Wo 2027 die Chefetage wechseln könnte

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CEO-Wechsel und Rochaden im Verwaltungsrat sorgen an der Börse oft für Unsicherheit. Bei mehreren Schweizer Unternehmen zeichnet sich bereits heute ab, dass die Nachfolgefrage 2027 in den Fokus rücken dürfte.

Publiziert vor 9 Stunden

Autor

Robert Leitner

Funktion Anlageexperte

Antonio Horta-Osório dürfte vielen Anlegerinnen und Anlegern noch in Erinnerung sein. Nach einer monatelangen Suche übernahm der portugiesisch-britische Banker im April 2021 das Amt des Verwaltungsratspräsidenten der Credit Suisse von Urs Rohner. Bereits im Januar 2022 war seine Amtszeit jedoch wieder beendet. Der rasante Niedergang der Grossbank beschleunigte sich daraufhin.
 

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Mit einer Amtszeit von nur acht Monaten gehört Horta-Osório zwar zu den kurzzeitigsten Spitzenvertretern eines Schweizer Konzerns – aber sicher nicht zu den kürzesten Amtsträgern: Der überraschende Rücktritt von SIG-Group-CEO Mikko Keto Mitte August diesen Jahres nach weniger als sechs Monaten liess die Aktie am Tag der Bekanntgabe um rund 18 Prozent einbrechen. 

Doch bei welchen Unternehmen könnten im kommenden Jahr Veränderungen an der Spitze bevorstehen?

Stadler Rail: Nachfolge bereits geregelt  

Beim Thurgauer Zughersteller Stadler Rail ist der Führungswechsel bereits offengelegt: Per 1. Januar 2027 tritt Konzernchef Markus Bernsteiner nach vier Jahren im Amt zurück und wechselt in den Verwaltungsrat. Seine Nachfolge übernimmt Philipp Brunner, derzeit Leiter der Division Zentraleuropa. Ob er den Konzern über viele Jahre so prägen wird wie Peter Spuhler, bleibt abzuwarten.

Luzerner Kantonalbank: Generationswechsel an der Spitze 

Auch bei der Luzerner Kantonalbank steht per 1. Januar 2027 ein geplanter CEO-Wechsel an. Stefan Studer, heute Leiter Privat- und Gewerbekunden, übernimmt die Führung von Daniel Salzmann. Der langjährige CEO wird nach seinem Rücktritt in den Verwaltungsrat wechseln. Auch hier dürfte der Stabwechsel bereits im Aktienkurs reflektiert sein.

Swissquote: Wann tritt Marc Bürki kürzer? 

Weniger konkret, aber eher eine Frage der Zeit, ist ein Wechsel bei Swissquote. CEO Marc Bürki hat in den vergangenen Jahren wiederholt angedeutet, seine operative Rolle mit Blick auf den Ruhestand abgeben zu wollen. Als Mitgründer, Ankeraktionär und prägende Persönlichkeit des Unternehmens spielt er eine zentrale Rolle. Ein Rückzug dürfte von den Anlegern deshalb genau beobachtet werden. Er soll zwar nicht vor Ende 2027 erfolgen, eine konkrete Ankündigung könnte dennoch schon früher kommen. Gemäss eigener Aussagen arbeite das Unternehmen schon länger an einer Lösung und er könnte für eine Zeitlang in den Verwaltungsrat übertreten.


 Lindt & Sprüngli: Steht Ernst Tanner unter Druck? 

Auch bei Lindt & Sprüngli könnte die Nachfolgeplanung in den Fokus rücken. Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner sorgt immer wieder für Diskussionen. Seine kritischen Äusserungen über preissensible Kunden, insbesondere aus Deutschland, stiessen nicht überall auf Zustimmung. Ob daraus ein konkreter Druck auf seine Position entsteht, bleibt allerdings offen. Er war jahrzehntelang Teil der Erfolgsrezeptur des Schokoladenherstellers. Fakt ist allerdings auch, dass er mit 80 Jahren nicht nur deutlich älter ist als andere Personen in dieser Position, sondern seine Amtszeit seit 1994 aussergewöhnlich lang ist.


Interroll & Partners Group: Mit neuen CEO geht es weiter bergab

Sowohl Interroll als auch Partners Group haben erst vor kurzem einen neuen CEO eingesetzt bzw. bekanntgegeben. Die Abwärtsspirale an den Börsen setzte sich dennoch fort. Die beiden Titel gehören mit Kursverlusten von jeweils rund 40 Prozent zu den schwächsten Aktien an der Schweizer Börse in diesem Jahr. Von einem Vertrauensvorschuss kann keine Rede sein. Weitere Chefwechsel sind damit nicht ausgeschlossen. 

Swatch Group & Richemont: Generationenwechsel nicht unumstritten 

Kritisch sehen es Investoren, wenn die Nachfolge innerhalb einer Familiendynastie stattfinden soll. Zwar gibt es zur Nachfolgeplanung der Familie Hayek bei Swatch Group nur Andeutungen, die offizielle Ankündigung eines baldigen Wechsels ist dennoch nicht ausgeschlossen. Dabei ist der potenzielle Kronprinz Marc Hayek nicht unumstritten bei Investoren. Es fehlt ein Leistungsausweis. Ähnlich verhält es sich bei Richemont: Patronssohn Anton Rupert wurde im September 2026 zum nicht exekutiven Co-Vizepräsidenten des Verwaltungsrats ernannt. Er wird damit auf absehbare Zeit Nachfolger seines Vaters Johann Rupert (76). Die Aktie reagierte bei Bekanntgabe Anfang September mit einem Kursabschlag von knapp 5 Prozent.


Was bedeuten Führungswechsel für Anleger? 

Je überraschender ein Wechsel an der Unternehmensspitze erfolgt, desto grösser ist in der Regel die Verunsicherung der Investoren. Häufig führt dies kurzfristig zu Kursverlusten. Das zeigt auch das Beispiel von Idorsia, im März dieses Jahres: Nach dem Rücktritt von Srishti Gupta, nach acht Monaten im Amt, verlor die Aktie an einem einzigen Handelstag rund 14 Prozent. Seither hat sie sich jedoch deutlich erholt.

Kritisch wird es vor allem auch dann, wenn ein neuer CEO die Leitung eines angeschlagenen Unternehmens übernimmt und dieses kurze Zeit später wieder verlässt. Anleger werten dies häufig als weiteres Warnsignal. 

Ebenfalls mit Skepsis betrachtet wird der Abgang von langjährigen Unternehmerpersönlichkeiten oder Gründerfiguren. Sie prägen oft über Jahre hinweg die Kultur, Strategie und Vision eines Unternehmens. Ihr Rückzug kann daher weitreichendere Folgen haben als ein gewöhnlicher Managementwechsel. 

Langfristig fallen die Auswirkungen eines Führungswechsels oft weniger stark aus, wenn diese gut geplant und die Nachfolger über Jahre hinweg aufgebaut wurden. Ein Führungswechsel muss deshalb nicht per se negative Folgen für Aktionäre haben – sondern stellt auch eine Chance für Innovationen dar.

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