VZ Chartanalyse
Der französische Luxuskonzern Hermès beeindruckt mit soliden Zahlen und stabiler Nachfrage – doch die Börse zeigt sich unbeeindruckt. Die Aktie scheitert an einem wichtigen technischen Widerstand und droht, in eine kritische Zone abzurutschen.
23. Okt. 2025
Beschreibung
Autor: Andreas Paciorek / VZ VermögensZentrum
Hermès zählt weiterhin zu den stabilsten Akteuren der Luxusbranche. Während Kering (zur Analyse) und LVMH (zur Analyse) im ersten Halbjahr Umsatzrückgänge auswiesen, konnte Hermès diesen erhöhen und erzielte auch im dritten Quartal ein Plus von währungsbereinigt rund 10 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro – Ausdruck einer nach wie vor hohen Preissetzungsmacht und loyalen Kundschaft.
Hermès überflügelt die Konkurrenz
Seit 2021 gehört die Hermès-Aktie zu den stärksten Titeln im Luxussegment. Während Kering in dieser Zeit rund 50 Prozent an Börsenwert verlor, markierte Hermès in diesem Jahr ein neues Allzeithoch und überholte zeitweise sogar LVMH. Aktuell liegt die Marktkapitalisierung bei 230 Milliarden Euro – LVMH bringt dagegen gut 300 Milliarden auf die Waage.
Solides Wachstum bei selektiven Schwächen
Auch operativ bleibt Hermès auf Kurs. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 7 Prozent, bei einer operativen Marge von über 40 Prozent – branchenweit Spitze. Im dritten Quartal wuchs besonders das Geschäft mit Lederwaren – getragen vom ungebrochenen Interesse an Klassikern wie der Birkin- oder Kelly-Bag. Mit +13,3 Prozent blieb das Wachstum hier allerdings leicht hinter den Analystenerwartungen zurück – ein Detail, das am Markt kritisch wahrgenommen wurde.
Besonders robust zeigte sich der US-Markt, wo die Umsätze um 14 Prozent zulegten – getragen von einer über alle Produktkategorien gestiegenen Nachfrage und wachsendem Kundenverkehr in den Boutiquen. In Frankreich und im übrigen Europa betrug das Wachstum jeweils rund zehn Prozent. Auch Asien-Pazifik zog nach einer schwächeren Phase wieder an (+6 %), wobei Japan mit einem Plus von 13 Prozent hervorstach. Hermès profitierte hier von seiner stärkeren Ausrichtung auf lokale Kunden und ist damit weniger von rückläufigem Tourismus aus China abhängig.
Gegenwind zeigt sich hingegen im Einstiegssegment: Die Parfum- und Beautysparte verzeichnete einen Umsatzrückgang von über 7 Prozent – ein Zeichen dafür, dass die „aspirational“ Kundschaft aktuell zögerlicher agiert. Die Kernstärken des Unternehmens bleiben davon aber weitgehend unberührt.
Wert durch Verknappung und Beständigkeit
Hermès verfolgt konsequent seine Knappheitsstrategie: Die Produktion wächst kontrolliert, die Nachfrage übersteigt das Angebot. Dies erhält die Exklusivität und steigert die Begehrlichkeit. Hinzu kommen Verzicht auf aggressive Werbung, eine stabile Führungsstruktur und die Fokussierung auf zeitlose Qualität statt kurzlebiger Trends – Eigenschaften, die Vertrauen bei Kunden und Investoren schaffen.
Verhaltener Markt, klarer Blick auf die Technik
Hintergrund der verhaltenen Kursreaktion dürften vor allem die hohen Erwartungen nach den starken LVMH-Zahlen sein. Kleinere Abweichungen – etwa beim Wachstum in der Lederwarensparte – reichten aus, um Gewinnmitnahmen auszulösen. Hermès bestätigte zwar seine mittelfristigen Wachstumsziele, verwies jedoch auf ein weiterhin herausforderndes globales Umfeld. Das Unternehmen erfüllte die Erwartungen, konnte sie jedoch nicht übertreffen – in einem Umfeld, in dem Anleger zunehmend auf mögliche Turnarounds wie bei Kering oder LVMH setzen.
Chartbild: Rückzug statt Ausbruch
Ein Blick auf die Kursentwicklung zeigt: Hermès konnte – anders als viele Konkurrenten – seinen Börsenwert in den letzten Jahren deutlich steigern. 2025 notierten die Aktien gar so hoch wie noch nie. Seit dem Frühjahr jedoch hat sich ein Abwärtstrend etabliert, der sich nun mit Veröffentlichung der Quartalszahlen bestätigte: Der Kurs prallte erneut an der fallenden Trendlinie nach unten ab.
Bärisches Szenario
Technisch kritisch ist zudem, dass im Sommer die 100-Tage-Linie die 200-Tage-Linie nach unten kreuzte – ein bearishes Signal. Sollte die Unterstützung im Bereich der langfristigen Aufwärtstrendlinie (seit April 2022) und der Zone 2000–2010 Euro nicht halten, könnte das nächste Ziel bei rund 1670 Euro liegen.
Bullische Trigger
Auf der anderen Seite ist der übergeordnete Aufwärtstrend weiterhin intakt. Für ein bullisches Szenario müsste die Zone um 2000 Euro verteidigt werden – und die 100-Tage-Linie bei 2195 Euro sowie der Widerstand bei 2225–2250 Euro zurückerobert werden. Erst dann rücken die nächsten Marken bei 2356 Euro (200-Tage-Linie) und 2430 Euro ins Blickfeld.
Fazit: Die Zahlen bestätigen die Stärke von Hermès – charttechnisch bleibt die Lage jedoch angespannt. Entscheidend wird sein, ob die Unterstützung um 2000 Euro hält oder ein weiterer Rücksetzer die Rally endgültig beendet.
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