So viel Potenzial steckt in US-Staatsanleihen

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VZ Analyse

Der anhaltende Inflationsdruck und die hohe Staatsverschuldung haben die langfristigen Zinsen in den USA zuletzt nach oben getrieben. Das belastete die Kurse von Obligationen. Für Anleger eröffnet das gestiegene Renditeniveau jedoch neue Chancen.

Publiziert 12. Aug 2026

Autor

Luca Liebi

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Nachdem die US-Notenbank Fed Ende Juli den Leitzins unverändert liess, sprang die Verfallrendite auf 30-jährige US-Staatsanleihen mit über 5,2 Prozent auf ein 19-Jahres-Hoch.

Hinter dem Anstieg stehen vor allem die zunehmenden Zweifel der Anlegerinnen und Anleger am langfristigen Inflations- und Fiskalausblick der USA. Für das höhere Risiko verlangen sie eine entsprechend höhere Risikoprämie. Das treibt die Anleiherenditen nach oben und belastet im Gegenzug die Kurse.

Dies zeigt sich auch in der Performance: Seit Jahresbeginn liegen US-Staatsanleihen rund 0,65 Prozent im Minus. Besonders Ende Juli kam es im Zuge des Renditeanstiegs zu deutlichen Kurskorrekturen.

Hohe Ausgangsrenditen bieten attraktives Kurspotenzial

Die Verfallrendite 30-jähriger US-Staatsanleihen ist seit Ende Juni um 0,31 Prozentpunkte gestiegen. Damit hat sich das Zinsniveau langfristiger Anleihen spürbar erhöht.

Für Anleger bedeutet das zweierlei: Einerseits steigen dadurch die laufenden Erträge von Obligationen. Andererseits eröffnet das höhere Ausgangsniveau zusätzliches Kurspotenzial. Im Falle von sinkende Zinsen steigen die Obligationenkurse und Anleger können von Kursgewinnen profitieren.

Wie gross dieses Potenzial sein kann, zeigt eine einfache Duration-Berechnung. Sollte die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen von aktuell rund 5,2 Prozent auf das durchschnittliche Niveau der Niedrigzinsphase zwischen Januar 2015 und August 2022 von rund 2,5 Prozent fallen, ergäbe sich auf Basis einer Duration von 15,4 ein Kursgewinn von etwa 41 Prozent.

Fällt die Rendite sogar auf den historischen Tiefpunkt von 1,2 Prozent, würde das theoretische Kurspotenzial bei rund 62 Prozent liegen.

Diese Berechnungen basieren auf einer Duration von 15,4 für eine US-Staatsanleihe mit einer Laufzeit von 30 Jahren (-15,35 * (2,53%-5,20%) = 40,9%).

Auch bei 10-jährigen US-Staatsanleihen ist das Kurspotenzial beträchtlich. Sollte die Verfallrendite auf das durchschnittliche Niveau der Niedrigzinsphase von 2 Prozent zurückgehen, ergäbe sich ein Kursgewinn von etwa 21 Prozent. 

Bei einem Rückgang auf den historischen Tiefpunkt von 0,5 Prozent wäre ein Kursanstieg von rund 33 Prozent möglich.

Zinssenkung im September bleibt offen

Im Juli liess das Fed unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh den Leitzins unverändert. Die Entscheidung fiel allerdings mit nur 9 zu 3 Stimmen. Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan votierten für eine Anhebung um 25 Basispunkte.

Damit ist die September-Sitzung zu einer offenen Angelegenheit geworden. Am 15. und 16. September kommt das Federal Open Market Committee (FOMC) erneut zusammen. Dabei werden auch die aktualisierten Zinsprognosen der Notenbank («Dot Plot») veröffentlicht.

Ende Juli hatten die Terminmärkte eine Wahrscheinlichkeit von rund 71 Prozent für eine Zinserhöhung im September eingepreist. Nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht Anfang August ist diese Erwartung jedoch deutlich gesunken. Aktuell liegt die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung am 16. September bei 51,3 Prozent.

Der Markt ist damit praktisch unentschlossen und der Ausgang der Sitzung dürfte Bewegung auslösen. Entscheidend werden die Inflationsdaten für Juli und August sein.

So können Anleger vom Kurspotenzial profitieren

Wer auf sinkende Zinsen setzen möchte, braucht dafür keine einzelne Anleihe zu kaufen. Am einfachsten gelingt der Zugang über ETFs auf langlaufende US-Staatsanleihen. Sie bündeln eine breite Auswahl an Treasuries, sind börsentäglich handelbar und schon mit kleinen Beträgen zugänglich.

Das beschriebene Kurspotenzial entfaltet sich vor allem bei ETFs, die gezielt in US-Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von mehr als 20 Jahren investieren. Aufgrund ihrer hohen Duration von rund 15 reagieren sie besonders stark auf Veränderungen der Zinsen.

Zu beachten ist allerdings auch das Währungsrisiko. Wer einen solchen ETF in US-Dollar hält, profitiert vom gesamten Renditeniveau der Treasuries, ist gleichzeitig aber den Schwankungen des Dollar gegenüber dem Franken ausgesetzt.

Für Anlegerinnen und Anleger, die auf Frankenbasis rechnen möchten, stehen auch währungsgesicherte Varianten zur Verfügung. Bei diesen Produkten liegt der Fokus klar auf dem Kurspotenzial, da die Absicherung bei der aktuellen Zinsdifferenz einen erheblichen Teil des laufenden Ertrags auffrisst.

Anlegerinnen und Anleger sollten die Symmetrie des Zinsrisikos nicht unterschätzen: Die hohe Duration wirkt in beide Richtungen. Sinken die Renditen, können die Kurse langlaufender Anleihen stark steigen. Steigen die Renditen hingegen weiter, fallen die Kurse entsprechend kräftig.

Fazit

Die Kursverluste bei US-Staatsanleihen sind vor allem auf gestiegene Zinsen zurückzuführen. Für langfristig orientierte Anleger eröffnen sich dadurch jedoch attraktive Einstiegsmöglichkeiten.

Die aktuell hohe Verfallrendite bietet einerseits einen attraktiveren laufenden Ertrag. Andererseits eröffnet sie erhebliches Kurspotenzial, falls die langfristigen Zinsen in den kommenden Jahren wieder sinken.

Langlaufende US-Treasuries sind damit insbesondere für Anleger interessant, die mit einem Rückgang der langfristigen US-Zinsen rechnen und bereit sind, die damit verbundene hohe Duration zu tragen.

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