Wie geht es weiter bei den Zinsen?

Geldanlagen

Nach den jüngsten Zinsentscheiden der Notenbanken fragen sich viele Anleger und Hausbesitzer, wie sich die Zinsen in den kommenden Monaten entwickeln könnten. VZ-Anlagechef Christoph Sax analysiert die Zinserwartungen für die Schweiz, die Eurozone und die USA.

Aktualisiert am

20. August 2026

Bis zum Iran-Krieg schien die Ausgangslage klar: In Europa bleiben die Leitzinsen tief – und in den USA dürften sie weiter fallen. In der Zwischenzeit hat sich das Umfeld jedoch verändert. Mit der Blockade der Strasse von Hormus hat sich der Inflationsdruck im Ausland erhöht. Die grossen Notenbanken sind deshalb auf Straffungskurs umgeschwenkt.

Vor allem in den USA bleibt aber unklar, wie entschlossen die Notenbank die Inflation bekämpfen wird. Gleichzeitig nehmen die US-Staatsschulden weiter zu. Washington ist bislang nicht gewillt, das hohe Haushaltsdefizit einzudämmen. Die langfristigen Dollar-Zinsen sind deshalb gestiegen.

Schweiz: SNB hat weiterhin wenig Handlungsbedarf

Die Schweiz bleibt eine Zinsinsel. Das betrifft sowohl die langfristigen als auch die kurzfristigen Zinsen. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Schweiz geniesst als Schuldnerin ein sehr grosses Vertrauen. Die Staatsverschuldung ist niedrig, auch die Inflation ist unter Kontrolle. Sie verharrt tief im Zielbereich der Schweizerischen Nationalbank (SNB) – den höheren Energiepreisen zum Trotz.

Hypothekarzinsen sparen: Die wichtigsten Tipps

Merkblatt

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Für die SNB gibt es folglich wenig Anlass, den Leitzins anzuheben. Der Aufwertungsdruck auf dem Franken hat zuletzt zwar nachgelassen, weil Fremdwährungen wie der Dollar und der Euro besser verzinst werden. Das könnte die Inflation mittelfristig etwas erhöhen, indem die deflationäre Tendenz bei den Importen nachlässt. Ein substanzieller Anstieg der Teuerung ist jedoch nicht zu erwarten.

Die SNB dürfte ihren Leitzins deshalb auch längerfristig bei null Prozent belassen. Eine anhaltende Schwächetendenz des Frankens würde sie aber womöglich dazu nutzen, um ihre Bilanz zu verkleinern und Liquidität abzuschöpfen.

Am Finanzmarkt haben sich die Zinserwartungen gegenüber der SNB indessen leicht nach oben geschoben: Einige Investoren gehen davon aus, dass die SNB im kommenden Jahr zumindest einmal den Leitzins anheben wird. Das wäre jedoch keine grundlegende Veränderung des Zinsumfelds. 
 

Hier finden Sie die aktuellen Leitzinsen inklusive Prognosen

Eurozone: Inflationsbekämpfung rückt in den Fokus der EZB

In der Währungsunion ist der Inflationsdruck generell höher als in der Schweiz. Auch die erste Reaktion der Konsumentenpreise auf den Iran-Krieg fiel stärker aus als in der Schweiz: Die Inflationsrate der Eurozone kletterte rund einen Prozentpunkt, von etwa 2 Prozent über 3 Prozent.

Im Gegensatz zur US-Notenbank signalisierte die Europäische Zentralbank (EZB) schon früh Bereitschaft, die Geldpolitik zu straffen, falls sich die Lage an den Energiemärkten nicht entspannt. Diesen Schritt vollzog sie im Juni, indem sie den Leitzins von 2 auf 2,25 Prozent anhob.

Vermutlich wird es nicht bei diesem einzelnen Schritt bleiben. Die EZB behält sich weitere Leitzinserhöhungen vor. Denn Europas Konjunktur hat in den letzten Monaten Fahrt aufgenommen, was unter anderem den erhöhten Verteidigungsausgaben und dem Infrastrukturprogramm in Deutschland zu verdanken ist. Die steigende Nachfrage wird die Teuerung tendenziell stützen. 

USA: Unsicherer Kurs der Notenbank

In den USA hat die Notenbank (Fed) unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh bislang lediglich den Ausblick angepasst: Sie stellt den Märkten nicht mehr in Aussicht, dass die Geldpolitik längerfristig gelockert wird. Ihre Entscheide wird die US-Notenbank fortan nicht mehr mit einer sogenannten «Foward Guidance» ergänzen. 

Das bedeutet: Das Fed gibt sich bezüglich des künftigen Zinspfads bedeckt. Warsh stellte jedoch klar, dass die Inflationsbekämpfung weiterhin Priorität habe.

Viele Investoren gehen davon aus, dass das Fed mit zunehmender Dauer des Energiepreisschubs nicht darum herumkommen wird, den Leitzins ein- bis zweimal anzuheben. Das könnte aber einen Konflikt mit US-Präsident Trump provozieren, der Leitzinssenkungen fordert. 

Fed-Chef Warsh ist bislang den Beweis schuldig geblieben, dass er sich diesem Konflikt stellen wird. Die Finanzmärkte zweifeln deshalb vermehrt daran, dass die Inflation in den USA langfristig gut verankert bleibt. Sie verlangen deshalb bei den langen Laufzeiten höhere Zinsen für Dollar-Anlagen.