Wie gross der politische Einfluss auf Unternehmen wirklich ist
VZ Analyse
Lex UBS, US-Zölle oder KI-Regulierung: Die Liste staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft ist lang und dürfte künftig eher wachsen als schrumpfen. Für einzelne Unternehmen kann das schmerzhaft sein. Wir zeigen, wie man das Risiko umgehen kann.
Publiziert 23. Sep 2026
Autor
Robert Leitner
Funktion Anlageexperte
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Nach der Notübernahme der Credit Suisse im Jahr 2023 war klar: Die UBS muss sicherstellen, dass sie nie wieder in eine existenzbedrohende Krise gerät. Das Risiko einer erneuten Bankenrettung soll für Steuerzahler und Staat möglichst gering bleiben.
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Entsprechend wehrt sich die Bank seit Jahren gegen strengere Eigenkapitalvorschriften. Der Ständerat befasst sich aktuell mit der Frage, wie weit diese Verschärfungen gehen sollen.
Politik im Interesse der Wirtschaft und Bevölkerung
Grundsätzlich hat der Staat ein Interesse an guten Rahmenbedingungen für Unternehmen. Sie schaffen Arbeitsplätze, zahlen Steuern und erwirtschaften Gewinne für Aktionäre. Im Fall der UBS steht jedoch ein anderes Ziel im Vordergrund: Die Risiken für Bund und Bevölkerung sollen minimiert werden. Die Interessen eines einzelnen Unternehmens werden damit dem Gemeinwohl untergeordnet. Solche Fälle sind selten, kommen aber regelmässig vor.
Wie Politik auf Unternehmen Einfluss nimmt
Politik kann Unternehmen und deren Bewertungen auf vielfältige Weise beeinflussen: durch gezielte Förderung einzelner Branchen, als staatlicher Auftraggeber, als Regulator oder sogar als Vermittler auf internationaler Ebene. Besonders wichtig ist langfristig die Rolle des Gesetzgebers. Politische Entscheidungen bestimmen die Spielregeln der Wirtschaft. Sie definieren Marktzugänge, Wettbewerbsbedingungen und Steuerbelastungen und beeinflussen damit unmittelbar Umsätze, Margen und Gewinne.
WEKO musste bei Swisscoms Glasfaser-Monopol einschreiten
Weil die Swisscom Anfang 2020 die Bauweise ihres Glasfasernetzes geändert hatte, konnte praktisch kein anderer Internetanbieter dieses Netz mehr nutzen. Die Wettbewerbskommission WEKO sanktionierte das Telekom-Unternehmen 2024 und öffnete so den Wettbewerb. Während dies für die Swisscom mit höheren Kosten verbunden war, profitierten Drittanbieter wie Sunrise, Salt und Init7 von einem erhaltenen Zugang zum Glasfasernetz und der Möglichkeit, unabhängige und innovative Angebote zu schaffen.
US-Zölle: Stärkung der heimischen Wirtschaft
Weniger bedeutend ist oft die tägliche Politik der Regierungen. Nicht umsonst lautet eine bekannte Börsenweisheit: "Politische Börsen haben kurze Beine". Sie wurde unter anderem im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg, dem Iran-Konflikt oder den von Donald Trump eingeführten Handelszöllen zitiert. Die Zölle sorgten zwar kurzfristig für erhebliche Unsicherheit, viele wurden jedoch später wieder abgeschwächt oder aufgehoben. Für die Unternehmen bedeutete dies vor allem Anpassungsdruck.
Gleichzeitig entstanden neue Rahmenbedingungen, auf die sich Unternehmen und Regulatoren einstellen mussten. Dennoch verfolgten die USA mit den Zöllen ein klares Ziel: den Schutz der heimischen Wirtschaft. In der Folge wurden mit zahlreichen Ländern, darunter auch der Schweiz, neue Handelsabkommen geschlossen. Während exportorientierte Unternehmen wie Richemont oder ABB höhere Hürden im US-Markt in Kauf nehmen mussten, konnten einzelne amerikanische Anbieter von einem verbesserten Wettbewerbsschutz profitieren.
Künstliche Intelligenz: Regulation schafft Rechtssicherheit
Die Regulierung der Künstliche Intelligenz beschäftigt weltweit die Behörden. Vorgeprescht hat bisher die EU: Mit dem EU AI Act werden insbesondere Anbieter von Hochrisiko-KI mit zusätzlichen Dokumentations- und Kontrollpflichten belastet. Für grosse Konzerne wie Microsoft, Alphabet oder Amazon ist dies meist verkraftbar, kleinere Anbieter geraten dagegen schneller unter Kostendruck.
Die Motivation dahinter ist mehrgleisig: Das Schützen von geistigem Eigentum und den heimischen Unternehmen, aber auch Sicherheitsbedenken wie der Daten- und Konsumentenschutz. Je mehr der Sektor reguliert wird, desto mehr werden bestehende Marktführer gestärkt und die Eintrittshürden für neue Wettbewerber erhöht. Die Politik muss deshalb vorsichtig agieren, um nicht zu stark den Wettbewerb zu bremsen. Gleichzeitig legt sie aber damit den Grundstein der Rechts- und damit Planungssicherheit für Unternehmen.
Wero: Der Regulator als Initiator
Mit dem Bezahlsystem Wero verknüpft mit einem digitalen Euro will die Europäische Kommission eine eigene Zahlungsinfrastruktur etablieren und die Abhängigkeit von amerikanischen Anbietern reduzieren. Das System orientiert sich am Erfolg von Twint in der Schweiz und soll eine europäische Alternative zu PayPal, Apple Pay, Visa und Mastercard werden. Profitieren könnten vor allem die beteiligten europäischen Banken, die dadurch wieder einen grösseren Teil der Wertschöpfung kontrollieren. Unter Druck geraten könnten dagegen Visa, Mastercard und PayPal, sofern sich Wero bei Händlern und Konsumenten durchsetzt.
US-Intervention in Venezuela schafft Investitionspotenzial
Venezuela verfügt über enorme Ölreserven. Aufgrund jahrelanger Misswirtschaft, fehlender Investitionen und politischer Instabilität kann das Land diese jedoch nur eingeschränkt fördern. Ein Teil des potenziellen Ölangebots bleibt dadurch dem Weltmarkt vorenthalten. Von einer politischen Öffnung des Landes und der Vermittlung durch die USA profitieren insbesondere internationale Energiekonzerne wie Exxon Mobil, Chevron, Shell oder TotalEnergies.
Mehr Gewinner als Verlierer
Politische Risiken treffen häufig einzelne Unternehmen, seltener ganze Branchen und nur selten ganze Aktienmärkte. Staaten haben grundsätzlich ein Interesse daran, dass ihre Wirtschaft floriert. Dadurch entstehen Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Wohlstand. Für Anleger bedeutet das: Politische Eingriffe können zwar Verlierer hervorbringen, die Summe der Gewinner sollte im Normalfall jedoch überwiegen. Wer breit diversifiziert investiert, profitiert langfristig in der Regel stärker von den Chancen einer erfolgreichen Politik, als er unter den Nachteilen einzelner politischer Entscheidungen leidet.
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