Stadler Rail: Kommt jetzt der Befreiungsschlag?

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Nächste Woche gibt Stadler Rail die Halbjahreszahlen bekannt. Gelingt es dem Zugbauer, den Anlegern zu zeigen, dass er dank rekordhohen Auftragsbeständen Marge und Gewinn steigern kann?

Publiziert vor 12 Stunden

Autor

Robert Leitner

Funktion Anlageexperte

Unternehmenspatron Peter Spuhler hat die Aktien von Stadler Rail seit dem Börsengang vor über sieben Jahren als "Volksaktie" betitelt. Allerdings hat sie diesen Anspruch nie erfüllen können. Seit Anfang Jahr liegt sie zwar mit rund 7 Prozent im Plus. Damit hinkt sie aber weiterhin dem breiten Schweizer Aktienmarkt hinterher. Der SPI konnte seit Anfang Januar über 10 Prozent zulegen.

Ein Problem jagte das nächste

Seit dem Börsengang im April 2019 war Stadler Rail mit einer aussergewöhnlichen Serie von Herausforderungen konfrontiert. Auf die Corona-Pandemie im Jahr 2020 folgten eine hohe Inflation, stark steigende Stahlpreise, Lieferkettenprobleme sowie Naturkatastrophen: Überschwemmungen in Österreich im Jahr 2024 und in Spanien 2025 reduzierten die Fertigungen in gleich zwei der 16 Produktionswerke und beeinträchtigte zudem wichtige Zulieferer. Zusätzlich drückte der starke Franken praktisch durchgängig auf das Erreichen der eigenen Margenziele.

Für Investoren war die Geduld entsprechend auf eine harte Probe gestellt. Was zunächst als vorübergehende Belastungen erschien, entwickelte sich zu einer mehrjährigen Kette von Sonderfaktoren. Die Folge: Wiederholt mussten Erwartungen angepasst und Gewinnziele nach unten korrigiert werden. Auch die Dividende musste in der jungen Börsengeschichte bereits zweimal reduziert werden. 

Ein langer Leidensweg für Aktionäre

Seit dem Börsengang zu 42 Franken hat die Aktie zeitweise mehr als die Hälfte ihres Werts verloren und notierte zwischenzeitlich unter 20 Franken. Zwar hat sich der Kurs inzwischen auf rund 24 Franken erholt, liegt damit aber weiterhin rund 40 Prozent unter dem Ausgabepreis und noch deutlicher unter den Höchstständen.

Viel Positives, aber wenig Zählbares für Investoren

Operativ betrachtet hat sich das Unternehmen seit dem Börsengang positiv entwickelt. Der Auftragsbestand hat sich von 15 auf über 32 Milliarden Franken mehr als verdoppelt. Auch Auftragseingang, Fertigung und Umsatz sind gestiegen.

Der Vergleich zeigt jedoch das zentrale Problem: Trotz höherem Umsatz und voller Auftragsbücher ist die Profitabilität gesunken. Während der Auftragsbestand neue Rekordstände erreichte, gingen Marge und operatives Ergebnis (EBIT) zurück. Vereinfacht gesagt: Stadler Rail verkauft heute deutlich mehr, verdient aber weniger daran.

Besonders auffällig ist die Entwicklung beim Personalbestand. Die Zahl der Mitarbeitenden stieg deutlich stärker als der Umsatz. Schuld daran ist einerseits das Wachstum des weniger ergiebigen Wartungsgeschäfts, andererseits ist das Unternehmen in der Fertigung nicht effizienter geworden.

Ausserdem erfordern zahlreiche Grossaufträge hohe Vorleistungen und den Ausbau neuer Werke, bevor Erträge verbucht werden können. Dies belastete die Rentabilität und den freien Cashflow während dem Wachstum.

Die selbstgesteckten Ziele an 2026 sind ambitioniert

Für das laufende Jahr hat das Management erneut Ziele formuliert. Der Umsatz soll erstmals die Marke von 5 Milliarden Franken übersteigen. Gleichzeitig strebt das Unternehmen eine EBIT-Marge von mehr als 5 Prozent an.

Sollten diese Ziele erreicht werden, könnte sich auch die Bewertung der Aktie deutlich attraktiver präsentieren. Auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen würde das Kurs-Gewinn-Verhältnis in einem Bereich von rund 17 liegen. Damit wäre Stadler Rail im Vergleich zu vielen Schweizer Industriewerten eher günstig bewertet.

Entscheidend wird jedoch sein, ob der Zugbauer die im März kommunizierten Prognosen tatsächlich erfüllen kann. Dafür wird der Halbjahresbericht ein entscheidender Gradmesser sein. Nach mehreren Jahren mit operativen Schwierigkeiten dürften Investoren weniger auf Versprechungen als auf konkrete Resultate achten.

Nicht alle Probleme werden bis Ende Jahr gelöst sein

Selbst wenn die eigenen Ziele erreicht werden, bleiben diverse Probleme vorerst ungelöst sein: So sind die finanziellen Belastungen durch das stetige Wachstum stark angestiegen. Besonders die steigenden Zinsen könnten dem Unternehmen erneut Gegenwind geben. Dennoch will das Unternehmen an seiner Dividendenpolitik von 60% des Gewinns festhalten. Mit der Zielerreichung würde die Dividende damit deutlich steigen. 

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