Gewinneraktien 2026: Hält der Aufschwung an?

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Der Schweizer Aktienmarkt hat 2026 bisher deutlich zugelegt. Einige Aktien haben den Gesamtmarkt jedoch weit hinter sich gelassen und teils spektakuläre Kursgewinne erzielt. Doch ein starker Anstieg allein sagt wenig über die weiteren Aussichten aus.

Publiziert vor 9 Stunden

Autor

Christian Huber

Funktion Anlageexperte

Nachdem wir zuletzt die grössten Verlierer unter den Schweizer Einzeltiteln betrachtet haben (sehen Sie mehr dazu hier), richtet sich der Fokus nun auf die Gewinner des Jahres 2026. Die Gründe für die Kursanstiege unterscheiden sich deutlich. 

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Einige Unternehmen profitieren von einer klaren Verbesserung des Geschäfts, andere von Turnaround-Hoffnungen, neuen Wachstumsmärkten oder Sondereffekten. Entscheidend ist deshalb, wo der Aufschwung auch nachhaltig sein könnte.

Die Liste der Gewinner ist bunt gemischt. Mit Gurit, LEM, Inficon und Oerlikon finden sich mehrere Industrieunternehmen darunter. Gleichzeitig haben mit ams OSRAM, DocMorris und Bajaj Mobility auch frühere Problemfälle kräftig zugelegt. Centiel und Infomaniak kamen erst 2026 in ihrer heutigen Form an die Börse. EvoNext ist ein Sonderfall, da die Gesellschaft bisher kaum operatives Geschäft besitzt.

 

KI-Boom erreicht Schweizer Industrie

Zusammen mit ABB und VAT zählen LEM und Inficon zu den Schweizer Profiteuren des globalen KI-Booms und des Wettrennens um immer mehr Rechenkapazität.

Die Stromsensoren von LEM messen und steuern elektrische Ströme. Sie kommen nicht nur in Stromnetzen, Elektrofahrzeugen und Industrieanlagen zum Einsatz, sondern zunehmend auch in Rechenzentren. Dort müssen empfindliche und teure Komponenten präzise mit Strom versorgt und vor Überspannungen geschützt werden. Auch bei der Stromverteilung und Kühlung spielen die Sensoren eine wichtige Rolle.

Inficon ist ebenfalls auf Mess- und Sensortechnik spezialisiert. Die Produkte kommen jedoch früher in der Wertschöpfungskette zum Einsatz, vor allem bei der Herstellung von Halbleitern. Sensoren und Messgeräte überwachen dort das Vakuum, kontrollieren die Zusammensetzung der benötigten Gase und prüfen Produktionskammern, Ventile und Leitungen auf Lecks. Auch bei Beschichtungsprozessen überwacht Inficon den Fortschritt. Ergänzt wird das Angebot durch Software zur Steuerung und Überwachung dieser Abläufe.

Beide Unternehmen sind zuletzt stark gewachsen und konnten ihre Auftragslage verbessern. Als bekannte Profiteure des KI-Booms hängen die Aktien aber nicht nur von den Geschäftszahlen, sondern auch von der Stimmung rund um das Thema KI ab. Für weitere Kursgewinne muss deshalb sowohl das Wachstum anhalten als auch das Sentiment positiv bleiben.

Die nächsten Hinweise liefern die Zahlen von Inficon am 27. Oktober und von LEM am 10. November. Die zuletzt starken Ergebnisse von VAT stimmen jedoch zuversichtlich. Sollte sich zusätzlich die breite Industrienachfrage erholen, könnte dies weiteren Rückenwind bringen.

Die hohe Nachfrage nach Rechenzentren war auch ein wichtiger Treiber hinter dem starken Börsenstart von zwei neuen Schweizer Titeln. Centiel, ein Hersteller von unterbrechungsfreien Stromversorgungen, kam im April 2026 über eine Fusion an die Börse. Seit dem 1. Oktober ist zudem Infomaniak an der SIX kotiert. Der Schweizer Anbieter von Cloud-Lösungen blickt auf einen starken Börsenauftakt zurück und profitiert von hoher Nachfrage und viel Optimismus. Bei beiden Aktien dürfte die Stimmung rund um das Thema Rechenzentren vorerst einen besonders grossen Einfluss auf den Kurs haben.

