Geldanlagen

Was sind Faktor-ETF?

Faktor-ETF bilden neuartige Indizes ab, die die Schwachstellen von klassischen Indizes ausmerzen. Faktoren ermöglichen langfristig eine Zusatzrendite zur Rendite des Gesamtmarktes. In der Regel empfiehlt sich für Anleger eine Kombination von klassischen und faktorbasierten Indizes.

Jan Simon

Anlageexperte
Aktualisiert am
20. Januar 2023

Die meisten ETF bilden marktkapitalisierte Indizes ab. Bei diesen Indizes kann die Titelgrösse einen grossen Einfluss auf die Indexzusammensetzung haben. Mit einem Investment in den Weltaktienindex MSCI World beispielsweise ist man den Börsenschwergewichten Apple, Microsoft, Amazon und Alphabet (Mutterkonzern von Google) gegenüber relativ stark exponiert. Zudem weist dieser Index ein hohes Gewicht an US-Aktien auf.

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Alternative zu klassischen Indizes

Als Alternative zu den klassischen Indizes haben in den letzten Jahren verschiedene Indexanbieter vermehrt neuartige Indizes lanciert, sogenannte Faktorindizes. Diese unterscheiden sich darin, dass die Titel anhand bestimmter Merkmale – sogenannten Faktoren – alternativ gewichtet werden. So verhindern beispielsweise die Size-Faktor Indizes des MSCI World die Exponierung der Börsenschwergewichte, indem nur Titel mit einer kleineren Marktkapitalisierung berücksichtigt werden.

Weitere Faktoren sind etwa Value (günstig bewertete Titel), Momentum (Titel mit einem positiven Trend), Qualität (Titel mit soliden Unternehmenserträgen) und Minimum Volatility (Titel mit niedriger Volatilität).

Immer mehr Faktor-ETF im Handel

Faktoren ermöglichen langfristig eine Zusatzrendite zur Rendite des Gesamtmarktes. Diese Zusatzrendite wird oft als Faktorprämie bezeichnet. 

VZ-Studie

Eine Untersuchung von faktorbasierten Aktien-ETF

Lesen Sie, welche Aspekte Anleger bei der Investition in nachhaltige Aktien-ETF beachten sollten.

Solche Faktorprämien lassen sich historisch über lange Zeitspannen nachweisen und sind empirisch belegt. Einige dieser Faktorprämien können als Kompensierung für zusätzlich eingegangene Risiken gesehen werden, andere lassen sich durch irrationale Verhaltensweisen von Investoren begründen.

Die Faktorprämien können allerdings auch negativ sein, gerade in einer kürzeren Betrachtungsperiode. Ein langfristiger Anlagehorizont ist deshalb unabdingbar.

Anleger investieren am besten mit ETF oder Indexfonds in Faktorindizes. In den letzten Jahren sind an der Schweizer Börse immer mehr Aktien-ETF lanciert worden, die Faktorindizes abbilden. Unter dem Suchbegriff «factor» sind an der Schweizer Börse rund 50 ETF zu finden. Der Anleger sollte sich vor dem Entscheid für ein solches Produkt im Faktenblatt informieren, welche Kriterien der ETF anwendet.