VZ Analyse
Raketen, Satelliteninternet und KI-Infrastruktur: SpaceX will gleich mehrere Zukunftsmärkte prägen. Trotzdem notiert die Aktie inzwischen unter dem Ausgabepreis, geplagt von technischen Rücksetzern und Governance-Risiken. Eröffnet die Kursschwäche nun eine Einstiegschance?
Publiziert 24. Jul 2026
Beschreibung
Nach dem Rekordbörsengang richten sich die Blicke der Anleger auf das Wachstumspotenzial von SpaceX. Die Vision, die der reichste Mann der Welt mit SpaceX verfolgt, ist enorm. Wiederverwendbare Raketen, das Satellitennetzwerk Starlink, KI-Infrastruktur und sogar Rechenzentren im All nähren die Hoffnung auf einen Konzern, der in den kommenden Jahren ganze Industrien verändern könnte.
Umso bemerkenswerter ist die Entwicklung seit dem Börsengang: Nach einem anfänglich rasanten Kursgewinn fiel die Aktie zeitweise bis gegen 110 Dollar und damit unterhalb des Ausgabepreises.
Für Anleger stellt sich deshalb die Frage: Bietet der Rücksetzer eine Einstiegschance oder ist die Bewertung trotz des Kursrückgangs noch immer zu ambitioniert?
Das Wachstumsargument
Auf den ersten Blick spricht vieles für die Optimisten. Analysten trauen SpaceX in den kommenden Jahren ein aussergewöhnlich hohes Wachstum zu. Nach Schätzungen könnte der Umsatz von rund 18,5 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf über 140 Milliarden Dollar bis 2028 wachsen. Für 2027 wird zudem erstmals ein Nettogewinn erwartet.
Treiber dieser Entwicklung sind das globale Satelliteninternet Starlink, eine steigende Anzahl Raketenstarts sowie neue Geschäftsfelder rund um künstliche Intelligenz und Weltrauminfrastruktur. Elon Musk geht sogar noch weiter: Er hält einen Jahresumsatz von über einer Billion Dollar im Jahr 2030 für möglich.
Operativ untermauert SpaceX seine Ambitionen. Das Unternehmen hat die Kosten für den Transport von Nutzlasten ins All drastisch gesenkt und sich als Marktführer bei kommerziellen Raketenstarts etabliert. Je günstiger der Zugang zum Weltraum wird, desto grösser wird das Potenzial für neue Anwendungen und Geschäftsmodelle. Auch Pläne rund um KI-Rechenzentren und Dateninfrastruktur im All sorgen für zusätzliche Fantasie. Voraussetzung für diese Pläne sind jedoch weiter fallende Frachtpreise.
Warum die Börse trotzdem zögert
Trotz dieser Wachstumsstory notiert die Aktie unter dem Emissionspreis. Das deutet darauf hin, dass Investoren nicht nur auf die Umsatzentwicklung schauen.
Gleichzeitig kommt es beim neuen Schwerlastraketensystem "Starship" weiterhin zu Verzögerungen. Der für Montag geplante dreizehnte Testflug wurde erneut verschoben. Dabei gilt Starship als Schlüsselprojekt für die langfristige Wachstumsstory von SpaceX: Dank seiner deutlich höheren Nutzlastkapazität soll das System die Kosten für den Transport ins All weiter senken.
Ein wesentlicher Grund für die Zurückhaltung vieler Investoren sind die Governance-Risiken. Firmengründer Elon Musk kontrolliert über eine Mehrklassen-Aktienstruktur rund 85 Prozent der Stimmrechte und vereint die Positionen des CEO und Verwaltungsratspräsidenten. Minderheitsaktionäre haben damit praktisch keinen Einfluss auf strategische Entscheidungen oder die Zusammensetzung des Verwaltungsrats.
Hinzu kommt, dass fünf der acht Verwaltungsratsmitglieder seit mehr als 15 Jahren im Amt sind. Kritiker sehen darin einen "verfestigten" Verwaltungsrat mit begrenzter Unabhängigkeit gegenüber dem Gründer. Für Investoren entsteht dadurch ein erhebliches Schlüsselpersonenrisiko: Ein Investment in SpaceX ist zu einem wesentlichen Teil auch eine Wette auf Elon Musk. Dieser führt gleichzeitig Tesla, X und weitere private Unternehmen.
Ist die Bewertung bereits attraktiv?
Ein Blick auf den Kursverlauf zeigt, wie rasch die anfängliche Euphorie verflogen ist. Nach einem Anstieg auf über 200 Dollar Mitte Juni erreichte die Aktie Ende Juni nochmals ein Zwischenhoch von 170 Dollar. Seither geht es jedoch nahezu kontinuierlich abwärts. Auch die Aufnahme in den Nasdaq-100-Index am 7. Juli über die Fast-Entry-Regel, nur 15 Handelstage nach dem Börsengang, konnte den Abwärtstrend nicht stoppen. Inzwischen notiert die Aktie sogar unter dem Ausgabepreis von 135 Dollar.
Der Rückgang hat deutliche Spuren hinterlassen. Seit dem Höchststand ist der Börsenwert von SpaceX um rund eine Billion US-Dollar geschrumpft. Die Börse scheint damit einen Teil der anfänglichen Wachstumsfantasie ausgepreist zu haben. Gleichzeitig bleibt die Bewertung anspruchsvoll. Selbst nach dem Kursrückgang basiert die Investmentthese weiterhin darauf, dass SpaceX seinen Umsatz in den kommenden Jahren vervielfacht und neue Geschäftsfelder erfolgreich erschliesst.
Sollten Starlink, Starship und die geplanten KI- und Dateninfrastrukturprojekte den hohen Erwartungen gerecht werden, könnte sich der aktuelle Kurs rückblickend als attraktive Einstiegsmöglichkeit erweisen. Verfehlt das Unternehmen jedoch seine Wachstumsziele, dürfte selbst der jüngste Rückgang wenig Schutz bieten.
Fazit
Ob die SpaceX-Aktie langfristig abhebt, hängt stärker als bei den meisten börsenkotierten Unternehmen von einer einzelnen Person ab: Elon Musk. Seine Vision, sein Einfluss und seine Fähigkeit, ambitionierte Projekte umzusetzen, sind zentrale Bestandteile der Investmentthese. Die starke Abhängigkeit vom Gründer birgt erhebliche Risiken, eröffnet aber gleichzeitig Chancen.
Wer überzeugt ist, dass SpaceX mit dem Satelliteninternet Starlink, dem Weltraumtransporter Starship sowie künftigen KI- und Weltrauminfrastrukturprojekten neue Märkte erschliessen kann, könnte den aktuellen Kursrückgang als attraktive Einstiegsmöglichkeit sehen. Der auf den 24. Juli verschobene Starship-Testflug könnte dabei einen ersten wichtigen Hinweis liefern.
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