Geldanlagen

Wie geht es weiter bei den Zinsen?

Nach den jüngsten Zinsentscheiden der Notenbanken fragen sich viele Anleger und Hausbesitzer, wie sich die Zinsen in den kommenden Monaten entwickeln könnten. VZ-Anlagechef Christoph Sax analysiert die Zinserwartungen für die Schweiz, die Eurozone und die USA.

Aktualisiert am

9. April 2026

Bis zum Iran-Krieg schien die Ausgangslage klar: In Europa bleiben die Leitzinsen tief – und in den USA dürften sie weiter fallen. Mit der zunehmenden Knappheit von Öl und Gas steigen nun aber auch die Preise für diverse Grundstoffe und Industrieprodukte. Die Inflation dürfte deshalb zwischenzeitlich ansteigen. 

Damit stellt sich die Frage, ob die Notenbanken ihre Leitzinsen erhöhen müssen, um allfällige Folge-Effekte zu vermeiden. Das hängt stark davon ab, wie lange die Störung der Verkehrswege im Nahen Osten anhalten wird. An den Finanzmärkten hat sich die Erwartung durchgesetzt, dass es bei gewissen Lieferketten so oder so länger dauern wird, bis sie wieder reibungslos funktionieren.

Schweiz: SNB hat wenig Handlungsbedarf

In der Schweiz haben sich die Zinserwartungen in der Folge etwas nach oben geschoben. Einige Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Leitzins mindestens einmal anheben wird. 

Parallel dazu haben auch die Renditen von Eidgenossen mit längerer Laufzeit seit dem Kriegsbeginn Ende Februar leicht angezogen – ein Indiz dafür, dass der Markt generell einen etwas höheren Inflationsdruck für die kommenden Jahre erwartet. Die zu Jahresbeginn vermehrt diskutierten Negativzinsen sind damit vom Tisch. Ob die SNB den Leitzins aber wirklich anheben muss, ist sehr fraglich.

 In der Schweiz wird der Anstieg der Teuerung weniger stark ausfallen als in der Eurozone oder den USA, weil die Frankenstärke bei vielen Importgütern inflationshemmend wirkt. 

Im März stieg die Inflationsrate in der Schweiz lediglich von 0,1 auf 0,3 Prozent. Das Ende der Fahnenstange ist damit zwar noch nicht erreicht, aber die Teuerung dürfte voraussichtlich auf maximal 1 Prozent klettern – und damit klar im Zielbereich der SNB verharren. 

Somit gibt es bis auf Weiteres keinen Handlungsbedarf für die SNB.

Eurozone: Inflation liegt über dem Ziel der EZB

In der Währungsunion ist der Inflationsdruck generell höher als in der Schweiz. Auch die erste Reaktion der Konsumentenpreise auf den Iran-Krieg fiel stärker aus als in der Schweiz: Die Inflationsrate der Eurozone stieg im März von 1,9 auf 2,5 Prozent. Sie könnte im weiteren Jahresverlauf zwischenzeitlich gegen 3 Prozent tendieren. 

An den Finanzmärkten rechnen die Investoren deshalb damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins bis Ende Jahr zweimal anheben wird. In Europa hat nebst dem Ölpreis insbesondere auch der Gaspreis kräftig angezogen. 

Hinzu kommt, dass  in der Eurozone die Kernteuerung, welche die schwankungsanfälligen Energiepreise und Nahrungsmittel ausklammert, noch immer über dem 2-Prozent-Ziel der EZB verharrt. 

Gleichzeitig verstärken die höheren Verteidigungsausgaben vieler Euroländer den Inflationsdruck. Einige Investoren gehen deshalb davon aus, dass die EZB den Leitzins auch dann etwas anheben wird, wenn sich die Lage im Nahen Osten bald entspannt. 

USA: Leitzinssenkung vertagt

Die US-Notenbank (Fed) hat ihre Geldpolitik nach dem Zinsschock in den Jahren 2022 und 2023 weniger stark gelockert als die EZB und die SNB – insbesondere, weil sich der Staat in den USA sehr ausgabenfreudig gezeigt hat und die Teuerung deshalb weniger zügig Richtung Ziel der Notenbank tendierte. 

Vor dem Nahost-Krieg rechneten die meisten Marktteilnehmer damit, dass das Fed den Leitzins im weiteren Jahresverlauf ein- bis zweimal senken wird. Diese Leitzinssenkungen werden nun infrage gestellt. 

Daran dürfte sich auch nichts ändern, dass ab Mai der von US-Präsident Trump portierte Kevin Warsh den Bisherigen Jerome Powell als Fed-Chef ablösen wird. Am plausibelsten scheint zurzeit, dass die US-Notenbank ihren Leitzins während des ganzen Jahres unverändert belässt. 

In den USA ist der Erdgaspreis seit dem Iran-Krieg zwar kaum gestiegen, aber höhere Preise an den Tankstellen und bei industriellen Grundstoffen dürften die Teuerung zwischenzeitlich über 3 Prozent heben.