Pensionierung

AHV-Reform: Das sollten Sie für Ihre Pensionierung wissen

Das Frauenrentenalter 65 kommt. Die AHV-Reform hat auch weitreichende Folgen für alle Frauen und Männer, die sich frühpensionieren lassen oder im Alter weiterarbeiten wollen.

Simon Tellenbach
Vorsorgespezialist
Aktualisiert am
01. September 2023

Der Bundesrat will die AHV-Reform ab 2024 umsetzen. Wer sich richtig auf seine Pensionierung vorbereitet, sollte schon heute diese Konsequenzen der Reform kennen:

Frauenrentenalter

Das ordentliche Pensionierungsalter für Frauen wird schrittweise von 64 auf 65 Jahre erhöht. Die erste Erhöhung um drei Monate findet ein Jahr nach Inkrafttreten der Reform, also im Jahr 2025, statt und zwar für die 1961 geborenen Frauen. Frauen mit Jahrgang 1962 müssen sechs Monate länger arbeiten bis zur ordentlichen Pensionierung, 1963 geborene Frauen neun Monate mehr und 1964 geborene Frauen bis Alter 65. Ab 2028 gilt dann also für Frauen wie Männer das gleiche Rentenalter 65.

Übergangsgeneration

Zwischen 1961 und 1969 geborene Frauen gehören zur Übergangsgeneration. Sie werden für das höhere Rentenalter finanziell entschädigt. Sie wählen zwischen zwei Optionen:

1) Option Zuschlag: Frauen, die bis zum neu für sie gültigen Rentenalter arbeiten, bekommen dafür einen lebenslangen Zuschlag auf ihre AHV-Renten. Frauen mit tieferen Einkommen erhalten einen höheren Zuschlag. Der monatliche Zuschlag auf die Rente beträgt maximal:

  • 160 Franken für Frauen mit einem Einkommen bis 58'800 Franken (vierfache minimale AHV-Einzelrente)
  • 100 Franken für ein Einkommen zwischen 58’801 Franken und 73'500 Franken (fünffache minimale AHV-Einzelrente)
  • 50 Franken für ein Einkommen ab 73’501 Franken

Nur die 1964 und 1965 geborenen Frauen erhalten den vollen Zuschlag. Bis zum Jahrgang 1970 sinkt die Kompensation dann auf null (Tabelle).

Der Rentenzuschlag wird ein Leben lang in unveränderter Höhe ausbezahlt. Das bedeutet auch, dass er nicht an die Teuerung angepasst wird.

2) Option Vorbezug: Frauen der Übergangsgeneration können sich auch gegen das höhere Rentenalter und für eine Frühpensionierung entscheiden. Sie gehen mit 64 Jahren (oder früher) in Pension. Wegen dieses Vorbezuges werden ihre Renten gekürzt. Bei tieferen Einkommen wird weniger stark gekürzt als bei höheren Löhnen (Tabelle).

Flexibler Rentenbezug

Viele wichtige Auswirkungen der AHV-Reform betreffen sowohl Frauen als auch Männer. Neu wird man seine erste AHV-Rente flexibel zwischen 63 und 70 abrufen können (Frauen der Übergangsgeneration bereits ab 62). Zudem wird es möglich sein, zuerst nur einen Teil der Rente, nämlich 20 bis 80 Prozent, zu beziehen und den Rest aufzuschieben. Das soll den schrittweisen Übergang in die Pensionierung erleichtern.

Merkblatt

AHV-Reform: Das gilt neu für Ihre Pensionierung

Dieses Merkblatt zeigt, wie sich die Reform auf die Renten auswirkt und was gilt, wenn man früher in Pension gehen oder länger arbeiten will.

Bei einem Vorbezug von zum Beispiel einem Jahr wird die Rente nur noch um voraussichtlich 4,0 Prozent gekürzt (heute: 6,8 Prozent). Bei einem Aufschub um ein Jahr gibt es einen Zuschlag von voraussichtlich 4,3 Prozent (heute: 5,2 Prozent). Welche Sätze genau gelten werden, legt der Bundesrat noch fest, frühestens per Anfang 2027.

Weiterarbeiten nach 65

Wer über das ordentliche Pensionierungsalter hinaus arbeitet und mehr als 1400 Franken im Monat verdient, muss auch weiter in die AHV einzahlen. Diese Beiträge führen derzeit aber nicht zu einer höheren Rente. Die AHV-Reform korrigiert das teilweise. Neu werden auch die nach 65 eingezahlten Beiträge rentenbildend sein. Das macht es finanziell attraktiver, über das ordentliche Rentenalter hinaus zu arbeiten. Wer die Maximalrente jedoch bereits erreicht hat, kann sie nicht weiter erhöhen. Künftig wird man zudem entscheiden können, ob man auf dem gesamten Einkommen AHV-Beiträge bezahlen will oder den Freibetrag von 1400 Franken im Monat wählt.

Pensionskasse

Viele Vorsorgeeinrichtungen bieten bereits heute freiwillig Teilpensionierungen an. Mit der AHV-Reform werden neu alle Pensionskassen verpflichtet, Teilpensionierungen zu ermöglichen, und die Bedingungen werden nun gesetzlich geregelt: Die Pensionskassenrente darf man in bis zu drei Schritten beziehen. Pensionskassen können auch mehr Schritte erlauben. Bei einem Kapitalbezug des Guthabens oder einem Mix aus Rente und Kapital dürfen es nicht mehr als drei Schritte sein.

Freizügigkeit

Heute darf man den Bezug seiner Freizügigkeitsgelder um bis zu fünf Jahre aufschieben. Das gilt auch, wenn man gar nicht mehr erwerbstätig ist. Diese Regelung macht es leichter, seine Vorsorgegelder gestaffelt zu beziehen und so Steuern zu sparen. Die Möglichkeit entfällt in Zukunft: Der Bundesrat wird so einen Aufschub auf Personen beschränken, die nach 65 weiter arbeiten. Diese Änderung tritt aber nicht sofort in Kraft. Der Bundesrat hat eine Übergangsfrist von fünf Jahren vorgesehen, während der die Auszahlung der Freizügigkeit aufgeschoben werden kann, auch wenn man nicht erwerbstätig ist.

Säule 3a

Für Frauen der Jahrgänge 1961 bis 1964 wird das Pensionierungsalter schrittweise auf 65 erhöht. Das bedeutet: Bis Ende 2023 dürfen diese Frauen ihre Säule 3a weiterhin mit 59 beziehen. Bis dahin haben diese Jahrgänge das 59. Altersjahr erreicht. Auch der Jahrgang 1964 kann die Säule 3a im laufenden Jahr noch mit 59 beziehen. Achtung: Ab 2024 wäre für Frauen mit Jahrgang 1964 eigentlich ein Vorbezug erst mit 60 möglich. Das hiesse, dass sie ab 2024 ihr Guthaben dann gewisse Monate nicht mehr beziehen könnten, bis sie 60 sind. Das wäre ein Nachteil, darum wollen die Behörden die Bezugsmöglichkeit nicht unterbrechen. Für alle Jahrgänge ab 1965 gilt das neue Recht: Ein Vorbezug ist mit 60 erlaubt.

Die AHV-Reform hat grosse Auswirkungen auf alle zukünftigen Pensionierten. Informieren Sie sich schon heute, was neu für Sie gilt. Bestellen Sie das kostenlose Merkblatt zur Reform. Für Frauen der Übergangsgeneration gibt es zudem ein Merkblatt speziell für sie. Haben Sie Fragen? Sprechen Sie mit einer Fachperson im VZ in Ihrer Nähe.