Pensionierung
Weniger arbeiten, dafür länger: Die neue "Frühpensionierung"
Nach wie vor träumen viele Erwerbstätige von einem vorzeitigen Ausstieg. In Wirklichkeit bleiben immer mehr über 65 hinaus aktiv. Sie fühlen sich fit und haben Freude an ihrer Arbeit: Teilzeit ist die neue Frühpensionierung.
Karl Flubacher
Funktion Geschäftsleiter Region Nordwestschweiz und Westschweiz
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21. Mai 2026
Für viele Erwerbstätige ist die Frühpensionierung ein Traum. Sie wollen ihr Leben schon vor 65 ruhiger angehen, alte Hobbys wieder aufnehmen oder sich mehr um die Enkelkinder kümmern. Erstaunliche 47 Prozent geben an, nicht bis 65 arbeiten zu wollen. Das zeigt eine aktuelle Analyse von fast 9000 mittelständischen Haushalten, die ihre Pensionierung mit dem VZ geplant haben.
Frühpensionierung: Das müssen Sie wissen
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Davon hatten nur 4 Prozent vor, nach 65 berufstätig zu bleiben. Die Wirklichkeit zeigt ein ganz anderes Bild: Statt früher in Pension zu gehen, arbeitet fast jeder Zweite weit über das Pensionsalter hinaus – zumindest Teilzeit. Mit 65 Jahren haben sich erst 54 Prozent der Erwerbstätigen vollständig aus dem Berufsleben zurückgezogen.
Diese Zahlen gehen aus einer VZ-Analyse der Einzahlungen in die Säule 3a hervor. Solche Einzahlungen sind bis 5 Jahre über das Referenzalter von 64 bzw. 65 hinaus möglich – vorausgesetzt, man arbeitet mindestens mit einem reduzierten Pensum weiter.
Frühpension: Es fehlt nicht nur das Geld
Für die Diskrepanz zwischen Plan und Wirklichkeit gibt es mehrere Gründe:
- Viele sind fit, haben Freude an der Arbeit und geniessen die Wertschätzung, die damit verbunden ist.
- Gleichzeitig sind die Kosten einer vollständigen Frühpensionierung vielen Erwerbstätigen zu hoch.
Wer früher in Pension geht, verzichtet nicht nur auf Einkommen, sondern bekommt wegen der Frühpensionierung dauerhaft weniger Rente. Zudem zahlen Frühpensionierte bis zu ihrem ordentlichen Referenzalter Beiträge in die AHV ein – auch ohne Erwerbseinkommen. Wie hoch die Beiträge sind, hängt vom Vermögen und allfälligen Renten ab.
Ähnlich sieht es beim Guthaben in der Pensionskasse aus: Wer vor 64 bzw. 65 Jahren Geld bezieht, bekommt lebenslang weniger. Der Umwandlungssatz wird gekürzt, es fehlen Beitragsjahre und Zinsgutschriften. Die PK-Renten können so um bis zu 10 Prozent pro vorgezogenem Jahr schrumpfen. Der Mann im Beispiel in der Tabelle unten verdient netto 90'000 Franken pro Jahr. Die Pensionierung mit 64 statt mit 65 kostet ihn 94'000 Franken. Geht er schon mit 62 in Pension, steigen die Kosten auf 276'600 Franken.
Immer mehr Erwerbstätige, die die letzten Berufsjahre ruhiger angehen möchten, setzen heute auf eine Teilpensionierung. Einige reduzieren ihr Pensum schrittweise, zuerst etwa von 100 auf 70 Prozent und später auf 40 Prozent. In dieser Zeit beziehen sie nur den Teil ihrer Altersleistungen, der die Lohneinbusse ausgleicht. Das hat mehrere Vorteile:
- Bei einer schrittweisen Pensionierung werden die Renten weniger gekürzt.
- Berufstätige sind abgesichert, wenn sie verunfallen, invalid werden oder sterben.
- Teilzeitler können weiter Vorsorgekapital aufbauen.
- Gestaffelte Bezüge von Guthaben und Einzahlungen in die Säule 3a helfen, die Steuerbelastung zu senken.
- Schliesslich spielen auch psychologische Faktoren eine Rolle: Ein gleitender Ausstieg gibt Pensionären mehr Zeit, um sich an einen neuen Lebensrhythmus zu gewöhnen.
Entscheidend ist, alles gut zu planen
Ob Teilpensionierung oder Frühpensionierung – beide Projekte sind komplex. Darum ist eine sorgfältige Planung unverzichtbar.
Finanzplan
Machen Sie ein realistisches Budget und planen Sie Ihre Ausgaben ehrlich. Der Finanzplan zeigt, wie sich Ihr Einkommen, Ihre Ausgaben und Ihr Vermögen bis zur Pensionierung und darüber hinaus entwickeln.
Renten
Pensionskassen und die AHV erlauben einen gestaffelten Bezug der Renten. Die AHV kann man zwischen 63 und 70 Jahren in bis zu drei Etappen beziehen. Bei vielen Pensionskassen ist ein schrittweiser Ausstieg zwischen 58 und 70 Jahren möglich. Einzelne Kassen erlauben noch mehr Schritte. Wer sein Kapital aber ganz oder teilweise auszahlen lässt, darf höchstens drei Teilbezüge machen –
genauso wie bei der AHV.
Tipp: Der Traum vom teilweisen oder vollständigen Ausstieg vor 65 ist für viele realistisch, aber anspruchsvoll. Wer diesen Traum verwirklichen möchte, sollte sich genug Zeit nehmen und mehrere Möglichkeiten vergleichen. Fragen Sie darum eine Fachperson, wenn Sie unsicher sind.
Sie wollen alles richtig machen, wenn Sie in Pension gehen? Bestellen Sie das Merkblatt, oder sprechen Sie mit einer erfahrenen Fachperson im VZ in Ihrer Nähe.
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