Wenn ETF zur Spekulation verleiten

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ETF auf einzelne Aktien oder gar gehebelte ETF: Die Kreativität der Anbieter ist fast grenzenlos. Doch was ist für Anlegerinnen und Anleger tatsächlich sinnvoll?

Publiziert 31. Aug 2026

Autor

Thomas Züttel

Funktion Anlageexperte

ETF haben in den vergangenen Jahren einen beispiellosen Boom erlebt. Immer mehr Produkte kamen auf den Markt, und die darin angelegten Vermögen wuchsen deutlich stärker als jene aktiver Anlagefonds.

Begünstigt wurde dieses Wachstum durch die zentralen Eigenschaften von ETF: Sie ermöglichen eine kostengünstige und transparente Abbildung wichtiger Anlagesegmente. Mittlerweile werden ETF jedoch zunehmend auch für Marktnischen angeboten. Das Spektrum reicht von einzelnen Themen bis zu eng abgegrenzten Segmenten in verschiedensten Märkten.

ETF mit Hebel

Seit längerem gibt es eine besondere Kategorie von ETF, die mit einem Hebel oder einer inversen Marktabbildung arbeiten. Bei gehebelten Produkten wird die tägliche Entwicklung eines Marktes beispielsweise mit dem Faktor zwei oder drei nachvollzogen. Bei inversen Produkten wird die Rendite in die entgegengesetzte Richtung abgebildet. Anleger können auf diese Weise von fallenden Kursen profitieren.

Bei gehebelten ETF zählt nicht nur das Endergebnis, sondern auch der Weg dorthin. Weil die Hebelwirkung jeden Tag neu berechnet wird, können sich starke Kursschwankungen negativ auswirken. Selbst wenn ein Markt über einen gewissen Zeitraum kaum vom Fleck kommt, kann ein gehebelter ETF deutlich an Wert verlieren.

ETF auf einzelne Aktien

In den USA und zuletzt auch in Südkorea wurde das ursprüngliche Konzept eines ETF zusätzlich aufgeweicht. Lanciert wurden nicht nur gehebelte Produkte, sondern auch ETF auf einzelne Aktien, zum Teil sogar gehebelt. Der Diversifikationseffekt entfällt vollständig, womit solche Anlageprodukte vor allem der kurzfristigen Spekulation dienen.

Die Produkte wurden zudem Privatanlegern angeboten, die sich der möglichen Konsequenzen nicht immer bewusst sein dürften. So kamen gehebelte ETF auf die hochvolatilen Aktien von Samsung und SK Hynix auf den Markt. Steigen die Titel, locken rasche Gewinne. Bei falschem Timing sowie der hohen Volatilität droht jedoch beinahe ein Totalverlust.

Die untenstehende Abbildung zeigt ein solches Produkt mit zweifachem Hebel gegenüber dem Kursverlauf von Samsung.

In Europa werden solche Produkte ebenfalls angeboten. Oftmals jedoch nicht als ETF, sondern als ETP (Exchange Traded Product), also als strukturiertes Produkt. Hier ist der Anleger zusätzlichen Gegenparteirisiken ausgesetzt. Aufzupassen ist zudem bei den Gebühren, da die Anbieter für gehebelte Produkte in der Regel ein Vielfaches der Gebühren verlangen, die bei normalen ETF üblich sind.

Anbieter setzen auf den Glückstreffer

Den Anbietern solcher Produkte lässt sich vorwerfen, dass sie nicht in erster Linie das Wohl der Anleger verfolgen. Vielmehr bringen sie zahlreiche ETF auf den Markt, in der Hoffnung, dass einzelne davon auf grosses Interesse stossen und umfangreiche Mittelzuflüsse verzeichnen. Je höher das Anlagevolumen, desto mehr verdient der Anbieter an den Verwaltungsgebühren. Bleibt der Erfolg aus, wird das Produkt schnell wieder liquidiert.

Dem Begriff ETF sollte deshalb nicht blind vertraut werden. Entscheidend ist vielmehr, genau zu prüfen, welchen Basiswert das Produkt abbildet, wie die Rendite berechnet wird und welche Risiken damit einhergehen. Auch die Kosten sind ein wichtiges Kriterium, da nicht jeder ETF zwingend günstig ist.

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