Warum die Ölpreise wieder ansteigen

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Trotz stabiler Ölströme aus dem Nahen Osten treiben die geopolitischen Spannungen die Ölpreise nach oben. Für die Notenbanken kommt das ungelegen: Steigende Energiepreise erhöhen die Inflationsrisiken und schränken den Spielraum für Zinssenkungen ein.

Publiziert vor 3 Stunden

Autor

Ramon Hess

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Die Lage am Ölmarkt hat sich in den vergangenen Wochen weiter zugespitzt. Brent-Rohöl notiert inzwischen bei rund 115 Dollar pro Barrel, während sich der Preis der US-Sorte WTI um die Marke von 100 Dollar bewegt. Ausschlaggebend ist vor allem die angespannte Sicherheitslage im Nahen Osten.

Saudi-Arabien wird wiederholt von Angriffen der Huthi-Rebellen getroffen. Seit September hat sich die Zahl der Attacken auf Ziele im Königreich erhöht.

Bei einem Angriff auf ein Ölfeld des staatlichen Energiekonzerns Saudi Aramco kamen mehrere Menschen ums Leben. Die Anlage verfügt über eine Produktionskapazität von rund einer Million Barrel pro Tag. Der Betrieb blieb jedoch unbeeinträchtigt.

Bereits in der Vorwoche waren bei Angriffen auf den Flughafen von Dammam in Saudi-Arabien Menschen ums Leben gekommen. Wegen der angespannten Sicherheitslage zogen die USA darum einen Teil ihres diplomatischen Personals und dessen Familien aus Saudi-Arabien ab.

Parallel dazu bleibt die Konfrontation zwischen dem Iran und den USA sowie Israel ungelöst. Diplomatische Bemühungen kommen bislang kaum voran. Der Iran fordert unter anderem die Aufhebung der US-Seeblockade, bevor ernsthafte Friedensverhandlungen stattfinden können. Gleichzeitig meldeten die iranischen Revolutionsgarden weitere Angriffe auf Tanker.


Die angespannte Lage schlägt sich zunehmend in einer höheren Risikoprämie am Ölmarkt nieder. Anleger preisen verstärkt das Risiko ein, dass die Auseinandersetzungen künftig zu tatsächlichen Produktions- oder Lieferausfällen führen könnten.

Öl fliesst weiter 

Trotz der zunehmenden Angriffe zeigen sich die Ölflüsse aus dem Nahen Osten bislang überraschend robust. Die Liefermengen lagen im Oktober weiterhin nahe am Vorkriegsniveau.


Für die Woche vom 12. bis 18. Oktober schätzt der Datenanbieter Kpler die Ölflüsse sogar auf 24,6 Millionen Barrel pro Tag. Vortexa kommt für denselben Zeitraum dagegen auf rund 18 Millionen Barrel pro Tag.

Die Abweichungen verdeutlichen, wie schwierig es derzeit ist, die tatsächlichen Transportmengen zu erfassen. Viele Tanker schalten ihre Ortungssysteme ab. Zudem werden Schiffe teilweise in Konvois durch die Strasse von Hormus geführt, und Öl wird ausserhalb der Meerenge auf andere Tanker umgeladen.

Dadurch lassen sich die Transportwege und -mengen nur unvollständig nachvollziehen. Entsprechend werden die Daten häufig nachträglich angepasst.

Der hohe Ölpreis dürfte nicht in erster Linie auf eine tatsächliche Angebotsknappheit zurückzuführen sein. Vielmehr scheint die geopolitische Risikoprämie eine wesentliche Rolle zu spielen.

Notenbanken dürften vorerst abwarten 

Die höheren Energiepreise erschweren den geldpolitischen Ausblick. Steigende Ölpreise verteuern Treibstoffe und Transportleistungen. Bleiben sie länger auf hohem Niveau, steigt zudem das Risiko, dass Unternehmen die höheren Kosten weitergeben und sich der Inflationsdruck auf weitere Bereiche der Wirtschaft ausweitet.

Während die Inflation in den USA im September 3,7 Prozent betrug, lag die Inflationsrate in der Eurozone bei 3,8 Prozent. Damit liegt die Inflation in beiden Wirtschaftsräumen deutlich über dem Zielwert von zwei Prozent.

Für die Geldpolitik entsteht dadurch ein Zielkonflikt: Einerseits könnten anhaltend hohe Energiepreise eine restriktivere Geldpolitik erforderlich machen. Andererseits würde eine zusätzliche Straffung die Konjunktur belasten.

Die US-Notenbank Fed entscheidet am Mittwoch über ihren Leitzins, gefolgt von der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. Für beide Zinsentscheide wird derzeit keine Änderung erwartet.


Entscheidender als die Zinsentscheide selbst dürfte daher die Kommunikation der beiden Notenbanken sein. Im Fokus steht, wie die Notenbanken die Folgen der höheren Energiepreise für die Inflation beurteilen und welche Konsequenzen sie daraus für die Geldpolitik ziehen.

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