Strategy verkauft Bitcoin: Zeichnet sich ein Kurswechsel ab?

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Strategy hat Milliarden in Bitcoin investiert und sich damit einen Kultstatus unter Krypto-Anlegern erarbeitet. Ein erster Verkauf wirft die Frage auf, ob die Kaufstrategie nun an ihre Grenzen stösst.

Publiziert 9. Jul 2026

Autor

Roman Gfeller

Funktion Anlageexperte

Lange Zeit galt Strategy (ehemals MicroStrategy) als der kompromissloseste Bitcoin-Käufer der Welt. Die Aktie entwickelte sich im Jahr 2024 und 2025 merklich besser als Bitcoin und wurde damit zu einer gehebelten Wette auf die Kryptowährung. Die beiden Anlagen notieren aktuell weit unter ihren historischen Höchstständen. 

Nun hat Strategy erstmals seit Jahren einen Teil seiner Bestände verkauft: 3588 Bitcoin im Wert von rund 216 Millionen Dollar.

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Der Erlös dient der Finanzierung von Dividenden auf Vorzugsaktien sowie dem Ausbau der Dollar-Reserven. Der Schritt erfolgte im Rahmen des neuen "BTC Monetization Program" und stellt eine Abweichung von der bisherigen Praxis dar, Bitcoin ausschliesslich zu akkumulieren. Strategy hält weiterhin rund 844'000 Bitcoin und bleibt damit der grösste börsenkotierte Bitcoin-Besitzer der Welt.

Warum Anleger auf Strategy statt direkt auf Bitcoin setzen

Das operative Softwaregeschäft von Strategy existiert zwar weiterhin, spielt für das Unternehmen jedoch nur noch eine untergeordnete Rolle. De facto hat sich Strategy zu einem Bitcoin-Treasury-Unternehmen entwickelt: Es nimmt Kapital am Markt auf und investiert dieses überwiegend in Bitcoin.

Die Idee dahinter: Investoren stellen Strategy über Aktienemissionen neuer Stammaktien frisches Kapital zur Verfügung. Das Unternehmen investiert einen grossen Teil davon in zusätzliche Bitcoins. Gelingt es, die Bitcoin-Bestände schneller auszubauen als die Zahl der ausstehenden Aktien steigt, erhöht sich der Anteil an Bitcoin, der rechnerisch auf jede einzelne Aktie entfällt. Dadurch steigt der innere Wert je Aktie. 

Anleger setzen deshalb nicht nur auf steigende Bitcoin-Kurse, sondern auch darauf, dass Strategy den Bitcoin-Anteil je Aktie kontinuierlich erhöhen kann. Gelingt das, kann sich die Aktie stärker entwickeln als Bitcoin selbst. Dafür tragen die Aktionäre das höchste Risiko, verfügen aber auch über das grösste Kurspotenzial.

Ergänzend zur Stammaktie hat Strategy verschiedene Vorzugsaktien emittiert. Diese richten sich an Anleger, die regelmässige Erträge einem maximalen Kurspotenzial vorziehen. Diese Titel erhalten bevorzugte Dividendenzahlungen und stehen in der Kapitalstruktur vor den Stammaktionären. Im Gegenzug partizipieren ihre Besitzer nur eingeschränkt am Wertzuwachs der Reserven. 

Die entscheidende Kennzahl

Eine zentrale Kennzahl ist der mNAV (Multiple of Net Asset Value). Er misst, mit welchem Auf- oder Abschlag die Börse Strategy im Verhältnis zu seinem Nettovermögenswert bewertet. Vereinfacht gesagt wird der Börsenwert des Unternehmens dem Wert seiner Vermögenswerte – insbesondere den Bitcoin-Beständen – gegenübergestellt. Ein mNAV von 1 bedeutet, dass die Aktie genau zum rechnerischen Wert dieser Vermögenswerte gehandelt wird. Darüber zahlen Investoren einen Aufschlag, darunter einen Abschlag.

Der mNAV ist deshalb wichtig, weil er direkt beeinflusst, wie leicht Strategy frisches Kapital aufnehmen kann. Je höher die Bewertungsprämie, desto attraktiver werden Aktienemissionen zur Finanzierung weiterer Bitcoin-Käufe. Sinkt der mNAV dagegen in Richtung 1 oder darunter, wird dieses Modell weniger effizient.

Mit einem aktuellen mNAV von rund 1,07 bewertet der Markt Strategy nur noch leicht über dem Wert seiner Vermögenswerte. Ende 2024 lag die Kennzahl zeitweise noch bei über 3. Die Bewertungsprämie, die dem Unternehmen die Aufnahme grosser Mengen an Eigenkapital erleichterte, ist damit klar gesunken.

Der jüngste Bitcoin-Verkauf wurde von vielen Aktionären deshalb verhalten positiv aufgenommen. Statt bei einer vergleichsweise niedrigen Bewertung neue Aktien auszugeben und bestehende Aktionäre zu verwässern, finanzierte Strategy einen Teil seiner Verpflichtungen über die vorhandenen Reserven.

Was passiert, wenn Bitcoin weiter fällt?

Gemessen am Gesamtbestand ist der Verkauf zwar klein. Er zeigt jedoch, dass Strategy seine Reserven bei Bedarf zur Finanzierung des Unternehmens einsetzen kann.

Solange der Bitcoin-Kurs steigt und Investoren dem Unternehmen frisches Kapital zur Verfügung stellen, dürfte dieses Modell funktionieren. Schwieriger wird es bei einer längeren Schwächephase. Dann würden nicht nur die Bestände an Wert verlieren, sondern auch die Möglichkeiten zur Kapitalaufnahme sinken. Die Verpflichtungen gegenüber den Vorzugsaktionären blieben jedoch bestehen. Strategy könnte dadurch gezwungen sein, weitere Bitcoin zu verkaufen – und damit genau jene Reserven zu reduzieren, auf denen die Investmentthese vieler Anleger beruht.

Für Investoren wird deshalb künftig nicht nur die Entwicklung des Bitcoin-Kurses entscheidend sein, sondern auch die Frage, wie widerstandsfähig das Finanzierungsmodell des Unternehmens in einem schwierigeren Marktumfeld ist.

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