Steuern

Individualbesteuerung: Wer profitiert – wer zahlt drauf?

Die Individualbesteuerung würde das Steuersystem grundlegend verändern. Zahlen Sie weniger oder mehr, wenn Ihr Ehepartner separat besteuert wird?

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Markus Stoll

Funktion Steuerspezialist

Publiziert am

2. Februar 2026

Am 8. März 2026 stimmen die Schweizerinnen und Schweizer über die Individualbesteuerung ab. Bei einem Ja müssen in Zukunft alle Steuerpflichtigen eine eigene Steuererklärung abgeben. Das wirkt sich nicht nur auf die Besteuerung von Ehepaaren aus, sondern auch auf ihre Pensionierung.

Getrennte Steuererklärung: Die Folgen für Ehepaare

Merkblatt

Am 8. März stimmen wir über die Individualbesteuerung ab. Sie sieht vor, dass künftig jeder Ehepartner separat besteuert wird. Erfahren Sie im Merkblatt, wer künftig mehr und wer weniger Steuern bezahlen müsste.

Merkblatt

Von einem Systemwechsel würden vor allem Ehepaare profitieren, die ähnlich viel verdienen, da ihre Einkommen nicht mehr addiert werden. Familien mit nur einem Einkommen werden hingegen stärker belastet: Der gesamte Lohn wird einer Person zugerechnet, während der nicht erwerbstätige Partner keine Kinderabzüge mehr geltend machen kann.

Höhere Steuern sollen Ausfälle begrenzen

Grundsätzlich kann man sagen, dass vor allem Ehepaare mit höheren Einkommen die Folgen der Reform spüren, weil die Bundessteuer stark progressiv ausgestaltet ist. Je nachdem, wie das Einkommen auf die beiden Partner verteilt ist, müssten sie mehr oder weniger Steuern als heute bezahlen.

Neben Ehepaaren mit traditioneller Rollenteilung wären auch kinderlose Alleinstehende mehr belastet. Der Grund: Neben der Abschaffung des Ehegattentarifs sieht die Vorlage auch Steuererhöhungen vor, um die Einnahmeausfälle für den Bund zu begrenzen. Das geht auch zulasten der Alleinstehenden. Und klassische Einverdiener-Familien werden dadurch sogar doppelt belastet.

Nach einem Ja müssen dann die Kantone und Gemeinden ihre Steuergesetze ebenfalls noch anpassen und ihre Steuertarife festlegen. Das kann sich dann zusätzlich auf die Steuerrechnung auswirken – positiv wie negativ.

Folgen gehen über Einkommen hinaus 

Die Grafik unten illustriert die Folgen der Individualbesteuerung bei den Bundessteuern: Verdienen beide Partner gleich viel, sinkt ihre Steuerlast stark. Hat nur ein Partner ein Erwerbseinkommen, während der andere die Kinder betreut, steigen die Steuern stark an.

Die Reform hätte darüber hinaus weitere Effekte: 

Vermögen

Vermögenswerte würden künftig nach den Eigentumsverhältnissen besteuert. Wertschriften, Ersparnisse, Fahrzeuge oder Kunstgegenstände würden demjenigen Partner zugerechnet, dem sie gehören. Schulden und Schuldzinsen wiederum werden bei einem Ja künftig jenem Partner angerechnet, der gemäss Schuld- oder Hypothekarvertrag Schuldner ist. Wichtig: Es spielt dabei keine Rolle, wer die Zinsen tatsächlich bezahlt.

Eigenheim

Bei selbstbewohntem Wohneigentum ist entscheidend, wer im Grundbuch eingetragen ist. Ist nur ein Partner eingetragen, muss dieser das Eigenheim in seiner Steuererklärung versteuern. Sind beide Partner eingetragen, müssen beide Ehepartner das Eigenheim anteilsmässig nach der Eigentumsquote versteuern.

Pensionskasse

Bei der Pensionierung müsste man sich weniger danach ausrichten, wann der Partner Kapital aus der dritten Säule und allenfalls der Pensionskasse bezieht. Die Gelder aus der Pensionskasse und der Säule 3a würden auch dann separat besteuert, wenn beide Partner im gleichen Jahr einen Bezug tätigen.

Renten

Viele pensionierte Ehepaare könnten von der Reform profitieren – vor allem dann, wenn beide Ehepartner je eine AHV- und eine Pensionskassen-Rente erhalten. Der Grund: Ihre Einkommen gleichen sich nach der Pensionierung an. Je gleichmässiger die Renten verteilt sind, desto stärker sinkt die Steuerlast. Aber auch bei Ehepaaren mit traditioneller Rollenaufteilung, bei der oft einer der beiden Partner nach der Pensionierung nur eine geringe AHV- und keine Pensionskassen-Rente erhält, sind Steuereinsparungen wahrscheinlich. Denn Bundessteuern werden erst ab einem steuerbaren Einkommen über 20'000 Franken fällig. Dagegen dürften alleinstehende Pensionierte wohl mehr Steuern bezahlen müssen als bisher.

Tipp: Informieren Sie sich sorgfältig, wie sich die Reform für Sie auswirkt. Je nachdem sinkt oder steigt Ihre Steuerbelastung – und sie hat auch Folgen für die Vorsorge und Pensionierung. Sie sollten zudem prüfen, wie Sie bereits jetzt Ihre Steuerbelastung nachhaltig verbessern können. Die wichtigsten Ansatzpunkte sind Altersvorsorge, Liegenschaften und Geldanlagen.

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