Weder Europa noch die USA: Wer die Börsen wirklich anführt
VZ Analyse
Am Donnerstag empfängt Donald Trump Chinas Staatschef Xi Jinping in Washington. Bereits die Aussicht auf konstruktive Gespräche hat Schwellenländeraktien zusätzlichen Rückenwind verliehen. Dabei zählen sie seit Monaten zu den grossen Gewinnern an den Börsen.
Publiziert 24. Sep 2026
Autor
Luca Liebi
Funktion Anlageexperte
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Es ist der erste Staatsbesuch eines chinesischen Präsidenten in Washington seit 2015. Zu den Gesprächsthemen gehören Handel, Technologie, Taiwan und seltene Erden.
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Chinas Aussetzung der Exportkontrollen für seltene Erden läuft am 10. November aus. Grosse Durchbrüche erwarten Beobachter jedoch nicht. Doch bereits einige positive Signale aus den Vorgesprächen hatten ausgereicht, um den MSCI-Schwellenländerindex am Montag um 1,1 Prozent steigen zu lassen – angeführt von Chipherstellern wie TSMC, Samsung und MediaTek.
Die Überraschung des Jahres
Ein Rückblick: Für Schwellenländeraktien war das vergangene Jahrzehnt über weite Strecken eine Enttäuschung gewesen. Seit 2012 lagen sie in den meisten Jahren hinter den Aktien aus Industrieländern zurück. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet: 2025 legte der MSCI Emerging Markets in Franken gerechnet um 17 Prozent zu, der MSCI World um 6 Prozent.
Im laufenden Jahr hat sich der Vorsprung weiter vergrössert: Schwellenländeraktien erzielten im laufenden Jahr eine Rendite von 29,8 Prozent, die Industrieländer 17,5 Prozent (jeweils in Franken).
Der Nasdaq der Schwellenländer
Dass ausgerechnet der Nasdaq als passenden Vergleich hinzugezogen werden kann, hat einen Grund: Der Schwellenländerindex ist selbst zu einem Technologieindex geworden.
Wer an Schwellenländer denkt, hat oft Brasilien, Rohstoffe oder chinesische Staatsbetriebe vor Augen. Doch dieses Bild ist längst überholt. Mehr als 40 Prozent des Index entfallen heute auf Technologiefirmen.
Alleine der taiwanische Chipfertiger TSMC hat im Index ein Gewicht von 15 Prozent, Samsung und SK Hynix aus Südkorea zusammen weitere 13 Prozent. Taiwan (27 Prozent) und Südkorea (21 Prozent) haben inzwischen ein höheres Gewicht am Index als China (21 Prozent). Der weltweite Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz ist deshalb der wichtigste Treiber dieser Entwicklung.
Beide Indizes leben damit vom selben Boom, aber von unterschiedlichen Seiten: Im Nasdaq stecken die Konzerne, die in künstliche Intelligenz investieren – Nvidia, Microsoft, Alphabet, Amazon. Im Schwellenländerindex stecken jene Firmen, welche die benötigten Chips und Speicher herstellen. Die Zulieferer profitieren derzeit stark von dieser Entwicklung, werden aber weiterhin deutlich tiefer bewertet als ihre Kunden.
Trotz Rally noch günstig bewertet
Bemerkenswert: Trotz der starken Kursgewinne sind Schwellenländeraktien nach wie vor deutlich günstiger bewertet als Aktien aus Industrieländern. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 15,2. Beim MSCI World beträgt es 23,2, beim Nasdaq sogar 35,7.
Auch gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis erscheinen Schwellenländer günstiger. Mit 2,4 liegt der Wert deutlich unter dem MSCI World (4,1) und dem Nasdaq (9,6). Gleichzeitig fällt die Dividendenrendite mit 2,0 Prozent höher aus als beim MSCI World (1,5 Prozent) und beim Nasdaq (0,5 Prozent).
Was Schweizer Anleger beachten sollten
Die tiefe Bewertung hat Gründe. Schwellenländeraktien schwanken deutlich stärker: In den letzten drei Jahren lag die Volatilität bei gut 17 Prozent pro Jahr, beim MSCI World bei gut 12 Prozent.
Während der Finanzkrise 2007/08 verlor der Index rund zwei Drittel seines Werts. Hinzu kommen Klumpenrisiken: Ein Rückschlag im Chipsektor oder eine geopolitische Zuspitzung rund um Taiwan könnte den Index empfindlich belasten.
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