Hypotheken: Solider Ertrag, wenig Risiken

Pensionskasse

Professor John Davidson über die Vor- und Nachteile von Hypotheken im Nullzinsumfeld, weshalb Pensionskassen das Segment trotzdem noch zu wenig nutzen und wie viel Rendite ihnen dadurch entgeht.

Portritfoto John Davidson

John Davidson, weshalb sind Schweizer Wohnbauhypotheken für Pensionskassen derzeit ein spannendes Anlagesegment? 

Wohnbauhypotheken bieten eine interessante Kombination aus stabilen Erträgen und überschaubaren Risiken. Angesichts des aktuellen Nullzinsniveaus, der Margenausweitung und der moderaten Inflationserwartung in der Schweiz suchen viele Investoren verlässliche Renditequellen. Bei Hypotheken werden sie fündig: 10-jährige Festhypotheken etwa rentierten seit 2013 im Schnitt 1,67 Prozent. Das ist deutlich mehr als Staatsanleihen, die im Juni bei rund 0,40 Prozent lagen. 

Wie gross ist denn der Markt? 

In der Schweiz beträgt das Hypothekarvolumen fast 1,3 Billionen Franken. Das Geschäft ist sehr attraktiv, denn viele Kredite sind langfristig abgesichert. Dank strenger Vergaberegeln sind Schweizer Hypotheken solide finanziert. Für Pensionskassen mit langfristigem Horizont passt das sehr gut. 

Welche Nachteile müssen Anleger für die Mehrrendite hinnehmen? 

Hypotheken sind weniger liquid als börsengehandelte Investments. Einmal vergeben, bleibt die Anlage oft über Jahre gebunden. Deshalb darf man auch das Zinsänderungsrisiko nicht vernachlässigen: Sobald die Zinsen wieder steigen, nimmt die Attraktivität der getätigten Anlagen ab. Zudem braucht es auch Know-how, um Risiken richtig einzuschätzen. Und der Aufwand bei Direktanlagen ist höher: Kredite müssen geprüft, bewertet und laufend überwacht werden. 

Durchschnittlich halten Pensionskassen nur 1,5 Prozent ihrer Anlagen in Hypotheken. Weshalb wurde das Segment bisher vernachlässigt? 

Viele Kassen scheuen den Aufbau der nötigen Infrastruktur. Es braucht Prozesse, Spezialisten und ein gutes Risikomanagement, wenn man diese Arbeit nicht auslagern möchte. Zudem sind Obligationen einfacher zu handhaben und waren in der Vergangenheit von der Verzinsung her attraktiver. Erst mit den tiefen Zinsen wurde klar, dass man nach Alternativen suchen muss, wie auch unsere jährliche Studie bei den Pensionskassen belegt. 

Welche Renditen verpassen die Kassen und damit die Versicherten? 

Je nach Laufzeit und Risiko liegt der Zuschlag gegenüber Staatsanleihen oft bei mehreren Zehntelprozenten pro Jahr. Das klingt nach wenig, summiert sich aber stark. Im derzeitigen Nullzinsumfeld könnten Pensionskassen mehrere Milliarden Franken zusätzlich für ihre Versicherten erwirtschaften – bei sehr tiefen Ausfallrisiken und tiefer Volatilität. Diese Rendite fehlt letztlich bei der Verzinsung der Altersguthaben. 

Worauf müssen Pensionskassen achten, wenn sie ihr Hypotheken-Portfolio ausbauen wollen? 

Essenziell ist die Qualität der Hypotheken, also Sicherheiten, Lage, Belehnung und Tragbarkeit. Deshalb ist die Kreditprüfung zentral. Wichtig ist auch eine breite Diversifikation – nach Regionen, Laufzeiten und Schuldnern. Schliesslich braucht es klare Prozesse und erfahrene Partner. Wer das sauber aufsetzt, kann die Vorteile nutzen, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Zur Person

Als Dozent und Studienleiter im Bereich "Real Estate und Private Equity" an der HSLU (IFZ Zug) verfügt Prof. Dr. John Davidson über langjährige Erfahrung in der Immobilienwirtschaft. Er ist Co-Autor der jährlichen IFZ-Studie "Immobilien- und Hypothekaranlagen" (www.hslu.ch).