Warum Gold den höheren Zinsen trotzt

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Steigende Zinsen können den Goldpreis bislang nicht bremsen. Die anhaltend hohe Nachfrage nach dem Edelmetall zeigt: Sein strategischer Nutzen gewinnt für Anleger und Notenbanken an Bedeutung.

Publiziert 21. Sep 2026

Autor

David Bacher

Funktion Anlageexperte

Der Zinsmechanismus bleibt intakt – die Goldpreis-Zins-Beziehung hat sich verschoben

Zinseszins: Die unterschätzte Kraft beim Sparen und Anlegen

Merkblatt

Lesen Sie im Merkblatt, wie man sich den Zinseszinseffekt beim Geldanlegen und in der privaten Vorsorge, aber auch nach der Pensionierung zunutze machen kann.

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Auf den ersten Blick überrascht diese Reaktion. Steigende Zinsen gelten normalerweise als Belastungsfaktor für Gold, weil verzinsliche Anlagen attraktiver werden und die Opportunitätskosten einer Goldanlage steigen. Das Edelmetall selbst wirft weder Zinsen noch Dividenden ab. Der jüngste Preisanstieg bedeutet jedoch nicht, dass dieser Zusammenhang ausser Kraft gesetzt wäre. Höhere Realzinsen belasten Gold weiterhin. 

Derzeit wirken jedoch andere Einflussfaktoren stärker und kompensieren den Gegenwind von der Zinsseite.

Zinsmechanismus bleibt intakt

Traditionell reagieren Goldpreis und Realzinsen gegenläufig. In der Vergangenheit setzte ein Anstieg der Realzinsen deshalb den Goldpreis oft unter Druck. Die Grafik veranschaulicht anhand einer Trendlinie den klassischen Zusammenhang zwischen 2006 bis 2021: Mit sinkenden Realzinsen und der Negativzinsphase stieg der Goldpreis deutlich an.

Seit 2022 zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Obwohl die Realzinsen heute auf dem höchsten Niveau seit rund zehn Jahren liegen, ist der Goldpreis deutlich gestiegen. Ein wichtiger Grund dafür ist die starke Nachfrage der Zentralbanken. Gleichzeitig hat der US-Dollar seit seinem Höchststand an Wert verloren, was Gold für Käufer ausserhalb des Dollarraums günstiger macht. Die Grafik zeigt diese Verschiebung deutlich.


Der Zusammenhang zwischen Realzinsen und Goldpreis bleibt zwar bestehen, doch das Preisniveau hat sich nach oben verlagert. Ähnliche Entwicklungen waren bereits ab 2006 zu beobachten. Damals sorgte die expansive Geldpolitik nach der Finanzkrise sowie die steigenden Goldkäufe der chinesischen Zentralbank für zusätzliche Nachfrage. Seit 2022 treiben erneut hohe Zentralbankkäufe sowie die erhöhte geopolitische Unsicherheit den Goldpreis nach oben. Dieser Einfluss überlagert inzwischen den Gegenwind höherer Realzinsen.

Die Folge: Die historisch enge Beziehung zwischen Realzinsen und Goldpreis hat sich verschoben. Gold notiert heute deutlich höher, als es allein aufgrund des Zinsniveaus zu erwarten wäre.

Gold als strategische Reserve

Zentralbanken verfolgen einen anderen Ansatz als private Investoren. Für sie steht nicht die Rendite im Vordergrund, sondern die strategische Funktion von Gold innerhalb der Währungsreserven. Einen Wendepunkt markierte das Einfrieren russischer Devisenreserven im Jahr 2022. Bis dahin bestanden die Währungsreserven vieler Staaten überwiegend aus Staatsanleihen und Bankguthaben in US-Dollar, Euro oder anderen Leitwährungen. Seither gewinnt Gold als politisch neutrales Reserveinstrument an Bedeutung. 

Anders als Staatsanleihen oder Bankguthaben stellt physisches Gold keinen Anspruch gegenüber einem Dritten dar. Es existiert kein Gegenparteirisiko, keine Abhängigkeit von einem Schuldner und keine direkte Sanktionsmöglichkeit durch andere Staaten. Zudem ermöglicht Gold vielen Zentralbanken, ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern.


Die Nachfrage der Zentralbanken war in den vergangenen Jahren unabhängig von der Höhe des Goldpreises. Seit 2022 bewegen sich die Goldkäufe der Zentralbanken auf historisch hohen Niveaus bewegt, obwohl sich der Goldpreis zeitweise mehr als verdoppelt hat. 


Dies gilt insbesondere für Schwellenländer. Während die USA, Deutschland, Frankreich oder Italien historisch bedingt bereits hohe Goldquoten aufweisen, halten viele Schwellenländer weiterhin einen vergleichsweise kleinen Anteil an Gold. Entsprechend gross bleibt das Aufholpotenzial.

Sorgen um US-Verschuldung mindern den Zinsvorteil

Ein zusätzlicher Treiber für Gold sind die wachsenden Sorgen um die US-Staatsfinanzen. Steigende Defizite und Schulden lassen Investoren an der langfristigen Werthaltigkeit von US-Staatsanleihen zweifeln, weshalb sie höhere Risikoaufschläge verlangen. Gold profitiert in diesem Umfeld als schuldenfreier, politisch neutraler und von keinem Schuldner abhängiger Wertspeicher.

Fazit

Der Zusammenhang zwischen Goldpreis und Realzinsen besteht weiterhin, erklärt die Preisentwicklung jedoch nicht mehr allein. Seit 2022 wird der Gegenwind höherer Realzinsen durch eine starke strukturelle Nachfrage kompensiert. Zentralbanken bewerten Gold zunehmend als strategische Reserve, die politisch neutral, liquide und frei von Gegenparteirisiken ist.

Gleichzeitig wachsen die Sorgen um die langfristige Tragfähigkeit der US-Staatsfinanzen. Dadurch steigt für viele Investoren die Attraktivität von

Gold als Alternative zu Staatsanleihen und als Absicherung gegen finanzielle und geopolitische Risiken. Der Anker für den Goldpreis hat sich damit nach oben verschoben: Nicht die Bedeutung der Zinsen hat abgenommen, sondern der strategische Nutzen von Gold hat an Gewicht gewonnen.

Solange Zentralbanken ihre Goldreserven weiter ausbauen und die Nachfrage nach schuldenfreien Reservewerten hoch bleibt, dürfte Gold auch in einem Umfeld erhöhter Realzinsen Unterstützung erhalten.

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