Pensionskasse

Enorme Umverteilung von Jung zu Alt

Die zweite Säule sei in Schieflage geraten, sagt Josef Bachmann, der ehemalige Geschäftsführer der Pensionskasse von PwC. Das sei ein Problem, über das wir dringend reden müssten.

Herr Bachmann, Sie haben lange, eine Pensionskasse geleitet. Wann war für Sie der richtige Zeitpunkt, in Pension zu gehen?

Ich habe mich vorzeitig pensionieren lassen – mit 67 Jahren.

Was heisst vorzeitig – Sie haben länger gearbeitet?

Das sehe ich anders. Das Gesetz über die berufliche Vorsorge trat 1985 in Kraft. In den knapp 35 Jahren seither ist die Lebenserwartung um fünf Jahre gestiegen. Folglich sollten wir heute bis 70 arbeiten. Gleichzeitig wurden die Spielregeln schleichend geändert. Das hat die zweite Säule in Schieflage gebracht.

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Was meinen Sie konkret?

Die Pensionskassen funktionieren so, dass jede erwerbstätige Person mit ihrem Arbeitgeber das Kapital für ihre Rente selbst finanziert. Doch das so angesparte Geld reicht heute nicht mehr. Weil wir länger leben, müssen die Renten immer länger ausbezahlt werden. Und wegen der tiefen Renditen wächst das Vorsorgekapital langsamer als geplant. Die Rentenversprechen waren immer zu hoch, darum müssen wir laufend Geld einschiessen – das hat niemand gewollt.

Um wie viel Geld geht es?

Jahr für Jahr werden etwa 7 Milliarden Franken von den aktiven Erwerbstätigen zu den Pensionierten umverteilt. Das ist fast ein Viertel der ausbezahlten Renten! Diese Quersubventionierung ist unfair. Und wer heute für andere mitzahlt, bekommt künftig erst noch weniger Rente.

Sie sprechen die sinkenden Umwandlungssätze an.

Ja. Der Umwandlungssatz bestimmt, wie das Kapital in eine Rente umgewandelt wird. Die laufende Kürzung dieses Satzes macht zukünftige Rentnerinnen und Rentner zu Pensionierten dritter Klasse. Darum müssen wir handeln, solange moderate Lösungen möglich sind. Es gibt kein Patentrezept. Ich denke aber: Das Pensionierungsalter muss sich an die Lebenserwartung anpassen. Und künftige Reformen sollten die finanzielle Last auf viele Schultern verteilen – auf die der Aktiven und der Pensionierten. Zum Beispiel, indem wir die Renten in einen fixen Teil und einen variablen Bonus aufteilen. Steigt die Rendite wächst der Bonus, sonst schrumpft er. Das heisst: Der Umwandlungssatz ist nur beim Beginn der Rentenzahlung massgebend. Nachher ist die Rendite entscheidend für die Rentenhöhe.

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Solche Ansätze stossen sicher auf enormen Widerstand …

… trotzdem müssen wir dringend darüber reden. Wenn die Schweizerinnen und Schweizer nur schon verstehen, was die milliardenschwere Umverteilung bedeutet, haben wir viel erreicht.

Zur Person

Josef Bachmann war Geschäftsführer der Pensionskasse der Beratungsfirma PwC. Sein Modell, in dem laufende Renten je nach Finanzlage nicht nur steigen, sondern auch sinken können, sorgte für Aufsehen. Bachmann hat die Initiative "Vorsorge Ja – aber fair" lanciert.