auch steuerlich lohnen, wenn man das Pensionskassenguthaben in Kapitalform bezieht.

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Schrittweise in Pension gehen

Erfahren Sie aus diesem Merkblatt, was Sie beachten und entscheiden müssen, wenn Sie Ihr Arbeitspensum sukzessive reduzieren möchten.

Bei mehreren Teilbezügen fallen insgesamt weniger Steuern an als bei einem einmaligen Bezug des gesamten Kapitals. Die meisten Steuerbehörden akzeptieren zwei Kapitalbezüge in verschiedenen Jahren. Wer drei oder mehr Bezüge plant, sollte sich von der Steuerbehörde vorgängig bestätigen lassen, dass sie dieses Vorgehen akzeptiert.

Wer sein Arbeitspensum nach 58 reduziert, kann bei manchen Pensionskassen bis zum Erreichen des ordentlichen Pensionierungsalters weiterhin den vollen Lohn versichern, den er bis dahin bezogen hat – sofern er aufgrund des kleineren Pensums maximal 50 Prozent weniger verdient und noch keine Altersleistungen bezieht. Damit fallen die Altersleistungen gleich hoch aus wie ohne Arbeitszeitreduktion.

Der Arbeitgeber muss nur seinen Anteil der Pensionskassenbeiträge auf dem effektiven Lohn übernehmen. Die restlichen Sparbeiträge und die Risikoprämien auf dem fiktiv versicherten Lohnteil zahlt der Arbeitnehmer ein.

Was ändert sich mit der AHV-Reform?

Am 25. September 2022 hat das Schweizer Stimmvolk die AHV-Reform angenommen. Sie tritt voraussichtlich 2024 in Kraft und hat auch Auswirkungen auf eine Früpensionierung. So wird das ordentliche Pensionierungsalter für Frauen schrittweise von 64 auf 65 Jahre erhöht.

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AHV-Reform: Das gilt neu für Ihre Pensionierung

Dieses Merkblatt zeigt, wie sich die Reform auf die Renten auswirkt und was gilt, wenn man früher in Pension gehen oder länger arbeiten will.

Zudem können Männer und Frauen ihre erste Rente flexibel zwischen 63 und 70 abrufen. Und es wird anders als heute auch möglich sein, zuerst nur einen Teil der Rente zu beziehen und den Rest aufzuschieben. Bei einem Vorbezug von zum Beispiel einem Jahr wird die Rente nur noch um voraussichtlich 4,0 Prozent gekürzt (heute: 6,8 Prozent). Frauen der Übergangsgeneration (wahrscheinlich die Jahrgänge 1961 bis 1969) profitieren von noch tieferen Kürzungssätzen. Welche Sätze genau gelten werden, legt der Bundesrat noch fest.

Mit Inkrafttreten der AHV-Revision werden alle Pensionskassen verpflichtet, Teilpensionierungen zu ermöglichen, und die Bedingungen werden nun gesetzlich geregelt: Die Pensionskassenrente darf man in bis zu drei Schritten beziehen. Pensionskassen können auch mehr Schritte erlauben. Bei einem Kapitalbezug des Guthabens oder einem Mix aus Rente und Kapital dürfen es nicht mehr als drei Schritte sein.

Sie möchten früher in Pension gehen und dabei alles richtig machen? Bestellen Sie unser kostenloses Merkblatt oder sprechen Sie mit einer Fachperson im VZ in Ihrer Nähe.