VZ Analyse
Allgemein herrscht die Meinung vor, dass eine Aufnahme in den SMI den Aktienkurs des Unternehmens beflügeln sollte. Eine VZ-Analyse kommt jedoch zu einem völlig anderen Ergebnis.
Publiziert 2. Febr. 2026
Beschreibung
Der Aufstieg in den Swiss Market Index (SMI) gilt gemeinhin als Ritterschlag für Schweizer Unternehmen. Er bedeutet Sichtbarkeit, auch auf globaler Ebene und stärkere Kapitalmarktpräsenz.
In den letzten Jahren schafften under andrem Unternehmen wie Amrize, Kühne + Nagel, Partners Group, Logitech, Lonza und Sika den Schritt in den Schweizer Börsenolymp. Doch eine Analyse der passiven Kapitalzuflüsse zeigt: Der Schritt in den Leitindex ist für viele Unternehmen weniger Vorteil als oft angenommen – und kann sogar ein Rückschritt sein.
Der Grund dafür ist strukturell: Mit dem Übergang vom SMIM (Mid-Caps) und SPI Extra (Small- und Mid-Caps) in den SMI verlieren Unternehmen häufig die Aufmerksamkeit jener Anlegergruppen, die ihnen zuvor stark Kapital zugeführt haben – nämlich passive Investments über Small- und Mid Cap und breitere SPI Strategien.
Small- und Mid-Caps profitieren stark von passiven Zuflüssen
Die Datenauswertung der passiven Vermögensanteile zeigt ein klares Muster: Während die SMI Schwergewichte aufgrund ihrer enormen Marktkapitalisierung zwar absolut hohe ETF-Zuflüsse erhalten, ist ihr relativer passiver Anteil deutlich tiefer als der von Small- und Mid-Caps. Damit zeigt sich, dass Small- und Mid-Caps überproportional stark von passiven Anlegern nachgefragt werden. Der SMI-Aufstieg kappt diesen Vorteil.
Warum ein SMI Aufstieg zum Rückschritt werden kann
Zwar erhöht sich durch einen Aufstieg in den SMI die Sichtbarkeit der Unternehmen, jedoch verschiebt sich dadurch auch die Zusammensetzung der ETF-Investoren. Small- und Mid-Cap-ETF müssen das Unternehmen verkaufen, weil es den Index verlässt. Die Aufnahme in den SMI führt zwar zu neuen Mittelzuflüssen, das Gewicht im SMI – dominiert von Nestlé, Roche und Novartis – ist jedoch vergleichsweise gering.
Die neuen passiven Zuflüsse reichen oft nicht aus, um die wegfallenden zu kompensieren. Für die Aufsteiger kann dies zu indexbedingten Abflüssen, höherer Volatilität und Druck auf die Bewertung führen.
Der SMI ist ein konzentrierter Index, in dem neue Mitglieder untergehen. Die drei Schwergewichte machen fast 50 Prozent des Index aus. Neue Aufsteiger erhalten meist nur 0,5 bis 1,5 Prozent Indexgewicht. Diese Dynamik kann dazu führen, dass neue SMI-Titel zwar mehr Prestige, aber weniger Kapital erhalten.
Ein weiterer Grund für dieses Phänomen ist, dass es im Bereich der grossen Small- und Mid-Cap Firmen eine Überlappung von mehreren Indizes gibt. Konkret sind es zehn Titel, die sowohl im SLI, im SMIM als auch im SPI-Extra vertreten sind. Durch den Aufstieg in den SMI verlieren die Titel ihren Platz im SMIM und im SPI-Extra.
Viele Investoren – insbesondere in der Schweiz – suchen gezielt Nebenwerte. Oft sind die Wachstumserwartungen der Investoren in diesem Bereich höher. Das Geschäftsmodell der Unternehmen wird zusätzlich als innovationsgetrieben und die historische risikobereinigte Rendite als besser erachtet.
Nach dem Aufstieg in den SMI werden diese Titel jedoch oft als "einer von vielen Grossen" angesehen – und verlieren einen Teil ihrer Small- und Midcap-Story.
Zwar betragen die durchschnittlichen passiven Mittel, welche über Produkte auf diese Indizes in einem SMI-Titel investiert sind rund 3,5 Mrd. Franken. Das ist mehr als das 5,5-fache eines durchschnittlichen SMIM-Titel mit 640 Mio. Franken und fast das 25-fache eines SPI-Extra-Titels mit 143 Mio. Franken.
Betrachtet man jedoch die kleinsten drei Titel im SMI mit einem durchschnittlichen Volumen von knapp 800 Mio. Franken und die grössten drei Titel im SPI Extra und SMIM, mit 1,5 Mrd. Franken, so ist das passive Kapital in den Titeln beim SPI Extra und SMIM doppelt so hoch wie beim SMI.
Muster aus früheren SMI Aufstiegen
Betrachtet man vergangene Aufstiege in den SMI so kann bei vielen Titeln ein technischer Verkaufsdruck beobachtet werden. Ein Teil dieser Titel underperformte in den ersten sechs bis zwölf Monaten danach. Der Wegfall der Small- und Mid-Cap ETF Nachfrage kann als möglicher Grund für dieses Phänomen genannt werden. Diese Mechanik ist nicht unternehmensspezifisch, sondern indexbedingt.
Was bedeutet das für Anleger?
SMI-Kandidaten können schon vor dem Aufstieg unter Druck geraten. Wenn der Markt einen bevorstehenden Aufstieg erwartet, beginnen passive Strategien bereits frühzeitig umzuschichten – oft zulasten der aufsteigenden Aktie. Viele Anleger bevorzugen Small- und Mid-Caps. Dies lässt sich aus der höheren passiven Quote ableiten. Weiter ist die Indexkonzentration in diesem Bereich geringer. Der Aufstieg ist operativ irrelevant, aber markttechnisch relevant. Fundamental ändert sich für Unternehmen nichts. Kapitalmarkttechnisch jedoch sehr viel.
Der Aufstieg in den SMI ist prestigeträchtig – aber nicht zwingend positiv für die Aktie. Wer aufsteigt, verliert häufig passive Nachfrage und damit einen der Treiber stabiler Kursentwicklung.
Für Anleger lohnt es sich daher, SMI-Aufsteiger nicht nur fundamental, sondern auch aus Index- und Struktursicht zu beurteilen. Der vermeintliche Fortschritt kann an der Börse durchaus zum Rückschritt werden.
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