Gurit – der Turnaround gewinnt an Fahrt

Gurit hat mehrere schwierige Jahre hinter sich. Der Hersteller von Verbundwerkstoffen ist stark mit der Windkraftindustrie verbunden und litt unter schwacher Nachfrage, Projektverzögerungen und Überkapazitäten. Entsprechend stark geriet auch die Aktie unter Druck.

Das hohe Kursplus im laufenden Jahr ist jedoch nicht nur als Gegenbewegung nach den schwachen Vorjahren zu verstehen. Auch operativ hat sich die Lage deutlich verbessert. Gurit hat sein Angebot gestrafft und mit den verbleibenden Geschäftsbereichen den Umsatz um 16 Prozent gesteigert. Gleichzeitig verbesserte sich die Marge deutlich, wodurch auch der Gewinn anzog. In der Folge erhöhte das Unternehmen seine Prognose für das Gesamtjahr.

Zusätzliche Stabilität soll die definitive Ernennung des bisherigen Übergangs-CEO Viktor Bernhardt bringen.

Gurit profitiert zudem von der stärkeren Nachfrage nach erneuerbaren Energien. Entscheidend wird nun sein, ob das Unternehmen das Umsatzwachstum halten und die Margen trotz starker Konkurrenz, insbesondere aus China, verteidigen kann. Der nächste wichtige Hinweis folgt mit den Zahlen zum dritten Quartal am 23. Oktober.

Weitere Turnarounds - aber mit mehr Risiko

Noch stärker als Gurit hat Oerlikon sein Geschäftsmodell gestrafft. Das Unternehmen konzentriert sich heute stärker auf Oberflächenlösungen und moderne Materialien. Vom Verkauf der Textilmaschinensparte Barmag an Rieter profitierten die Aktionäre zudem direkt über eine Sonderdividende. Der Umbau zeigt bisher Wirkung, doch erst die kommenden Quartale werden zeigen, wie nachhaltig die Verbesserung ist.

Bei ams OSRAM, DocMorris und Bajaj Mobility basiert der Kursanstieg stärker auf der Hoffnung, dass sich langjährige Probleme dauerhaft lösen lassen. Bei allen drei Unternehmen sind Fortschritte sichtbar, der Turnaround ist aber noch nicht abgeschlossen.

ams OSRAM treibt den Konzernumbau voran und konzentriert sich stärker auf Halbleiter und optische Technologien. Bajaj Mobility hat nach der schweren Krise rund um KTM deutliche Fortschritte bei Umsatz und Profitabilität erzielt. DocMorris profitiert vom starken Wachstum bei elektronischen Rezepten und erzielte im dritten Quartal erstmals seit dem Börsengang 2017 einen operativen Gewinn auf Stufe EBITDA. Im kommenden Jahr soll erstmals auch positiver freier Cashflow dazukommen.

Damit besitzen alle drei Aktien weiteres Potenzial, falls sich die Erholung bestätigt. Gleichzeitig bleiben die Risiken höher als bei Unternehmen wie Inficon oder LEM, die von strukturell starker Nachfrage profitieren. Nach den kräftigen Kursanstiegen müssen nun vor allem Gewinne und Cashflows zeigen, dass der Turnaround nachhaltig ist.

Nicht jeder Gewinner ist gleich attraktiv

Die zehn Gewinner zeigen, wie unterschiedlich starke Kursanstiege entstehen können. Bei Inficon, LEM, Gurit und Oerlikon haben sich Umsatz, Aufträge oder Margen klar verbessert. Auch Centiel profitiert von einem strukturellen Wachstumstrend rund um Rechenzentren und Stromversorgung.

Bei ams OSRAM, DocMorris und Bajaj Mobility steht dagegen der Turnaround im Mittelpunkt. Die Fortschritte sind sichtbar, müssen sich aber erst über längere Zeit bestätigen. Infomaniak besitzt eine interessante Wachstumsstory, ist für ein klares Urteil an der Börse jedoch noch zu jung. Bei EvoNext hängt dagegen fast alles vom geplanten Zusammenschluss mit Ascend ab.

Damit besitzen Inficon, LEM, Centiel und mit Abstrichen Gurit und Oerlikon die solideste Grundlage für einen nachhaltigen Aufschwung. Bei den übrigen Gewinnern sind die Chancen teilweise ebenfalls gross, die Risiken aber deutlich höher.

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