Sandoz oder Alcon: Welche Novartis-Abspaltung schlägt sich besser?
VZ Analyse
Novartis hat in den vergangenen Jahren zwei grössere Geschäftsbereiche abgespalten. Während Sandoz in der Selbständigkeit aufblüht, kämpft Alcon immer wieder mit Rückschlägen. Das VZ analysiert die Situation der beiden Aktien.
Publiziert vor 14 Stunden
Autor
Stefan Müller
Funktion Anlageexperte
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Während Sandoz auf Generika und Biosimilars fokussiert ist, konzentriert sich Alcon auf Medizintechnik und Verbrauchsmaterialien innerhalb der Augenheilkunde. Alcon wurde 2019 abgespalten. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 30 Milliarden Franken fungiert das Unternehmen von Anfang an im Swiss Market Index (SMI).
Die Aktienkursentwicklung ist seit dem Börsendebüt aber noch keine Erfolgsstory. Der damalige Eröffnungskurs lag bei 55 Franken. Aktuell handelt die Aktie nur wenig höher.
Bei Sandoz erfolgte die Verselbständigung im Oktober 2023 zum Eröffnungskurs von 24 Franken. Dies entsprach damals einem Börsenwert von 10,3 Milliarden Franken. In knapp drei Jahren hat sich der Unternehmenswert verdreifacht. Die Aktie weist gegenüber dem Swiss Performance Index (SPI) eine massive Outperformance auf. Gemessen am Unternehmenswert ist Sandoz in der Zwischenzeit auf Augenhöhe mit Alcon angelangt.
Novartis hat gelernt – zum Vorteil von Sandoz
Der Alcon-Spin-Off war keine Meisterleistung von Novartis. Dem abgespaltenen Unternehmen wurden vom Mutterkonzern einige Altlasten mit auf den Weg gegeben. Die Verschuldung und der Goodwill waren anfänglich sehr hoch, weshalb in den ersten Jahren laufend Amortisationen und Abschreibungen getätigt werden mussten. Das bremste die operative Entwicklung. Daher verspielte Alcon seit der Abspaltung immer wieder das Vertrauen bei den Anlegerinnen und Anlegern. Die Ziele wurden des Öfteren ambitiös kommuniziert, konnten aber nicht immer erreicht werden.
Novartis scheint gelernt zu haben. Sandoz wurde mit einer sehr soliden Bilanz und einer moderaten Nettoverschuldung in die Freiheit entlassen. Dies ermöglichte dem selbständigen Unternehmen von Anfang an den Fokus auf Wachstum und Innovation zu legen. Das zahlte sich prompt aus.
Sandoz: Biosimilars als treibende Kraft
Bis zur Abspaltung bot Sandoz ein defensives und wachstumsschwaches Profil. Die Generikatochter war für Novartis ein Sorgenkind, das die Gewinnmargen schmälerte. Strategisch folgerichtig wurde deshalb die Trennung vollzogen.
Doch die eigentliche Stärke und das grosse Potenzial liegen bei Sandoz nicht im Generika-Geschäft, sondern vielmehr beim riskanteren und kostspieligeren Bereich mit Biosimilars. Dort sind die Margen wesentlich attraktiver. Denn es ist nicht der Preis, der dort entscheidet. Es sind die Qualität und die Verfügbarkeit, welche über den Markterfolg bestimmen. Zum Zeitpunkt der Abspaltung befanden sich bei Sandoz rund 24 Biosimilars in der Entwicklung. So viele wie bei keinem anderen Konkurrenten. Das trägt nun Früchte.
Im letzten vollständigen Geschäftsjahr innerhalb des Novartis-Konzerns lag der Umsatzanteil der Biosimilars bei rund einem Fünftel. Seither gewinnt Sandoz laufend Marktanteile hinzu. Beim Halbjahresabschluss 2026 ist der Umsatzanteil auf ein Drittel angewachsen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres konnte der Biosimilars-Bereich währungsbereinigt um 20 Prozent wachsen, während die Generika-Sparte um 1 Prozent zurückging.
