Pensionierung
Früher in Pension gehen: Macht der Staat alles schwieriger?
In der Schweiz möchten viele Erwerbstätige früher in Pension gehen. Die neuen Spielregeln in der Vorsorge stellen diesen Wunsch auf die Probe.
Roman Fäh
Funktion Pensionierungsexperte
Beitrag empfehlen
26. Januar 2026
Nur noch 39 Prozent der Erwerbstätigen können sich vorstellen, vorzeitig in Pension zu gehen. Vor wenigen Jahren dachte noch fast die Hälfte darüber nach, früher aufzuhören – 2008 waren es sogar 55 Prozent.
Für diesen Rückgang gibt es mehrere Gründe:
- Viele fühlen sich fit, haben Freude an der Arbeit und geniessen die Wertschätzung.
- Die Frühpensionierung ist sehr teuer. Ein oder mehrere Jahreslöhne fallen weg. Dieses Geld fehlt später.
- Gleichzeitig werden die Renten gekürzt. Wer etwa 125'000 Franken pro Jahr verdient und mit 63 aufhört, bekommt über 25 Jahre hinweg rund 160'000 Franken weniger Rente.
- Nicht zuletzt sind viele verunsichert durch die ständigen Reformen, neuen Gesetze und immer komplexeren Steuerregeln. Kaum jemand hat noch den Durchblick. Darum geben viele ihren Wunsch auf, ohne ihn geprüft zu haben.
Es lohnt sich aber, genauer hinzuschauen. Denn die neuen Rahmenbedingungen sind nicht nur schwierig – sie eröffnen auch Chancen. Die folgenden Punkte zeigen, was die Frühpensionierung einfacher macht – und was schwieriger. Weitere Tipps finden Sie im Merkblatt zum Thema.
Das macht es einfacher, vorzeitig aufzuhören
- Seit der letzten AHV-Reform kann man die erste AHV-Rente flexibel zwischen 63 und 70 beziehen – ab jedem Monat. Man kann zunächst nur 20 bis 80 Prozent der Rente abrufen und den Rest aufschieben. Frauen der Übergangsgeneration dürfen schon ab 62 starten, und ihre vorgezogenen Renten werden weniger stark gekürzt.
Frühpensionierung: Das müssen Sie wissen
Merkblatt
- Ab diesem Jahr wird die 13. AHV-Rente ausbezahlt – auch an Frühpensionierte. Sie gleicht einen Teil der Kürzung der AHV-Rente für den Vorbezug aus.
- Pensionskassen müssen ihren Versicherten ermöglichen, Rente und Kapital in bis zu drei Schritten zu beziehen. Das schafft mehr Flexibilität und Möglichkeiten zum Steuernsparen.
- Weil der Eigenmietwert abgeschafft wird, werden die Steuern für viele Wohneigentümer künftig sinken. Das entlastet das Budget.
- Wird die Individualbesteuerung im März 2026 angenommen, müssen Eheleute künftig je eine eigene Steuererklärung ausfüllen. Das kann sich steuerlich lohnen.
Das erschwert die Frühpensionierung
- Ein Nachteil sind die tieferen Renten. Bei einem Vorbezug der AHV-Rente um zwei Jahre sinkt die Rente lebenslang um 13,6 Prozent. Wer sie ein Jahr früher bezieht, verzichtet auf 6,8 Prozent Rente. Künftig könnten diese Kürzungen sogar noch stärker ausfallen.
- In der Pensionskasse fällt das Guthaben bei einem Vorbezug der Rente kleiner aus, weil Beitragsjahre und Zinsgutschriften wegfallen. Zudem wird der Umwandlungssatz gekürzt, mit dem das Kapital in eine Rente umgerechnet wird.
- Neu plant der Bundesrat, den Bezug von Geldern aus der Pensionskasse und Säule 3a in Zukunft erst ab 63 Jahren zuzulassen. Heute ermöglichen die meisten Pensionskassen einen Bezug von Rente oder Kapital ab 58, und die Säule 3a kann man schon mit 60 beziehen.
- Frühpensionierte müssen weiterhin in die AHV einzahlen. Die Beiträge können bis zu 26'500 Franken pro Jahr und Person ausmachen.
- Geht es nach dem Bundesrat, fallen künftig höhere Steuern an, wenn man sein Geld aus der Säule 3a und Pensionskasse als Kapital bezieht. Das wird weitherum kritisiert. Viele befürchten, dass zusätzliche Steuern die Vorteile von freiwilligen Einzahlungen zunichte machen.
- Der Wegfall des Eigenmietwerts kann auch ein Nachteil sein. Wer beispielsweise in einem sanierungsbedürftigen Haus wohnt, kann künftig weder werterhaltende Arbeiten noch die Unterhaltspauschale oder eine höhere Zinsbelastung steuerlich abziehen.
Fazit: Lassen Sie Ihren Wunsch nach einer Frühpensionierung nicht einfach fallen. Berechnen Sie zuerst, was für Sie möglich ist – nur so können Sie realistisch planen. Die folgenden Punkte sind dabei entscheidend:
Finanzplan
Machen Sie ein solides Budget – seien Sie ehrlich mit sich, wenn Sie Ihre Ausgaben planen. Auf dieser Basis können Sie einen detaillierten Finanzplan erstellen. Er zeigt, wie sich Einnahmen und Ausgaben und Ihr Vermögen bis zur Pensionierung und danach entwickeln. So wissen Sie, wie viel Sie noch sparen müssen, um finanzielle Lücken zu schliessen.
Ersparnisse
Nutzen Sie Spargelder, Erbschaften, Wertschriften und die dritte Säule, um die Lücke ein Stück weit zu schliessen. Und sparen Sie gezielt Geld an: etwa mit einem kostengünstigen ETF-Sparplan oder mit PK-Einkäufen – für die meisten lohnt sich das auch, wenn die Auszahlungssteuern steigen sollten.
Renten
Der Finanzplan zeigt auch, wie Sie die Renten aus AHV und Pensionskasse optimal koordinieren. Viele Pensionskassen bieten etwa die Möglichkeit, Kürzungen durch PK-Einkäufe auszugleichen oder eine Überbrückungsrente zu nutzen, um den Vorbezug der AHV-Rente zu umgehen. Oft lohnt sich das nur, wenn sich der Arbeitgeber an der Finanzierung beteiligt. Wichtig ist auch, wie Sie Ihre Pensionskassengelder beziehen: Rente oder Kapital? Für die meisten Ehepaare ist ein Mix aus beidem optimal.
Steuern
Sparen Sie Steuern, indem Sie Ihre Vorsorgegelder gestaffelt beziehen.
Sie möchten wissen, ob eine Frühpensionierung für Sie realistisch ist? Bestellen Sie das Merkblatt, oder sprechen Sie mit einer Fachperson im VZ.
Lernen Sie unser Angebot kennen
-
-
Checkliste für die Planung der Pensionierung
Merkblatt
-
So budgetieren Sie Ihre Pensionierung
Merkblatt