Alle Renten auf einen Blick: Geht das?
Pensionierung
Der Bund will, dass Erwerbstätige ihre künftigen Renten digital an einem Ort überblicken können. Stephanie Wickihalder vom Verband Swiss Fintech Innovations erklärt im Interview, wie die Initiative umgesetzt werden soll.
Frau Wickihalder, wie gut wissen Schweizerinnen und Schweizer über ihre Rente Bescheid?
Die wenigsten haben den Überblick über ihre persönliche Situation und die ihrer Familie. Die Daten liegen bei der AHV, den Pensionskassen und den Anbietern der Säule 3a. Wer wissen will, wie gut er dasteht, muss die Daten selbst zusammentragen – für jede Säule einzeln. Das ist aufwändig und setzt einiges an Fachwissen voraus. Viele haben darum nur eine grobe Vorstellung ihrer Rente. Das ist problematisch.
Was sind die Folgen?
Fundierte finanzielle Entscheidungen sind so kaum möglich. Vor der Pensionierung können etwa ein Jobwechsel oder eine Babypause die Renten deutlich verändern. Und bei der Pensionierung fällt es vielen schwer zu beurteilen, ob Rente, Kapital oder ein Mix aus beidem die bessere Lösung ist – ihnen fehlt die Gesamtsicht.
Wie will der Bund das ändern?
Der Bund wurde beauftragt, den Zugang zu unseren Vorsorgedaten zu verbessern. Mit dem Projekt Open Pension leisten wir als Branche einen wichtigen Beitrag dazu: Erwerbstätige sollen ihre Daten künftig gebündelt und digital abrufen können. Bei Bedarf können sie diese mit vertrauenswürdigen Dritten ihrer Wahl teilen, etwa mit einer Bank, einem Vorsorgeberater, einem Treuhänder oder einer Fintechfirma.
Wie muss man sich das vorstellen?
Stellen Sie sich ein Cockpit vor, das Ihre Leistungen aus AHV, Pensionskasse, Freizügigkeit und privater Vorsorge auf einen Blick zeigt. Sie können simulieren, wie sich Teilzeitarbeit, ein höherer Lohn oder freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse und Säule 3a auf Ihre Rente auswirken. Gleichzeitig erkennen Sie, ob Lücken im Alter oder bei Risiken wie Tod und Invalidität bestehen.
Wird das nicht schnell kompliziert?
Im Gegenteil, das Cockpit schafft Transparenz und senkt die Hürden, sich mit der eigenen Vorsorge auseinanderzusetzen. Ziel ist es nicht, dass man seine Pensionierung alleine plant. Wer Unterstützung wünscht, kann seine Daten freiwillig als Basis für ein Gespräch mit einer Fachperson nutzen.
Was ist die Aufgabe Ihrer Organisation bei diesem Projekt?
Als Innovationsverband vernetzen wir die Akteure aus der Finanz-, Vorsorgeund Versicherungsbranche und bringen unsere Expertise in den Dialog mit Politik und Behörden ein. Parallel dazu arbeitet der Bund an den rechtlichen und technischen Grundlagen, damit Vorsorgedaten sicher und standardisiert ausgetauscht werden können.
Was kann man bis dahin tun?
Fordern Sie Ihren AHV-Auszug an und prüfen Sie jedes Jahr den Vorsorgeausweis Ihrer Pensionskasse. Viele Pensionskassen werden ab 2027 den digitalen Vorsorgeausweis digVA mit QR-Code anbieten. Damit können Sie Ihre Daten direkt in ein persönliches Vorsorge-Cockpit einlesen und die Leistungen der zweiten Säule jederzeit online abrufen.
Zur PersonStephanie Wickihalder hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche. Seit 2017 präsidiert sie Swiss Fintech Innovations (SFTI) und engagiert sich für die digitale und innovative Weiterentwicklung des Schweizer Finanzplatzes. Sie ist Mitglied der Fachkommission Digitalisierung der Schweiz. Bankiervereinigung sowie Gastdozentin an der Universität Zürich und an verschiedenen Fachhochschulen. |
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