Pensionierung
Pensionierung: Komplexer als gedacht
Ein Jahr nach dem Abschied vom Schweizer Fernsehen spricht TV‑Legende Röbi Koller über seine Pensionierung – und über Erkenntnisse, mit denen er nicht gerechnet hatte.
Röbi Koller, als Moderator von "Happy Day" haben Sie fast 20 Jahre lang Menschen überrascht. Was hat Sie überrascht nach Ihrem Abschied vor einem Jahr?
Vor allem, wie komplex eine Pensionierung ist. Ich habe gelernt, dass man quasi vom Ende her planen muss: Wie viel Geld brauche ich mit 90, 80 oder 70 Jahren? Es gibt sehr viele Parameter – etwa meine Risikobereitschaft, zukünftige Erbschaften und anderes mehr. Generell verursachen die persönlichen Finanzen einen enormen Aufwand. Meine Selbstständigkeit läuft zum Beispiel über eine GmbH, und wir haben ein Eigenheim in Zürich sowie ein Ferienhaus im Kanton Glarus. Das macht nur schon die Steuererklärung anspruchsvoll.
Wann haben Sie angefangen, Ihre Pensionierung vorzubereiten?
Vor rund zehn Jahren. Mit dem Thema wurde ich aber schon fast 30 Jahre früher zum ersten Mal konfrontiert: Bei meiner Festanstellung bei Radio DRS fragte man mich tatsächlich, wann ich in Pension gehen wolle. Ich dachte nur: "Was ist das denn für eine Frage?" Rückblickend verstehe ich sie. Es ist sinnvoll, sich schon früh über das Ende der Berufstätigkeit Gedanken zu machen Ich fände es auch wichtig, in der Schule mehr über Geld zu sprechen: Wie mache ich ein Budget, und wie plane ich meine Ausgaben? Wenn etwa die Steuern automatisch abgebucht werden, hat man das verfügbare Geld besser im Griff.
Wie haben Sie den Abgang vom Fernsehen erlebt?
Mit diesem Schritt ist ein grosser Teil meines Berufslebens weggefallen. Ich hatte mein Arbeitspensum aber schon vorher reduziert – und ganz aufgehört habe ich auch nicht. Ich moderiere weiterhin Anlässe, halte Lesungen, begleite Reisen oder produziere einen Podcast für ein Senioren-Magazin. Der grosse Unterschied ist, dass ich heute besser planen kann, mehr Flexibilität und vor allem mehr Freizeit habe.
Wie haben Sie sich auf diesen Übergang vorbereitet?
Rund vier Jahre vor meiner letzten Sendung ist in mir der Wunsch gewachsen, aufzuhören. Ich wusste aber nicht, was mich danach erwartete. Wie viele andere dachte ich auch, dass ich von einem Tag auf den anderen extrem viel Zeit haben würde. Darum habe ich zu viel organisiert und zu viele Zusagen gemacht. Wahrscheinlich hatte ich Angst davor, in ein Loch zu fallen. Stattdessen musste ich lernen, mehr loszulassen.
Was ist Ihr Tipp für andere, die vor der Pensionierung stehen?
Grössere Firmen bieten Veranstaltungen zur Pensionierung an, die man nutzen sollte. Viele stellen sich die Pension wie endlose Ferien vor. Das kann schnell monoton werden. Darum ist es wichtig, etwas zu tun: ein Hobby wieder aufnehmen, sich um die Enkel kümmern oder sich gemeinnützig engagieren – und die Zeit bewusst geniessen. Für mich war es die richtige Entscheidung, nicht ganz aufzuhören. Die Rolle im eigenen Leben verändert sich, und der Fokus auf Leistung verschiebt sich hin zu anderen Dingen. Das musste ich auch lernen.
Zur PersonRöbi Koller (68) war langjähriger Radio- und TV‑Moderator (Quer, SF‑Spezial, Club, Happy Day). Heute ist er als Moderator, Podcaster (Magazin "Zeitlupe") sowie Reisebegleiter tätig und hält Lesungen. Er ist verheiratet, hat zwei Töchter und lebt in Zürich und Braunwald. |
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