Pensionierung

AHV-Abstimmungen: Diese Punkte sollten Sie kennen

Schon bald befindet die Stimmbevölkerung an der Urne über die Vorlagen zur 13. AHV-Rente und zur Renteninitiative. Viele fragen sich, was die Folgen für ihre Renten und die Pensionierung wären. Die folgenden Punkte sollten Sie kennen.

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Karl Flubacher
Anlage-Experte
Publiziert am
05. Februar 2024

Am 3. März stimmen die Schweizerinnen und Schweizer über die 13. AHV-Rente und die Renteninitiative ab. Bundesrat und Parlament empfehlen, beide Vorlagen abzulehnen. Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Initiative zur 13. AHV-Rente will eine zusätzliche Monatsrente einführen. Sie lässt die Frage der Finanzierung offen. Der Bundesrat sagt: Das würde Mehrkosten von über 4 Milliarden Franken pro Jahr verursachen. Davon gingen 800 Millionen zu Lasten des Bundes. Die bestehenden Finanzierungsprobleme der AHV würden erheblich verschärft.
  • Die Renteninitiative will das Pensionierungsalter auf 66 erhöhen. Dies würde sukzessive von 2028 bis 2033 geschehen, danach soll es automatisch weiter steigen, wenn die durchschnittliche Lebenserwartung zunimmt. Der Bundesrat hält den Mechanismus für zu unflexibel, da er beim Festsetzen des Rentenalters andere Entwicklungen nicht berücksichtigt – etwa den Gesundheitszustand der Bevölkerung oder die Situation am Arbeitsmarkt.
Merkblatt
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AHV und Pensionierung: Das müssen Sie wissen

Die AHV ist ein Vorsorgewerk mit sehr komplexen Regeln, die für Laien kaum zu durchschauen sind. Das Wichtigste erfahren Sie in diesem Merkblatt.

Die Expertinnen und Experten des VZ haben die wichtigsten Fragen von Personen gesammelt, die sich im VZ VermögensZentrum beraten lassen. Die folgenden Punkte sollten Sie auch kennen.

Würde mein Lohn mit der 13. AHV-Rente sinken?
Das ist noch offen. Die Finanzierung ist noch nicht geregelt. Unter Umständen könnte wegen der höheren Lohnbeiträge weniger Geld auf das Lohnkonto fliessen. Denn würden die zusätzlichen Ausgaben über die Lohnbeiträge finanziert, stiegen diese gemäss Bund von 8,7 auf 9,4 Prozent – je zur Hälfte bezahlt von Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden. Würde die Rente dagegen über die Mehrwertsteuer finanziert, müsste diese von 8,1 auf 9,1 Prozent angehoben werden. Dann wird zwar nicht mehr Geld vom Lohn abgezogen, dafür verteuert sich der tägliche Einkauf dauerhaft. Für den Bund belasten die Mehrkosten die AHV zu stark. Derzeit sei die Finanzierung bis 2030 gesichert, danach drohten Defizite – auch ohne zusätzliche Rente. Der Bundesrat geht davon aus, dass die Rechnung der AHV durch die Zusatzkosten der 13. AHV-Rente ohne neue Einnahmen oder einer Erhöhung des Rentenalters rasch aus dem Gleichgewicht gerät.

Wie würde sich die AHV-Rente verändern?
Die monatliche Rente würde 13 statt 12 Mal pro Jahr ausbezahlt. Die AHV-Jahresrente würde sich dadurch um 8,3 Prozent erhöhen. Die minimale jährliche AHV-Rente stiege von 14'700 auf 15'925 Franken und die maximale Rente von 29'400 auf 31'850 Franken. Ehepaare bekämen höchstens 47'775 statt 44'100 Franken. Für die Befürworter gleicht diese Massnahme die gestiegenen Preise für Mieten, Lebensmittel oder Krankenkassenprämien schnell und effizient aus. Die Beträge können sich aber noch ändern: Der Bundesrat passt die AHV-Renten regelmässig an die Preis- und Lohnentwicklung an – zuletzt Anfang 2023.
 

Bekäme ich auch eine zusätzliche IV-Rente?
Nein. Es geht nur um die Altersrenten aus der AHV. Alle anderen Rentenleistungen würden weiterhin 12 Mal pro Jahr ausbezahlt. Laut Bundesrat würde das die Bezügerinnen und Bezüger einer Invaliden- oder Hinterlassenen-Rente gegenüber den Pensionierten benachteiligen. Auch die Ergänzungsleistungen (EL) würden sich nicht ändern, obwohl die Pensionierten mehr Geld von der AHV bekämen.

Muss ich bei einem Ja zur Renteninitiative länger arbeiten?
Ja. Denn das höhere Rentenalter soll die Finanzierung der AHV sichern. Laut den Initianten soll zuerst zwischen 2028 bis 2033 das Rentenalter für Männer und Frauen schrittweise auf 66 Jahre erhöht werden. Danach steigt es weiter – und zwar automatisch immer dann, wenn die durchschnittliche Lebenserwartung zunimmt. Allerdings folgt die Erhöhung des Rentenalters dem Anstieg nur zu 80 Prozent und nicht mehr als 2 Monate pro Jahr.

Ist es realistisch, dass das Rentenalter danach weiter steigt?
Ja. Aktuell können 65-Jährige im Durchschnitt noch mit rund 22 Lebensjahren rechnen. Laut den Erwartungen des Bundes steigt die Lebenserwartung jährlich um etwas mehr als einen Monat an. In diesem Fall würde das Rentenalter nach dem Automatismus bis ins Jahr 2043 auf 67 Jahre ansteigen.

Was bedeutet die Renteninitiative für mich als IV-Bezüger?
Da Sie die AHV-Rente durch die Erhöhung des Rentenalters erst später beziehen können, bekommen Sie Ihre Rente entsprechend länger von der IV. Das bedeutet vor allem für die IV höhere Kosten: Wenn bis 2033 das Rentenalter auf 66 Jahre gestiegen ist, muss die IV jährlich rund 200 Millionen Franken zusätzliche Kosten stemmen. Diese Kosten steigen danach mit jeder weiteren Erhöhung des Rentenalters weiter an.

Unabhängig davon, ob die Initiativen Anfang März vom Stimmvolk angenommen oder abgelehnt werden: Es lohnt sich, seine Pensionierung sorgfältig zu planen. Das kostenlose Merkblatt «AHV und Pensionierung: Das müssen Sie wissen» hilft Ihnen dabei. Oder sprechen Sie mit einer Fachperson im VZ in Ihrer Nähe.