Wie schnitten Gold und Bitcoin seit dem Nahost-Krieg ab?
VZ Analyse
Gold gilt als der klassische Krisengewinner. Dennoch entwickelte sich die grösste Kryptowährung überraschend stabiler als das Edelmetall.
Publiziert 17. Jul 2026
Autor
Roman Gfeller
Funktion Anlageexperte
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Eigentlich schien die Ausgangslage klar. Mit der Eskalation im Nahen Osten stiegen die geopolitischen Risiken, die Unsicherheit an den Finanzmärkten nahm zu und viele Anleger erwarteten Rückenwind für Gold. Auch Bitcoin rückte in den Fokus.
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Schliesslich gelten beide Anlagen als Wertaufbewahrungsmittel und beide stehen in direkter Konkurrenz zu Anleihen.
Die Realität fiel differenzierter aus. Seit dem 28. Februar verlor Gold rund 28 Prozent, während Bitcoin praktisch unverändert blieb (-1,3 %).
Nicht der Krieg bestimmte die Kurse
Zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs befanden sich Gold und Bitcoin in einer völlig unterschiedlichen Ausgangslage. Gold hatte in den Wochen zuvor neue Höchststände erreicht und wurde von Zentralbankkäufen, geopolitischen Spannungen und der Suche vieler Anleger nach Diversifikation gestützt. Bitcoin dagegen hatte einen Grossteil seiner Korrektur bereits hinter sich und notierte deutlich unter den Rekordständen bei 126'000 Dollar vom Herbst 2025.
Mit der Eskalation verschob sich der Fokus der Märkte rasch auf Inflation und Geldpolitik. Die steigenden Energiepreise nährten Zweifel an baldigen Zinssenkungen, die Renditen von Staatsanleihen zogen an und der US-Dollar gewann an Stärke. Diese Entwicklung traf Gold nach seiner starken Rally in einer besonders empfindlichen Phase.
Bitcoin war denselben makroökonomischen Kräften ausgesetzt. Allerdings hatten Abflüsse aus Bitcoin-ETFs, Gewinnmitnahmen und der Abbau gehebelter Positionen bereits zuvor für eine deutliche Bereinigung gesorgt. Während Gold nach den Höchstständen einen Teil seiner Gewinne wieder abgab, bewegte sich Bitcoin seit Kriegsausbruch weitgehend seitwärts.
Gold gewinnt dennoch an Boden
Ein Blick auf das Verhältnis zwischen Bitcoin und Gold liefert zusätzlichen Kontext. Die Kennzahl zeigt, wie viele Unzen Gold sich mit einem Bitcoin kaufen lassen.
Ende 2024 und bis in den Herbst 2025 hinein erreichte das Verhältnis historische Höchststände. Bitcoin hatte Gold über Jahre hinter sich gelassen und profitierte von einer hohen Risikobereitschaft der Anleger. Diese Entwicklung kehrte sich jedoch bereits vor dem Kriegsausbruch um.
Seit dem Allzeithoch im Oktober 2025 büsste Bitcoin gegenüber Gold an relativer Stärke ein. Dies spricht jedoch weniger für eine grundsätzliche Abkehr von Bitcoin als vielmehr für eine veränderte Marktpräferenz in einem Umfeld erhöhter Unsicherheit, die sich schon zuvor abgezeichnet hatte.
Der Rückgang des Gold-Bitcoin-Verhältnisses ist daher nicht allein als Normalisierung nach Jahren aussergewöhnlicher Bitcoin-Überrenditen zu interpretieren. Vielmehr deutet er darauf hin, dass Anleger Gold bis zum Kriegsausbruch gegenüber Bitcoin bevorzugten.
In den darauffolgenden Monaten hat sich dieses Verhältnis allerdings teilweise stabilisiert: Während Bitcoin nach der vorangegangenen Korrektur weitgehend seitwärts tendierte, gab Gold einen Teil seiner zuvor erzielten Gewinne wieder ab. Im grösseren Bild seit Anfang 2025 bleibt jedoch bestehen, dass Gold gegenüber Bitcoin relativ an Boden gewonnen hat.
Was bedeutet das für Anleger?
Der Krieg hat weder Gold noch Bitcoin zu klaren Gewinnern gemacht. Beide Anlagen wurden stärker von Zinsen, Inflationserwartungen und Kapitalflüssen beeinflusst als von den geopolitischen Schlagzeilen selbst.
Für Anleger bedeutet das vor allem eines: Gold und Bitcoin bleiben Diversifikationsinstrumente, sind aber keine Anlagen, die sich von der übrigen Finanzwelt entkoppeln. Gold profitiert weiterhin von strukturellen Faktoren wie Zentralbankkäufen, während Bitcoin nach seiner bereits vor Kriegsausbruch erfolgten Korrektur eine bemerkenswerte Stabilität zeigte.
Wer beide Anlagen beurteilen will, sollte deshalb nicht nur auf Krisenherde blicken, sondern ebenso auf Inflation, Geldpolitik und die Entwicklung der Kapitalströme.
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