Was ist nur beim südkoreanischen KOSPI los?

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Starke Kursverluste sorgten zu Wochenbeginn für Handelsaussetzungen an der Korea Exchange. Grund zur Sorge gibt es für langfristig orientierte Anleger jedoch nicht.

Publiziert vor 5 Stunden

Autor

Robert Leitner

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Innerhalb des letzten Monats verlor der südkoreanische Aktienindex KOSPI mehr als 34 Prozent an Wert. Allein am Dienstag büsste er 10,8 Prozent ein und am Mittwoch nochmals 6 Prozent. Ein solch starker Rückgang tritt üblicherweise nur in Krisenphasen auf. Der aktuelle Einbruch ist jedoch weniger das Resultat einer grundlegenden Krise als vielmehr die Folge einer aussergewöhnlichen Konzentration des Index auf zwei volatile Schwergewichte aus der Halbleiterbranche. 


Einbruch dramatischer als er ist


Die jüngsten Verluste wirken besonders spektakulär, weil ihnen eine aussergewöhnliche Rallye vorausging. Trotz der starken Korrektur liegt der KOSPI seit Jahresbeginn noch immer rund 30 Prozent im Plus. Zwischenzeitlich hatte sich der Index sogar nahezu verdoppelt. 


Indexschwergewichte als Hauptursache 


Ausschlaggebend für die jüngsten Turbulenzen waren die beiden Indexschwergewichte Samsung Electronics und SK hynix. Gemeinsam machen sie rund 35 Prozent des KOSPI aus und prägen dessen Entwicklung massgeblich. Vor den jüngsten Kursverlusten lag der kombinierte Indexanteil der beiden Halbleitertitel zeitweise sogar über 50 Prozent. Entsprechend fiel die Handelsaussetzung der vergangenen Tage nicht zufällig mit der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse dieser Unternehmen zusammen. 

Dabei hatte Samsung bereits Anfang des Monats mit einer Ad-hoc-Mitteilung wesentliche Finanzkennzahlen veröffentlicht, um Marktüberraschungen vorzubeugen. Gewinnmitnahmen und Entwicklungsfortschritte chinesischer Konkurrenten führten zuletzt aber dennoch zu erheblichen Kursrückgängen.
 


Eine Chronologie der Ereignisse 

Die jüngsten Kursbewegungen lassen sich weitgehend anhand der Entwicklung der beiden Halbleiterkonzerne erklären: 

  • Starke Kursrallye von Samsung Electronics und SK hynix bis Mitte Juni 
  • Erste Gewinnmitnahmen nach den hohen Kursanstiegen Ende Juni 
  • Hohe Volatilität rund um die Veröffentlichung der Quartalsergebnisse 
  • Wachsende Sorgen über zunehmende Konkurrenz durch chinesische Anbieter 
  • Weitere Gewinnmitnahmen und beschleunigte Kursrückgänge


Kursrallye fundamental begründet 


Die starke Kursentwicklung der beiden Unternehmen war keineswegs ausschliesslich spekulativer Natur. Vielmehr spiegelt sie die aussergewöhnlich starke Gewinn- und Umsatzentwicklung wider.
 

 

Kursentwicklung
1 Jahr

Publikation 
Quartalsergebnisse

Gewinnwachstum 
(ggü. Vorjahr)

Umsatzwachstum 
(ggü. Vorjahr)

Samsung Electronics

+185,1%

30. Juli

1814%

130%

SK hynix

+401,7%

29. Juli

671%

257%

Daten per 30.07.26    


Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich der Aktienkurs von SK hynix verfünffacht, derjenige von Samsung knapp verdreifacht. Die Gewinne stiegen im selben Zeitraum jedoch ebenfalls ausserordentlich stark an. Die Geschäftsentwicklung konnte die Kursanstiege damit gut rechtfertigen. Nach solch starken Kursbewegungen ist es jedoch typisch, dass Anleger Gewinne realisieren und die Bewertungsspielräume neu ausloten. Entsprechend überrascht die erhöhte Volatilität der vergangenen Wochen nicht. 

Verstärkt werden die Kursausschläge durch die Struktur des koreanischen Aktienmarkts. Schätzungen zufolge entfallen rund die Hälfte aller täglichen Transaktionen auf Privatanleger. In der Schweiz liegt dieser Anteil deutlich tiefer, da institutionelle Investoren wie Pensionskassen wesentlich bedeutender für den hiesigen Börsenhandel sind. Ein höherer Anteil privater Anleger führt häufig zu stärkeren Marktbewegungen. Gleichzeitig gibt es weniger institutionelle Investoren, die Kursschwächen für Rebalancings nutzen und dadurch stabilisierend wirken können. 

 

Fundamental wenig neue Erkenntnisse 


An den fundamentalen Aussichten für die Chiphersteller hat sich unterdessen wenig verändert. Die Auftragsbücher der beiden Unternehmen sind weiterhin gut gefüllt und die Gewinnerwartungen bleiben hoch. Bemerkenswert ist zudem, dass die Gewinne der Unternehmen in den letzten zwölf Monaten stärker gestiegen sind als deren Aktienkurse. Dies deutet darauf hin, dass Anleger bereits von einer Normalisierung des Wachstums in den kommenden Jahren ausgehen. 

Die Sorge vor einer zunehmenden Konkurrenz aus China verdient dennoch Beachtung. Samsung und SK hynix erzielen den grössten Teil ihres Umsatzes in den westlichen Industrieländern. Der chinesische Absatzmarkt macht lediglich rund 30 Prozent ihres Halbleitergeschäfts aus. Mittelfristig dürfte zusätzliche Konkurrenz vor allem für breit diversifizierte Anleger verkraftbar sein. 

Grösseres Gewicht haben mögliche handelspolitische Risiken. Zwar gelten Speicherchips, auf die sich Samsung und SK hynix spezialisiert haben, bislang nicht als strategisch so kritisch wie Hochleistungsprozessoren. Da beide Unternehmen jedoch auch in China produzieren und von dort in andere Märkte exportieren, könnten zusätzliche Handelsbeschränkungen künftig zum Risikofaktor werden. 



Begrenzte Relevanz für Schweizer Anleger 


Für Schweizer Anleger besitzt der KOSPI nur eine begrenzte Relevanz. Der Index ist aufgrund der eingeschränkten Liquidität vieler seiner 833 Unternehmen praktisch nicht investierbar. Stattdessen erfolgt ein Engagement typischerweise über ETFs auf den MSCI South Korea, der rund 75 der grössten und liquidesten Unternehmen umfasst. 

Noch verbreiteter sind Anlagen in den MSCI Emerging Markets Index, in dem Südkorea mit einer Gewichtung von gut 20 Prozent vertreten ist. Der Emerging Markets Index profitierte bis Mitte Juni ebenfalls von der starken Entwicklung der koreanischen Halbleiterunternehmen. Aufgrund seiner breiteren Diversifikation fallen die Auswirkungen einzelner Unternehmen oder Branchen jedoch deutlich geringer aus. 

Für Anleger in der Schweiz bedeutet das vor allem: Der Kurssturz wirkt dramatisch, ist bislang aber eher eine Korrektur nach einer aussergewöhnlichen Halbleiter-Rallye und kein Signal für eine fundamentale Krise der südkoreanischen Wirtschaft. 


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