Technologieaktien sind günstiger geworden

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Die Bewertung von Technologieaktien ist deutlich gefallen – unter anderem wegen steigenden Gewinnen und teilweise rückläufigen Kursen. Sollte sich die Stimmung an den Märkten verbessern, könnte dies dem Sektor zusätzlichen Auftrieb verleihen.

Publiziert vor 3 Stunden

Autor

Ramon Hess

Funktion Anlageexperte

Technologieaktien galten lange als hoch bewertet. Anleger waren bereit, für das erwartete Wachstum der Unternehmen hohe Preise zu bezahlen. 

Zuletzt hat sich dieses Bild jedoch verändert: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des IT-Sektors ist deutlich gesunken. Anleger bezahlen damit heute weniger für einen Franken Unternehmensgewinn als zuvor. Dahinter stehen zwei Entwicklungen. Einerseits haben die Aktienkurse teilweise nachgegeben. Andererseits sind die Unternehmensgewinne weiter gestiegen.

Zweifel an den hohen Investitionen 

Seit einigen Wochen stehen Technologieaktien unter Druck, insbesondere Halbleiterwerte. Anleger hinterfragen zunehmend, ob die hohen Investitionen der Branche gerechtfertigt sind und ob sich die Unternehmen damit finanziell übernehmen könnten. Noch ist nicht abschliessend geklärt, in welchem Umfang sich die Ausgaben in zusätzliche Gewinne ummünzen lassen.

Auch die Zinserwartungen dürften die Kurse zuletzt gebremst haben. Die höheren Energiepreise verstärken den Inflationsdruck und könnten die Geldpolitik der US-Notenbank restriktiver ausfallen lassen. Am Markt wird deshalb mit einer weiteren Leitzinserhöhung im Dezember gerechnet.


Höhere Zinsen belasten insbesondere Aktien, deren erwartete Gewinne zu einem grossen Teil in der Zukunft liegen. Denn mit steigenden Zinsen sinkt der heutige Wert dieser künftigen Erträge. Das kann die Bewertungen unter Druck setzen.

Gewinne wachsen weiter 

Vor allem aber das Gewinnwachstum hat dazu beigetragen, dass die Bewertungen gesunken sind. Die Aktien sind gemessen an den Unternehmensgewinnen günstiger geworden, ohne dass sich die langfristigen Wachstumsaussichten des Sektors verschlechtert haben. Wachsen die Gewinne schneller als die Aktienkurse, sinkt das KGV.

Seit Jahresbeginn haben Analysten ihre Gewinnerwartungen für den Technologiesektor kontinuierlich nach oben angepasst. Sie liegen inzwischen rund 83 Prozent über den Werten von Anfang Jahr. Im gleichen Zeitraum hat der IT-Sektor um 27 Prozent zugelegt.


Die Entwicklung zeigt, dass die Gewinnerwartungen stärker gestiegen sind als die Aktienkurse. Das kann auf weiteres Kurspotenzial hindeuten. Entscheidend ist jedoch, ob die Unternehmen die hohen Erwartungen tatsächlich erfüllen können.

Berichtssaison dürfte Richtung vorgeben 

Diesen Mittwoch präsentiert mit Microsoft der erste grosse Technologiekonzern sein Ergebnis für das dritte Quartal. Insbesondere die Zahlen der Halbleiterunternehmen und der grossen Hyperscaler dürften zeigen, ob das Gewinnwachstum anhält und die hohen Investitionen zunehmend Früchte tragen.

Überzeugen die Ergebnisse und der Ausblick, könnten sich die Aktienkurse stabilisieren und wieder zulegen. Kleinere Kursrückgänge wurden in der Vergangenheit häufig mit einem starken Gewinnwachstum beantwortet.

Sollte sich die Stimmung an den Aktienmärkten wieder verbessern, könnte sich daraus eine interessante Konstellation ergeben. Steigen die Unternehmensgewinne weiter, wächst der fundamentale Wert der Unternehmen. Anlegerinnen und Anleger dürften wieder bereit sein, mehr für Technologieaktien zu bezahlen.

Eine solche Entwicklung ist allerdings nicht garantiert. Bleiben die Zinsen hoch, verfehlen die Unternehmen die Gewinnerwartungen oder werden die langfristigen Wachstumsaussichten nach unten korrigiert, könnten die Kurse weiter unter Druck geraten.

Zudem ist ein tieferes KGV allein kein Beleg dafür, dass Aktien günstig sind. Entscheidend ist auch, wie nachhaltig die ausgewiesenen Gewinne sind und ob das erwartete Wachstum gerechtfertigt ist.

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