Wenn der starke Franken den Gewinn auffrisst

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Zahlreiche Schweizer Unternehmen sind im ersten Halbjahr solide gewachsen – doch nach der Umrechnung in Franken schrumpfte der Gewinn. Warum der starke Franken die Geschäftszahlen beeinflusst und worauf Anlegerinnen und Anleger achten sollten.

Publiziert 6. Aug 2026

Autor

Luca Liebi

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Ein Unternehmen meldet Wachstum im Kerngeschäft und weist im selben Communiqué einen tieferen Gewinn pro Aktie aus. Genau dieses Bild bot sich im ersten Halbjahr 2026 bei verschiedenen Unternehmen in der Schweiz. Der Grund liegt jedoch nicht in einer schwächeren operativen Entwicklung, sondern in der Stärke des Frankens. Was das genau bedeutet, beleuchten wir in dieser Analyse anhand von Roche und Nestlé. 

Zwei Zahlen, zwei Geschichten 

Bei Roche sank der Gewinn pro Aktie im ersten Halbjahr um 2 Prozent. Zu konstanten Wechselkursen stieg er hingegen um 9 Prozent. Zwischen der Frankenzahl und der operativen Realität klafft also eine Lücke von rund elf Prozentpunkten.

Bei Nestlé zeigt sich ein ähnliches Bild, wenn auch weniger ausgeprägt: Der zugrunde liegende Gewinn pro Aktie in Franken sank um 2,4 Prozent, während der Gewinn pro Aktie zu konstanten Kursen um 3,4 Prozent anstieg. Rund fünf Prozentpunkte der Differenz sind somit allein auf Wechselkurseffekte zurückzuführen. 

Warum der Währungseffekt viele überrascht 

Wer den Dollar-Franken-Kurs im ersten Halbjahr 2026 verfolgt hat, dürfte zunächst erstaunt sein. Schliesslich legte der US-Dollar gegenüber dem Franken im Zeitraum leicht zu. Weshalb belastet ausgerechnet der Dollar dann die Ergebnisse von Roche und Nestlé? 

Die Auflösung liegt in der Buchhaltung. Für die Erfolgsrechnung zählt nicht der Wechselkurs am Ende der Berichtsperiode, sondern der durchschnittliche Wechselkurs während der gesamten Berichtsperiode. So schreibt es der Rechnungslegungsstandard IAS 21 vor. Und dieser Durchschnitt wird mit demselben Zeitraum des Vorjahres verglichen, also Schnitt gegen Schnitt. 

Genau hier liegt der entscheidende Punkt: Im Durchschnitt waren Dollar und Euro im ersten Halbjahr 2026 schwächer als im ersten Halbjahr 2025. Dadurch fallen die im Ausland erzielten Gewinne nach der Umrechnung in Franken tiefer aus. Daraus resultiert der negative Währungseffekt in den Halbjahresberichten von Roche und Nestlé. 

Wie stark hängen Roche und Nestlé am Dollar? 

Roche erzielt knapp 50 Prozent des Konzernumsatzes in Nordamerika. Entsprechend gross ist die Abhängigkeit des Konzernabschlusses von der Entwicklung des Dollars. 

Nestlé ist geografisch etwas breiter aufgestellt. Etwas mehr als 40 Prozent des Geschäfts entfallen auf den amerikanischen Kontinent, dazu kommen grosse Positionen in Brasilien, Mexiko oder China. Damit ist Nestlé weniger von einer einzelnen Währung abhängig. 

Gleichzeitig wirken sich jedoch die Schwächen mehrerer Schwellenländerwährungen gegenüber dem Franken belastend aus. Die breitere Aufstellung reduziert den Währungseinfluss, beseitigt ihn jedoch nicht. 

Was das für Anlegerinnen und Anleger heisst 

Drei Erkenntnisse lohnen sich zum Mitnehmen. 

  • Bei international tätigen Schweizer Konzernen geben Kennzahlen zu konstanten Wechselkursen oft ein besseres Bild der operativen Entwicklung als die ausgewiesenen Werte in Franken. Wer nur auf den ausgewiesenen Gewinn pro Aktie schaut, vermischt Währungseffekte mit Geschäftsentwicklung. 
  • Der starke Franken ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern ein struktureller Begleiter des Schweizer Aktienmarkts. Solange der Franken als sicherer Hafen gefragt bleibt, wird der Umrechnungseffekt immer wieder auftauchen. 
  • Für Schweizer Anlegerinnen und Anleger zählt am Ende die Franken-Zahl. Dividenden speisen sich aus dem in Franken erzielten Gewinn und nicht aus dem Wachstum zu konstanten Wechselkursen. 

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