Wie die Kursexplosion der Chip-Hersteller die Schwellenländer verzerrt

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Samsung und TSMC dominieren die Schwellenländer, sind Frontier Märkte eine Alternative?

Publiziert 25. Aug 2026

Autor

Thomas Züttel

Funktion Anlageexperte

Wer in Schwellenländer investiert, denkt meist an aufstrebende Volkswirtschaften, eine wachsende Mittelschicht und hohen Nachholbedarf beim Konsum. Der Blick auf den bekanntesten Schwellenländerindex, den MSCI Emerging Markets, zeigt jedoch ein anderes Bild. Fast die Hälfte des Index entfällt inzwischen auf Taiwan und Südkorea.

ETF-Marktstudie 2026

ETF-Marktstudie: So kann man gute von schlechten ETF unterscheiden

Studie

Jedes Jahr kommen so viele neue ETF heraus, dass es für Anleger immer schwieriger wird, die richtigen auszuwählen. Die Studie des VZ zeigt auf, wie man gute von schlechten ETF unterscheiden kann.
 

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Allein die drei Chiphersteller Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC), Samsung Electronics und SK Hynix machen rund einen Viertel des MSCI Emerging Markets aus. Die Kursentwicklung des Index wird dadurch stark von technologischen Trends, dem globalen Konjunkturzyklus und den Investitionen in künstliche Intelligenz geprägt.

Die Klassifizierung von MSCI

Die Einteilung der Länder erfolgt durch den Indexanbieter MSCI. Dieser unterscheidet zwischen entwickelten Märkten (Developed Markets), Schwellenländern (Emerging Markets) und sogenannten Frontier Markets.

Entscheidend ist dabei nicht allein das Wohlstandsniveau eines Landes. Berücksichtigt werden unter anderem die Grösse und Liquidität des Aktienmarktes, die Anzahl ausreichend grosser börsenkotierter Unternehmen und die Zugänglichkeit für ausländische Investoren.

Warum sind Südkorea und Taiwan noch Schwellenländer?

Auf den ersten Blick wirkt die Einstufung von Südkorea und Taiwan als Schwellenländer überraschend. Beide Länder verfügen über ein hohes Pro-Kopf-Einkommen, technologisch führende Unternehmen und gut entwickelte Kapitalmärkte.

MSCI argumentiert jedoch, dass gewisse Kriterien für eine Einstufung als entwickelter Markt noch nicht vollständig erfüllt sind. In Südkorea wurden lange Zeit insbesondere Einschränkungen beim Devisenhandel, regulatorische Besonderheiten und die Marktzugänglichkeit für internationale Investoren kritisiert. Taiwan weist zwar einen hoch entwickelten Aktienmarkt auf, wird von MSCI aber ebenfalls weiterhin der Kategorie Schwellenländer zugeordnet.

Für Anleger hat diese Einstufung weitreichende Konsequenzen. Würden Taiwan oder Südkorea in die Gruppe der entwickelten Märkte aufsteigen, müssten Schwellenländerindizes erheblich umgebaut werden. Das Gewicht Chinas, Indiens oder Brasiliens würde automatisch steigen, während zahlreiche Fonds ihre Portfolios anpassen müssten.

Schwellenländer gibt es auch in Europa

Zu den europäischen Schwellenländern zählen unter anderem Polen, Ungarn und Griechenland. Griechenland wurde von MSCI im Jahr 2013 aufgrund der Folgen der Schuldenkrise von einem entwickelten Markt zu einem Schwellenland zurückgestuft. Rumänien gehört dagegen zur Gruppe der Frontier Markets.

Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kategorie sagt daher nur bedingt etwas über den Wohlstand eines Landes aus. Vielmehr bildet sie die Eigenschaften des lokalen Kapitalmarktes und dessen Zugänglichkeit für internationale Investoren ab.

Gibt es Produkte für «echte» Entwicklungsländer?

Anleger, die gezielt in weniger entwickelte Volkswirtschaften investieren möchten, finden nur ein begrenztes Angebot. Zwar existieren ETF und aktive Fonds auf Frontier Markets, das verwaltete Vermögen ist jedoch meist deutlich kleiner als bei klassischen Schwellenländerprodukten.

Hinzu kommt, dass die zugrunde liegenden Aktienmärkte deutlich weniger liquide sind. Mittelzuflüsse oder -abflüsse können dort spürbare Auswirkungen auf die Kurse haben. Anleger sollten deshalb die höheren Liquiditäts- und Marktrisiken solcher Anlagen berücksichtigen.

Der MSCI Frontier Markets Index ist heute vor allem auf Länder wie Vietnam, Rumänien, Marokko, Slowenien und Kasachstan ausgerichtet.

Das Dilemma der Anleger

Wer die Dominanz der grossen Halbleiterhersteller reduzieren möchte, hat nur wenige Möglichkeiten. Spezialisierte Schwellenländerfonds ohne die grossen Technologiewerte sind eine Nische und am Markt kaum verbreitet. Die meisten ETF und aktiv verwalteten Fonds orientieren sich direkt oder indirekt an den etablierten Indizes.

Gleichzeitig ist die Konzentration auf einige wenige Titel nicht nur ein Risiko. Die starke Nachfrage nach Chips für Anwendungen der künstlichen Intelligenz hat den Anlegern in den vergangenen Jahren hohe Erträge beschert. Gerade 2026 erwies sich die Präsenz der grossen taiwanischen und koreanischen Technologiekonzerne erneut als wichtiger Renditetreiber.

Der Begriff Schwellenländer weckt deshalb zunehmend falsche Vorstellungen. Viele Anleger erwarten ein breit diversifiziertes Engagement in aufstrebenden Volkswirtschaften. Tatsächlich investieren sie oft zu einem erheblichen Teil in einige der technologisch fortschrittlichsten Unternehmen der Welt. Die Frage, ob Schwellenländer noch Schwellenländer sind, ist daher keineswegs nur rhetorisch. Sie trifft den Kern dessen, was Investoren heute tatsächlich kaufen.

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