Warum die Risikoprämie von US-Aktien schrumpft

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Wer in den USA Aktien statt Staatsanleihen kauft, wird für das höhere Risiko derzeit kaum entschädigt: Die Risikoprämie liegt nahe null. Dahinter stehen vor allem die hohen Zinsen und teure Aktien. In der Eurozone und in der Schweiz ist die Risikoprämie deutlich höher.

Publiziert vor 3 Stunden

Autor

Luca Liebi

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Aktien sind riskanter als Staatsanleihen. Dafür verlangen Anleger einen Aufschlag, die Risikoprämie. Ein gängiges Mass dafür ist die Differenz zwischen der Gewinnrendite von Aktien und der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen.

Ende September lag die Gewinnrendite von US-Aktien bei 5,5 Prozent. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten 5,3 Prozent. Die Differenz beträgt knapp 0,2 Prozentpunkte.


So tief wie heute lag die Prämie seit 2002 nur zum Jahreswechsel 2024/25. In den vergangenen zehn Jahren war sie nur in 2 Prozent der Monate tiefer. 

Warum die Prämie in den USA so tief ist

Dass die Prämie heute so tief liegt, hat drei Gründe: 

  • Die Zinsen sind stark gestiegen: Sie erklären den grössten Teil der Lücke zum üblichen Niveau. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte von 4,2 Prozent Ende 2025 auf 5,3 Prozent Ende September, so hoch wie seit 2007 nicht mehr. Treiber sind die Inflation, die im September bei 3,7 Prozent lag, und der hohe Ölpreis infolge des Irankriegs. Im September hat das Fed den Leitzins auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben.
  • Die Aktien sind teuer: Darauf geht ein kleinerer Teil der Lücke zurück. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 18,3 und damit deutlich über dem Median von 15,7 seit 2006.
  • Die Gewinnerwartungen sind sehr hoch: Die Gewinnrendite beruht auf Schätzungen der Analysten. Aus dem Verhältnis von aktuellem zu erwartetem KGV folgt, dass die Analysten für die nächsten zwölf Monate mit einem Gewinnanstieg von rund 31 Prozent rechnen. Üblich sind etwa 8 Prozent. Nur dank dieser Schätzungen ist die Prämie nicht noch stärker gesunken.

Schweiz und Eurozone im Vergleich

In der Schweiz sieht das Bild anders aus. Hier liegt die Prämie bei 5,1 Prozentpunkten und damit leicht unter dem Durchschnitt seit 2006. Das liegt weniger an der Bewertung der Aktien, die mit einer Gewinnrendite von 5,7 Prozent nicht besonders günstig sind, als am tiefen Zins: Eidgenossen rentieren nur 0,6 Prozent, und die SNB hält den Leitzins bei 0 Prozent. 


In der Eurozone beträgt die Prämie 3,5 Prozentpunkte. Das ist deutlich mehr als in den USA, aber 3,0 Punkte weniger als im eigenen Durchschnitt seit 2006. Auch hier drücken die Zinsen auf die Prämie: Die EZB hat den Leitzins in diesem Jahr zweimal angehoben, und die Inflation liegt bei 3,8 Prozent. 

Was das für Anleger heisst 

Eine tiefe Risikoprämie ist kein Verkaufssignal. Für die nächsten Monate sagt sie wenig aus. Zudem bleibt der Coupon einer Anleihe gleich, während die Gewinne der Unternehmen wachsen können. Aktien können deshalb über die Jahre trotzdem mehr abwerfen als Anleihen. 

Die tiefe Prämie zeigt aber, dass US-Aktien kaum Puffer haben. Aktienkurse können aus zwei Gründen steigen: Weil die Gewinne wachsen oder weil Anleger mehr für die gleichen Gewinne bezahlen, also das KGV steigt. Bei US-Aktien ist das KGV bereits hoch. Dass es noch weiter steigt, ist wenig wahrscheinlich, eher sinkt es. Steigende Kurse müssen deshalb fast ganz aus steigenden Gewinnen kommen. Enttäuschen die Gewinne oder steigen die Zinsen weiter, wird es schnell eng.

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