Kering: Strategiewechsel zündet an der Börse

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Ein neuer CEO und klare Kante beim Portfolio: Der französische Luxuskonzern Kering startet nach schwierigen Jahren zur Aufholjagd. Warum Anleger wieder Hoffnung schöpfen.

21. Okt. 2025

Beschreibung

Autor: Andreas Paciorek / VZ VermögensZentrum 

Unter den europäischen Luxusaktien galt Kering lange Zeit als Underperformer. Seit dem Allzeithoch im August 2021 hat sich der Börsenwert des Konzerns von über 80 Milliarden auf aktuell rund 40 Milliarden Euro halbiert. Hauptgrund war die Schwäche der Kernmarke Gucci, die allein rund 44 Prozent des Konzernumsatzes erwirtschaftet. Im ersten Halbjahr 2025 sank der Umsatz um 16 Prozent, der Nettogewinn brach um 46 Prozent auf 474 Millionen Euro ein. Besonders in China und den USA blieb die Nachfrage deutlich hinter den Erwartungen zurück. Zusätzlich belasteten ein starker Euro, gestiegene Kosten und neue US-Zölle auf Luxusgüter. 

Wie in der Analyse zur europäischen Luxusbranche beschrieben (zum Artikel), zeichnet sich für das Segment eine Trendwende ab – auch bei Kering mehren sich die positiven Signale. Seit Mitte des Jahres hat sich die Stimmung spürbar aufgehellt: Der STOXX Europe Luxury-10-Index, der Schwergewichte wie LVMH, Hermès, Richemont und Kering enthält, kletterte im Oktober auf den höchsten Stand seit März. 

Kering profitiert von diesem Rückenwind in besonderem Masse. Weil die Aktie zuvor überdurchschnittlich stark gefallen war, fällt nun auch die Gegenbewegung kräftig aus. Seit diesem Frühling befindet sich Kering an der Pariser Börse in einer steilen Erholungsrally: Von Anfang April hat sich der Aktienkurs mehr als verdoppelt. Allein das dritte Quartal 2025 brachte einen Kursgewinn von über 50 Prozent – der stärkste Quartalsanstieg in Kerings Börsengeschichte. Damit gehörte der Titel zuletzt zu den Top-Performern im französischen Leitindex CAC 40. Auslöser für den Kurssprung waren neben den Branchenfaktoren auch unternehmensspezifische Nachrichten. Insbesondere die Ankündigung eines Wechsels an der Konzernspitze sorgte für Begeisterung an der Börse: Im Juni 2025 gab François-H. Pinault überraschend bekannt, den Vorstandsposten an Luca de Meo zu übergeben. 

Strategiewechsel: Verkauf der Beauty-Sparte 

In der Nacht auf Montag gab Kering den Verkauf seiner Kosmetiksparte für rund 4 Milliarden Euro an L’Oréal bekannt. Die Transaktion umfasst Creed sowie Lizenzrechte für Marken wie Gucci, Balenciaga und Bottega Veneta. Kering hatte 2023 die Beauty-Sparte ursprünglich gegründet, um Parfüms seiner Marken selbst zu vermarkten und so unabhängiger zu werden – inklusive der teuren Übernahme von Creed für etwa 3,5 Milliarden Euro. Doch das Experiment erfüllte die Erwartungen nicht: Bereits im ersten Halbjahr 2024 schrieb die neue Sparte 60 Millionen Euro Betriebsverlust, während zugleich das angestammte Luxusgeschäft schwächelte. Mit dem nun vereinbarten Verkauf an L’Oréal zieht Kering die Konsequenzen. Der Schritt bedeutet eine klare Abkehr vom Diversifikationskurs unter Ex-CEO Pinault. Unter dem neuen Chef Luca de Meo fokussiert sich Kering wieder auf das Kerngeschäft mit Mode und Lederwaren. Der Erlös soll zur Bilanzstärkung genutzt werden: Ende Juni 2024 lag die Nettoverschuldung noch bei 9,5 Milliarden Euro. Die Börse reagierte prompt: Die Aktie legte unmittelbar um knapp 5 Prozent zu. 

Ausblick: Quartalszahlen im Fokus 

Mit der konsequenten Rückbesinnung auf das Hauptgeschäft und der Trennung von unrentablen Sparten unternimmt Kering einen wichtigen Schritt, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Am Mittwoch wird Kering die Zahlen für das dritte Quartal vorlegen. Analysten erwarten eine leichte Stabilisierung, wenngleich der Konzernumsatz wohl weiterhin rückläufig ist. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei erneut der Entwicklung bei Gucci. Ob die Luxusmarke zur alten Stärke zurückfinden kann, wird entscheidend dafür sein, ob der jüngste Optimismus gerechtfertigt ist. 

Wie steht es charttechnisch um die Aktie? 

Erkennbar ist das Siechtum des Aktienkurses, der von rund 800 Euro im August 2021 bis auf etwa 150 Euro im Frühjahr 2025 fiel. Anleger mussten in den vergangenen vier Jahren eine lange Leidensphase durchstehen. Doch die Erholung seit dem Tiefpunkt bei 150 Euro ist eindrücklich: Mit der Rally vom Montag hat sich der Kurs seitdem mehr als verdoppelt. 

Bereits im Juli hat sich mit dem Ausbruch aus dem bullischen Keil die starke Erholung angedeutet. Mit dem Ausbruch über die Abwärtstrendlinie seit dem August 2021 verstärkt sich das positive Bild. Hinzu kommt die Rückeroberung der 100-Tage-Linie. Auf der Oberseite rücken nun die 200-Tage-Linie (aktuell bei 400 Euro) sowie die Widerstandszone um 433 Euro in den Fokus – 23 bis 34 Prozent über dem aktuellen Kurs. 

Auf der Unterseite bilden die überwundene Abwärtstrendlinie, die 100-Tage-Linie und das frühere Zwischenhoch eine potenzielle Unterstützungszone im Bereich von 276 bis 296 Euro. 

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