VZ Chartanalyse
Mit Richemont führen wir unsere Serie zu Luxusgütertiteln fort – und das zu einem günstigen Zeitpunkt: Während Tech-Bewertungen wackeln, rücken defensive Qualitätsaktien in den Fokus. Passend präsentiert sich das Chartbild wie ein Schweizer Uhrwerk.
Publiziert 5. Nov. 2025
Beschreibung
Nach den Luxusaktien-Analysen zu LVMH (Analyse), Hermès (Analyse) und Kering (Analyse) steht nun der Schweizer Branchengigant Richemont im Fokus – Heimat von Cartier, Van Cleef & Arpels, IWC und Jaeger-LeCoultre. Zum Abschluss folgt wie gewohnt eine Chartanalyse. Und die hat es hier in sich: Richemonts Kursverlauf zeigt sich – ganz im Sinne des Geschäfts – wie ein Schweizer Uhrenwerk.
Schmuck strahlt, Uhren schwächeln
Richemont liefert solide Zahlen ab. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2024/2025 stieg um 4 Prozent auf gut 21 Milliarden Euro, der operative Gewinn lag bei rund 4,5 Milliarden Euro. Die operative Marge bewegt sich damit im gesunden 20 Prozent-Bereich. Der Wachstumsmotor bleibt das Schmuckgeschäft. Cartier, Van Cleef & Arpels und die übrigen Schmuckhäuser steigerten den Umsatz um 8 Prozent – bei einer bemerkenswert hohen Marge von rund 32 Prozent. Anders das Bild bei den Uhren: Dort schrumpften die Erlöse um rund 13 Prozent und die Marge auf 5,3 Prozent. Marken wie IWC, Jaeger-LeCoultre und Panerai spüren die abgekühlte Nachfrage in China stärker.
Preisdisziplin und Loyalität
Während einige Wettbewerber in der Post-Corona-Zeit mit kräftigen Preiserhöhungen nachlegten, blieb Richemont zurückhaltend. Die Kundschaft honoriere laut Konzernlenker Johann Rupert die faire Preisgestaltung mit Treue – ein Wettbewerbsvorteil, gerade in unruhigen Zeiten. Ein weiterer Punkt: Wertbeständigkeit. Richemont-Stücke erzielen auf Auktionen regelmässig hohe Preise. Luxus als Wertespeicher.
Globale Nachfrage – China später, Westen jetzt
Geografisch ist Richemont aktuell im Westen am stärksten. Europa und Nordamerika legten zweistellig zu, getragen von weiterhin kaufkräftigen Konsumenten und einer hohen Nachfrage nach Schmuck. In China hingegen bleibt die Erholung verhalten. Rupert sieht das als vorübergehende Phase: «Die Chinesen haben hohe Ersparnisse – sie stehen aber noch unter dem Eindruck der Pandemie.» Mittelfristig erwartet das Management eine Normalisierung.
Fokus statt Expansion
Mit dem Verkauf des defizitären Onlinehändlers Yoox Net-a-Porter (YNAP) schärft Richemont seinen Fokus. 76 Prozent der Erlöse stammen bereits aus eigenen Kanälen – statt Expansion steht Feinschliff im Retailnetz im Vordergrund. Mehr Kontrolle über die Markenwelt, weniger Komplexität.
An der Börse honorieren Anleger diese Stabilität. Seit Anfang Jahr ist die Aktie trotz aller Ungewissheiten rund um US-Importzöllen über 23 Prozent gestiegen. Mehrere Banken haben im Verlauf des Jahres die Kursziele angehoben; besonders optimistisch zeigen sich Häuser wie HSBC und Bernstein mit Zielmarken um 190 Franken. Im Schnitt liegt der Zielkurs von 31 Analysten (Bloomberg) bei 171 Franken, davon empfehlen 19 den Titel zum Kauf, der Rest zum Halten – niemand zum Verkauf.
Ein Chartbild wie ein Schweizer Uhrenwerk
Die Kursentwicklung zeigt sich wie das eigene Produkt – präzise, sauber kalibriert, zuverlässig.
Das Chartbild von Richemont erfreut den langfristig orientierten Anleger. Es zeigt sich, dass die Aufwärtstrendlinie von Frühjahr 2020 bis heute Bestand und durch zahlreiche Bestätigungen eine hohe Aussagekraft hat. Auch die blau dargestellte 200-Tage-Linie hat in den letzten Jahren zuverlässig den Kurs gestützt. Auf der Oberseite unterbindet die Linie der Hochpunkte seit Juli 2018 einen noch schnelleren Kursanstieg - hier kam es regelmässig zu kurzfristigen Gewinnmitnahmen nach neuen Rekordhochs.
Man erkennt auch gut die beiden Schocks dieses Jahr: den Liberation-Day mit der ersten Ankündigung hoher US-Importzölle durch Trump im April und die Verkündung von 39-Prozent-Zöllen gegenüber der Schweiz Anfang August. In beiden Fällen hielten die beiden erwähnten 200-Tage-Linie und Aufwärtstrendlinie. Nun sehen wir einen stärkeren Rebound - seit Anfang August von über 20 Prozent – der den Kurs bis an die Zone 161-167 Franken herangeführt hat, die als Widerstand fungiert. Sollte die Diversifikation aus Tech heraus anhalten beziehungsweise die Halbjahreszahlen von Richemont, welche am 14. November veröffentlicht werden, stützen, dann könnte dies zum Sprung über die Zone verhelfen. Darüber stünde einem Test des Allzeithochs und mehr kaum etwas entgegen.
Auf der anderen Seite könnte das aktuelle bärische Sentiment auch Richemont zusetzen. Für Anleger, die einen Einstieg bei Richemont suchen, könnten dann die Marken 147 Franken und darunter die täglich steigende Aufwärtstrendlinie und 200-Tage-Linie (aktuell um 134 Franken) interessant sein.
Fazit: Stabilität mit Schweizer Prägung
Richemont ist kein wilder Sprinter, sondern ein beständiger Dauerläufer – und damit in unruhigen Zeiten ein wertvoller Anker im Luxusuniversum. Schmuck liefert verlässlich hohe Margen, die Bilanz ist schuldenfrei, die Dividende solide und die strategische Ausrichtung klar. Ob das auch für das letzte Quartal gilt, wird sich wohl nach den Zahlen vom 14. November zeigen.
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