Geldanlagen

Das sind die Zinserwartungen für 2023

Nach den Zinserhöhungen der letzten Monate fragen sich viele Anleger, wie sich die Zinsentwicklung im Jahr 2023 fortsetzt. VZ-Chefökonom Christoph Sax analysiert die Markterwartungen und ordnet sie ein. 

Christoph Sax

Chief Investment Officer
Publiziert am
21. Dezember 2022

Die Zinsschritte der grossen Notenbanken sind in den vergangenen Tagen wie erwartet ausgefallen. Sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die Schweizerische Nationalbank (SNB) haben die Zinsen um 0,5 Prozentpunkte angehoben.

Dennoch haben die Aktienmärkte mit teils deutlichen Abgaben auf die Zinsentscheide reagiert. Das liegt daran, dass die Notenbanken bei ihrem Ausblick auf die kommenden Monate restriktiver als prognostiziert waren. Die Signale der Notenbanken waren sich sehr ähnlich: Sie sehen zwar einen nachlassenden Inflationsdruck, aber sie haben gleichzeitig die Inflationserwartungen für 2023 angehoben. Die Notenbanken betrachten die Teuerung als hartnäckiger als erwartet. Sie rechnen deshalb im kommenden Jahr mit mehr Zinsschritten als vom Markt antizipiert.

Hier ein Überblick, was Anleger von den Notenbanken 2023 erwarten können:

Schweizerische Nationalbank: 
Die Schweizerische Nationalbank wird voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2023 noch weitere Leitzinserhöhungen vornehmen. Sie werden aber kleiner ausfallen als der jüngste Schritt um 50 Basispunkte. Die Marktteilnehmer gehen davon aus, dass der Zinshöhepunkt bei knapp über 1,5 Prozent erreicht wird.

Je nach Entwicklung der Teuerung ist es gut möglich, dass der finale Höhepunkt auch noch leicht höher ausfallen wird. Ob die Inflation in der Schweiz Ende 2023 wieder unter 2 Prozent fällt, hängt davon ab, wie sich die höheren Strompreise ab 2023 und ein möglicherweise zunehmender Preisdruck bei Importgütern auf die Teuerung auswirken werden.

US-Notenbank (Fed): 
Auch in den Vereinigten Staaten dürfte sich der Zinszyklus allmählich seinem Höhepunkt nähern. Die Prognosen der Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) erwarten noch einen Anstieg des heutigen Zielbandes von 4,25 bis 4,5 Prozent bis Ende 2023 auf 5 bis 5,25 Prozent. Dies entspräche weiteren Leitzinserhöhungen von 75 Basispunkten. Das Fed weist der Bekämpfung der hartnäckig hohen Teuerung die höchste Priorität zu und nimmt höhere Kosten in Kauf, um diese zu bekämpfen.

Europäische Zentralbank (EZB): 
Einen etwas anderen Weg wählt die Europäische Zentralbank. Sie will das Zinserhöhungstempo auch 2023 hochhalten. Der EZB-Rat geht davon aus, dass die Zinsen noch deutlich und in gleichmässigem Tempo steigen müssen, um eine zeitnahe Rückkehr der Inflation zum langfristigen Ziel von 2 Prozent zu gewährleisten. Die Markterwartungen für den Einlagesatz der EZB liegen im Sommer 2023 bei 3,2 Prozent. Das entspricht einer Anhebung um weitere 1,2 Prozentpunkte.

Ausserdem will die EZB ab nächstem März die Rückzahlungen aus auslaufenden Anleihen nicht mehr vollumfänglich reinvestieren und die Bilanz somit langsam verringern.

Unter dem Strich lässt sich sagen, dass die Finanzmärkte zwischenzeitlich zu zuversichtlich waren. Allerdings entfalten die grossen Zinsschritte der vergangenen Monate ihre Wirkung erst im neuen Jahr. Der sich abzeichnende wirtschaftliche Abschwung wird voraussichtlich nicht allzu stark ausfallen. Gleichzeitig nehmen Aktien die wirtschaftliche Entwicklung zeitlich vorweg. Daraus lässt sich ableiten, dass 2023 ein besseres Anlagejahr werden dürfte als das zu Ende gehende Jahr.

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