VZ Analyse
Der Schweizer Aktienmarkt hat 2026 bisher deutlich zugelegt. Doch nicht alle Titel konnten davon profitieren. Ein Blick auf die grössten Verlierer zeigt, wo sich Chancen auf eine Erholung bieten.
Publiziert vor 4 Stunden
Beschreibung
Der Herbst hält langsam Einzug in der Schweiz. Die Tage werden kürzer und kühler. Damit bietet sich auch eine Einordnung der Entwicklung von Schweizer Aktien seit Jahresbeginn an. Der Gesamtmarkt SPI hat bisher knapp neun Prozent zugelegt. Hinter dieser Entwicklung verbergen sich jedoch grosse Unterschiede.
Während einige Aktien zweistellig zulegten, mussten andere deutliche Verluste hinnehmen. Ein Blick auf die zehn grössten Verlierer zeigt, wo Chancen auf eine Erholung bestehen und bei welchen Titeln weiterhin Vorsicht angebracht ist.
Spekulative Kleinstunternehmen
Unter den zehn schwächsten Aktien im SPI finden sich neben den Kleinstunternehmen Highlight Event & Entertainment, das Sport- und Kulturevents vermarktet, und Varia US Properties, das in US-Immobilien investiert, gleich fünf Unternehmen aus dem Gesundheitssektor. Sie sind allerdings deutlich kleiner als die bekannten Schweizer Pharmakonzerne Novartis und Roche.
MindMaze, Newron und Addex sind stark von einzelnen Medikamenten oder Behandlungen abhängig. Gleichzeitig bleibt die Finanzierung ihrer Forschung eine zentrale Herausforderung. Ähnlich ist die Ausgangslage bei Xlife Sciences. Die Beteiligungsgesellschaft investiert ebenfalls schwerpunktmässig in Unternehmen aus dem Gesundheitssektor.
Deutlich grösser und kommerziell erfolgreicher ist Cosmo Pharmaceuticals mit einer Marktkapitalisierung von fast 500 Millionen Franken. Das Unternehmen verfügt bereits über zugelassene Medikamente gegen Haut- sowie Magen-Darm-Erkrankungen. Der wichtigste Hoffnungsträger ist jedoch GI Genius. Das System nutzt künstliche Intelligenz, um Ärzte bei Darmspiegelungen bei der Erkennung auffälliger Veränderungen zu unterstützen. Setzt sich die Technologie stärker durch, könnte dies auch der Aktie neuen Schub verleihen.
GAM – gelingt die Rückkehr zum Wachstum?
Auch die Aktien von GAM bleiben sehr volatil und haben einen spekulativen Charakter. Der Vermögensverwalter steht seit Jahren unter Druck. Seit 2018 gingen die verwalteten Vermögen aus verschiedenen Gründen stark zurück. Damals lagen sie noch im dreistelligen Milliardenbereich, heute sind es nur noch knapp 13 Milliarden Franken.
Zuletzt konnte GAM den Rückgang jedoch stoppen und die verwalteten Vermögen leicht steigern. Gelingt es dem Unternehmen, diesen Trend fortzusetzen und gleichzeitig die Kosten weiter zu senken, könnte sich auch die Aktie erholen. Bis zur Rückkehr in die Gewinnzone bleibt der Weg allerdings weit und wird nicht ohne Rückschläge vonstattengehen.
Bystronic – zeigt der Umbau Wirkung?
Deutlich besser präsentiert sich die Ausgangslage bei Bystronic. Der Hersteller von Maschinen für die Blechbearbeitung hat in den vergangenen Jahren einen tiefgreifenden Umbau durchlaufen. Eine schwache Industrienachfrage sowie hoher Preis- und Wettbewerbsdruck belasteten das Geschäft. Bystronic reagierte mit Kostensenkungen und einer neuen strategischen Ausrichtung.
Im ersten Halbjahr 2026 zeigten diese Massnahmen noch nicht die erhoffte Wirkung. Der Verlust nahm weiter zu. Positiv entwickelte sich dagegen der Auftragsbestand. Dies spricht für ein stärkeres zweites Halbjahr.
Mit der Übernahme von Rofin will Bystronic zudem stärker vom Ausbau von Rechenzentren profitieren. Der Turnaround dürfte trotzdem noch einige Zeit beanspruchen. Der höhere Auftragsbestand und die solide Finanzlage bilden aber eine gute Basis für eine Erholung. Zudem ist Bystronic nicht von einzelnen Grosskunden abhängig.
Für eine deutlich stärkere Belebung müsste sich jedoch auch die Industriekonjunktur weiter erholen. Mehr Klarheit dürfte das Update zum dritten Quartal am 22. Oktober bringen.
Interroll – auch mittelfristig ein Erfolg?
Das etablierteste Unternehmen auf der Liste ist Interroll. Der Spezialist für Intralogistik, also für den Materialfluss innerhalb von Unternehmen, litt in den vergangenen Jahren unter einer schwächeren Nachfrage und höheren Kosten.
Ein Teil dieser Belastungen bleibt bestehen. Dazu zählen hohe Preise für Elektronik und Energie, höhere Stahlkosten sowie geopolitische Risiken. Gleichzeitig gibt es erste positive Signale.
Der Gewinn lag im ersten Halbjahr 2026 zwar unter dem Vorjahreswert. Dazu trugen jedoch auch höhere Investitionen und Akquisitionen bei. Gleichzeitig konnte Interroll wie Bystronic den Auftragsbestand steigern. Damit dürfte in den kommenden Monaten wieder mehr Umsatz realisiert werden.
Auch langfristig bleibt die Ausgangslage attraktiv. Der Trend zur Automatisierung spielt Interroll in die Karten. Unternehmen investieren in effizientere Produktions- und Logistikprozesse, zunehmend unterstützt durch KI-Anwendungen. Davon dürfte Interroll profitieren.
Kurzfristig bleiben vor allem die Preise für Elektronik und Stahl entscheidend. Lässt der Kostendruck nach und zieht die Nachfrage weiter an, könnte auch die Aktie wieder an Schwung gewinnen.
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