Dies führt zu einer deutlichen Margenverbesserung. Ende 2023 lag die EBITDA-Marge noch bei 18,1 Prozent. Seither ist sie konstant angewachsen und beträgt aktuell 20,9 Prozent. Die mittelfristigen Ziele sehen eine weitere Verbesserung auf 24 bis 26 Prozent vor.
Alcon: Altlasten abgelegt, strukturelles Wachstum in Aussicht
Wie beschrieben, traten nach der Abspaltung bei Alcon zunächst operative Probleme auf. Diese drückten auch auf die Gewinne. Alcon war lange Zeit vorwiegend im mittelpreisigen Segment für wiederverwendbare Kontaktlinsen vertreten, während im hochmargigen Premium-Segment nahezu keine Produkte angeboten wurden.
In der Zwischenzeit hat Alcon mit der Einführung von neuen Produkten die Lücken im Portfolio zunehmend geschlossen. Beim Umsatz hat dies bereits zu konstanten Verbesserungen geführt. Da gleichzeitig die Kostenbasis hoch blieb, war der positive Effekt bei den Gewinnmargen überschaubar. Als Folge davon verfehlte Alcon mit den vorgelegten Geschäftszahlen mehrmals die Markterwartungen.
Dies scheint sich nun zu ändern. Im vergangenen Jahr musste Alcon zweimal die Prognosen senken. Das verlorene Vertrauen wird jetzt aber schrittweise wieder zurückgewonnen. Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Umsatz in Lokalwährungen um 7 Prozent. Als Vergleich: Der Gesamtmarkt der Augenheilkunde wächst jährlich zwischen 3 und 4 Prozent. Die operative Kernmarge stieg dabei auf 20,9 Prozent, nach 19,9 Prozent im Vorjahr. Damit hat das Unternehmen bei der Halbjahrespräsentation die Erwartungen deutlich übertroffen.
Alcon verfügt dank einer hervorragenden Marktstellung über eine gute Ausgangslage. Denn Augen altern nicht zyklisch. Erkrankungen treten wegen der Alterung der Bevölkerung immer häufiger auf. Die demografischen Trends sprechen für eine langfristig wachsende Nachfrage. Beim Umsatz ist dies bereits seit einigen Jahren ersichtlich. Nun gilt es, auch die Gewinne konstant zu steigern.
Beurteilung und Fazit
Das Spin-off von Sandoz gilt als Vorzeigeabspaltung. Der selbständige Unternehmensteil kann sich seither auf die Stärken konzentrieren und viel Aktionärsmehrwert schaffen. Als Belohnung winkt dem Unternehmen im September der Aufstieg in den Swiss Market Index. Doch dies allein ist kein Garant für weitere Kursanstiege, wie in dieser VZ-Analyse zu lesen ist.
Sandoz unterhält mit dem beständigen Generika-Geschäft weiterhin ein solides Fundament. Das Potenzial steckt jedoch im Biosimilar-Markt. Daraus dürften auch zukünftig Margenverbesserungen resultieren. Gelingt dies, was durchaus realistisch ist, werden die Anlegerinnen und Anleger weiterhin Freude an der Aktienentwicklung haben. Allerdings sollte nicht vernachlässigt werden, dass einiges der guten Dynamik im starken Kursanstieg eingepreist ist. Das lässt sich auch an der erhöhten Bewertung ablesen, weshalb die Aktie kein «blinder Kauf» mehr ist. Für einen Einstieg sollten daher Schwächephasen, wie sie immer wieder auftreten, abgewartet werden.
Bei Alcon könnte es jetzt hingegen langsam interessant werden. Das Unternehmen bietet eine attraktive Kombination aus globaler Marktführerschaft, strukturellem Rückenwind und stabilen wiederkehrenden Umsätzen. Das Geschäft wächst solide. Gelingt es nun nachhaltig die erzielten Resultate mit den Erwartungen des Marktes in Einklang zu bringen, dürften zukünftig auch die Gewinnmargen kräftig steigen.
Ein erster Schritt in diese Richtung ist getan, damit mittelfristig das volle Potenzial ausgeschöpft werden kann. Im Gegensatz zu Sandoz scheint die Alcon-Aktie eher etwas für sportlichere Anlegerinnen und Anleger zu sein. Sollte der Investment Case aber aufgehen, warten dort jedoch die grösseren Kurssprünge.
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