VZ Analyse
Zur Halbzeit der US-Präsidentschaft wird der Kongress neu gewählt. Historisch entwickelten sich amerikanische Aktien in den Monaten danach häufig positiv. Was heisst das für die Wahlen im November?
Publiziert vor 11 Stunden
Beschreibung
Am 3. November ist es wieder so weit: In den USA finden die "Midterm Elections" statt. Dabei werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und rund ein Drittel der Sitze im Senat neu vergeben. Die Wahlen liegen traditionsgemäss in der Mitte der vierjährigen Präsidentschaftsperiode und können die Mehrheitsverhältnisse im Kongress verändern.
Derzeit kontrollieren die Republikaner sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat. Damit verfügt US-Präsident Donald Trump in beiden Kammern über eine Mehrheit, die ihm die Umsetzung seiner politischen Agenda erleichtert.
Diese Machtverhältnisse könnten sich bei den Midterms verschieben. Insbesondere im Repräsentantenhaus rechnen mehrere Analysen mit guten Chancen für die Demokraten, die Mehrheit zurückzugewinnen. Auch im Senat haben sich die Chancen der Demokraten zuletzt verbessert.
Für Anlegerinnen und Anleger sind die Wahlen relevant, weil die Zusammensetzung des Kongresses den politischen Handlungsspielraum der Regierung beeinflusst. Gewinnen die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus, könnten sie die Gesetzgebung erschweren, Ausschüsse kontrollieren und Untersuchungen gegen die Regierung vorantreiben. Auch bei Verhandlungen über den Haushalt oder die Schuldenobergrenze könnten die politischen Spannungen zunehmen.
Vor den Wahlen reagiert die Börse verhalten
Ein Blick auf die vergangenen Midterm-Zyklen seit 1974 zeigt an der US-Börse zunächst eine gewisse Zurückhaltung. Das zeigt sich unter anderem in der erhöhten Volatilität im Monat vor den Wahlen. Investoren wissen nicht, welche Mehrheitsverhältnisse im Kongress entstehen und welche politischen Vorhaben danach umgesetzt werden können. Anlegerinnen und Anleger sind aber vor den Wahlen durchschnittlich positiv eingestellt.
Auch unmittelbar nach den Wahlen bleibt die Entwicklung häufig durchzogen. Erst rund zwei Monate später wird das historische Muster deutlich positiver. Nach 40 Börsentagen liegt der S&P 500 im Durchschnitt 1,1 Prozent im Plus.
Ein möglicher Grund dafür ist, dass die politische Unsicherheit nach der Wahl abnimmt. Sobald die Mehrheitsverhältnisse feststehen, können Anleger die möglichen wirtschafts- und fiskalpolitischen Folgen besser einschätzen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Wahlen allein für die anschliessende Kursentwicklung verantwortlich sind.
Im weiteren Verlauf fällt die historische Bilanz noch deutlicher aus. Ein Jahr nach den Midterms lag der S&P 500 in allen untersuchten Wahlzyklen über seinem Stand am Wahltag. Im Durchschnitt betrug der Wertzuwachs 14,3 Prozent.
Für Schweizer Anlegerinnen und Anleger relativiert sich dieses Bild durch die Wechselkursentwicklung. In Franken gerechnet lag die durchschnittliche Rendite im Jahr nach den Wahlen bei 11,1 Prozent. Der stärkere Franken schmälerte die Erträge aus US-Aktien. In zwei der untersuchten Zyklen fiel die Dollarabwertung gegenüber dem Franken sogar so stark aus, dass Schweizer Anleger trotz steigender US-Aktienkurse einen Verlust erzielten.
Entscheidend ist nicht der Sieger
Auch die Parteizugehörigkeit der Wahlsieger liefert kein eindeutiges Börsensignal. Aus der historischen Entwicklung lässt sich nicht zuverlässig ableiten, ob Aktien bei einer republikanischen Mehrheit, einer demokratischen Mehrheit oder einem geteilten Kongress besser abschneiden.
Ein geteilter Kongress kann politische Veränderungen erschweren und damit beispielsweise grössere fiskalpolitische Reformen begrenzen. Verfügt die Partei des Präsidenten dagegen in beiden Kammern über eine Mehrheit, kann die Regierung ihre Vorhaben leichter umsetzen. Welche Konstellation für Aktien vorteilhafter ist, hängt jedoch von den konkreten Massnahmen und dem wirtschaftlichen Umfeld ab.
Die historische Entwicklung spricht deshalb nicht dafür, die Anlageentscheide allein vom Wahlausgang abhängig zu machen. Politische Mehrheiten sind zwar wichtig, erklären die Börsenentwicklung aber nur bedingt.
2026 kommt es auf das wirtschaftliche Umfeld an
Für Anlegerinnen und Anleger ist daher weniger entscheidend, welche Partei die Midterms gewinnt. Wer wegen der politischen Unsicherheit kurzfristig aus Aktien aussteigt, riskiert, mögliche Gewinne zu verpassen.
Eine langfristige Anlagestrategie mit einer klaren Zielallokation, regelmässigen Einzahlungen und diszipliniertem Rebalancing bietet in der Regel eine verlässlichere Grundlage als der Versuch, politische Ereignisse für kurzfristige Marktprognosen zu nutzen.
Auch 2026 dürften die Midterms nur einer von mehreren Einflussfaktoren sein. Mindestens ebenso wichtig für die Finanzmärkte sind Inflation, Geldpolitik, Staatsfinanzen und die Wachstumsaussichten. Das Wahlergebnis kann diese Faktoren beeinflussen, wird sie aber nicht zwangsläufig überlagern.
Die Midterms sind damit ein wichtiger politischer Termin. Für die Börse liefern sie historische Anhaltspunkte, aber kein verlässliches Handelssignal.
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