US-Banken wittern das grosse Geschäft mit KI
VZ Analyse
Die Milliardeninvestitionen rund um künstliche Intelligenz rücken zunehmend auch die US-Banken in den Fokus. Für sie eröffnet sich eine grosse Chance, bei der allerdings ein entscheidender Faktor zum Problem werden könnte.
Publiziert vor 3 Stunden
Autor
Roman Gfeller
Funktion Anlageexperte
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Die grossen US-Banken wirtschaften weiterhin gut. Doch an der Börse genügt das nicht überall: Nach den jüngsten Quartalszahlen gerieten mehrere Bankaktien unter Druck.
Während Anleger genauer auf Schwachstellen im aktuellen Geschäft schauen, richtet sich der Blick der Banken bereits auf einen möglichen neuen Wachstumstreiber: den Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz.
Zinseszins: Die unterschätzte Kraft beim Sparen und Anlegen
Merkblatt
Die jüngsten Quartalszahlen von JPMorgan, Goldman Sachs, Citigroup, Wells Fargo, Bank of America und Morgan Stanley zeichnen insgesamt ein solides, aber uneinheitliches Bild. Nach einer längeren Serie besserer Resultate konnte diesmal insbesondere JPMorgan die hohen Erwartungen der Anleger nicht erfüllen.
Auch zwischen den einzelnen Geschäftsbereichen zeigen sich deutliche Unterschiede. Goldman Sachs und Morgan Stanley profitierten zuletzt von einem starken Aktienhandel, wobei sich bei Morgan Stanley insbesondere das Geschäft in Asien positiv entwickelte. Der Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen fiel bei mehreren Instituten dagegen schwächer aus.
Citigroup konnte sich auch dort behaupten, während Wells Fargo stärker vom klassischen Bankgeschäft und höheren Zinseinnahmen profitierte.
Die Quartalszahlen zeigen, wo die Banken heute stehen. Zusätzliches Geschäft verspricht in den kommenden Jahren vor allem der hohe Kapitalbedarf für den KI-Ausbau.
Banken finanzieren den KI-Boom
Der Ausbau der KI-Infrastruktur verschlingt Milliarden. Neue Rechenzentren müssen gebaut und die dafür notwendige Energieversorgung erweitert werden. Für Banken eröffnet dieser Kapitalbedarf Geschäfte auf mehreren Ebenen: Sie können Kredite vergeben, Kapitalmarktfinanzierungen strukturieren und Unternehmen bei Transaktionen beraten. Besonders breit aufgestellte Häuser wie JPMorgan sowie kapitalmarktstarke Institute wie Goldman Sachs und Morgan Stanley sind damit gut positioniert, um an der Investitionswelle mitzuverdienen.
Goldman-Sachs-Chef David Solomon sieht darin einen längerfristigen Technologiezyklus. Zwar werde nicht jedes derzeit geplante Rechenzentrum tatsächlich gebaut. Der Bedarf an zusätzlicher Rechenleistung und Kapital bleibe jedoch hoch. Auch JPMorgan beobachtet bislang keine wesentliche Abschwächung der Investitionstätigkeit.
Anders als die Betreiber der Rechenzentren müssen die Banken dafür nicht selbst Milliarden in die Infrastruktur investieren. Doch wie gross das Finanzierungsgeschäft tatsächlich wird, hängt davon ab, zu welchen Bedingungen das notwendige Kapital bereitgestellt werden kann. Damit rücken die Zinsen ins Zentrum.
Zinsen helfen den Banken und bremsen ihre Kunden
Höhere Zinsen können das klassische Kredit- und Einlagengeschäft der Banken stützen. Für ihre Kunden haben sie jedoch die gegenteilige Wirkung: Kredite und andere Finanzierungen werden teurer.
Für den Ausbau der KI-Infrastruktur ist das von grosser Bedeutung. Steigende Finanzierungskosten können dazu führen, dass geplante Rechenzentren weniger rentabel werden, verschoben oder gar nicht erst gebaut werden.
Der Internationale Währungsfonds warnt zudem vor dem Risiko, dass die wirtschaftlichen Erträge der hohen Investitionen hinter den Erwartungen zurückbleiben könnten. In einem solchen Szenario wären nicht nur einzelne Projekte betroffen. Auch die Finanzmärkte könnten unter einer Neubewertung der hohen Erwartungen an den KI-Boom leiden.
Für die Banken entsteht damit eine ungewöhnliche Konstellation: Hohe Zinsen können einen Teil ihres laufenden Geschäfts stützen, gleichzeitig aber genau jene Investitionswelle bremsen, aus der das nächste grosse Geschäft entstehen soll.
Noch trägt die US-Wirtschaft
Bislang gibt es allerdings wenig Anzeichen dafür, dass die hohen Finanzierungskosten zu einer breiteren wirtschaftlichen Abschwächung geführt haben. JPMorgan und Wells Fargo beschreiben die Verbraucher weiterhin als solide. Der Arbeitsmarkt stützt den Konsum, während die Kreditverluste niedrig bleiben.
Damit bietet die US-Wirtschaft den Banken vorerst ein solides Fundament für Kreditgeschäft und Investitionen. Risiken bleiben jedoch, insbesondere durch Inflation, hohe Staatsdefizite und hohe Vermögenspreise.
Fazit
Für die Banken könnte der Ausbau der KI-Infrastruktur somit tatsächlich zum nächsten grossen Geschäft werden. Ob es dazu kommt, hängt jedoch nicht allein vom wachsenden Bedarf an Rechenleistung ab. Entscheidend wird sein, wie viele der geplanten Projekte auch bei hohen Finanzierungskosten rentabel bleiben.
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