Schweizer Aktien: Mehr als nur ein kurzes Comeback?
VZ Analyse
Während Technologieaktien unter Druck stehen, erlebt der Schweizer Aktienmarkt ein Comeback. Die lange verschmähten Schwergewichte Roche, Nestlé und Novartis treiben den SMI an. Wie nachhaltig ist die Rückkehr der Schweizer Aktien?
Publiziert vor 3 Stunden
Autor
Christian Huber
Funktion Anlageexperte
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Noch vor wenigen Wochen konnte der Schweizer Aktienmarkt kaum mit den internationalen Börsen mithalten. Während Anleger auf KI- und Technologieunternehmen setzten, blieben viele der Schweizer Konzerne zurück. Zu wenig Wachstum, zu wenig Fantasie und zu viel defensives Geschäft.
Aktien kaufen: Das sind die wichtigsten Kennzahlen
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Doch im Oktober hat sich das Blatt gewendet. Während die KI-Profiteure an Schwung verloren, legten Schweizer Aktien kräftig zu. Besonders gefragt waren ausgerechnet jene Unternehmen, die zuvor wenig Begeisterung ausgelöst hatten. Darunter die drei Schwergewichte Roche, Nestlé und Novartis. Hinter dem Aufschwung steckt allerdings mehr als eine Verschiebung von Technologieaktien zu defensiven Werten.
Auch die Währungsentwicklung und überzeugende Unternehmensergebnisse haben zum Comeback beigetragen.
Anleger setzen wieder auf defensive Aktien
In der ersten Jahreshälfte 2026 gehörten die Profiteure des KI-Booms zu den grossen Gewinnern an den Aktienmärkten. Insbesondere Unternehmen, die vom Ausbau der Rechenzentren profitieren, verzeichneten kräftige Kursgewinne. Doch zuletzt gerieten viele dieser Aktien unter Druck.
Steigende Anleiherenditen und höhere Inflationserwartungen führten im Oktober zu einer Neubewertung an den Aktienmärkten. Gleichzeitig hinterfragten Anleger zunehmend die hohen Investitionen in künstliche Intelligenz und deren Rentabilität.
Dies löste eine Sektorrotation aus. Anleger wandten sich von den bisherigen KI-Gewinnern ab und setzten verstärkt auf Unternehmen mit defensiven Geschäftsmodellen. Besonders deutlich zeigte sich dies bei den Sektoren. Während Basiskonsumgüter, Versorger und das Gesundheitswesen zulegten, verloren IT- und Kommunikationswerte deutlich an Wert.
Die Stärke des Schweizer Aktienmarkts
Von dieser Entwicklung profitierte der Schweizer Aktienmarkt besonders stark. Denn defensive Unternehmen prägen die Schweizer Börse. Sie zeichnen sich nicht nur durch stabile Geschäftsmodelle aus, sondern häufig auch durch eine hohe Profitabilität und starke Marktpositionen.
Besonders deutlich zeigt sich dies beim Leitindex SMI. Allein die drei Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche machen mit 48,5 Prozent beinahe die Hälfte des Index aus. Mit Alcon, Lonza sowie den beiden Neuzugängen Galderma und Sandoz sind zudem vier weitere Unternehmen aus dem Gesundheitswesen vertreten. Sämtliche dieser Aktien haben seit Anfang Oktober zugelegt.
Auch andere defensive Werte wie Givaudan und die Versicherer Swiss Life, Swiss Re und Zurich entwickelten sich positiv. Dagegen geriet mit ABB ausgerechnet einer der bisherigen Schweizer KI-Gewinner unter Druck. Die weltweite Sektorrotation hinterliess damit auch am Schweizer Aktienmarkt deutliche Spuren.
Mehr als eine Flucht in defensive Werte
Der Aufschwung der Schweizer Aktien lässt sich allerdings nicht allein mit der Sektorrotation erklären. Auch die Abschwächung des Frankens gegenüber dem Dollar und dem Euro spielte eine wichtige Rolle. Statt wie üblich als sicherer Hafen gefragt zu sein, verlor die Schweizer Währung zuletzt an Wert. Für die stark exportorientierten Schweizer Unternehmen bedeutet dies eine Entlastung.
Wie gross der Einfluss der Währungen sein kann, zeigt Roche. Im ersten Quartal belastete der starke Franken das ausgewiesene Umsatzwachstum noch mit elf Prozentpunkten, im zweiten Quartal mit vier Prozentpunkten. Im dritten Quartal leisteten die Währungen dagegen einen leicht positiven Beitrag von einem Prozentpunkt. Trotz des zuvor starken Gegenwinds konnte Roche den Umsatz in den ersten neun Monaten dank der hohen Nachfrage nach seinen wichtigsten Medikamenten weiter steigern.
Auch Nestlé und Novartis überzeugten mit ihren jüngsten Geschäftszahlen. Nestlé gelang es, das Wachstum wieder stärker über höhere Absatzmengen zu erzielen. Zuvor hatten vor allem Preiserhöhungen die Entwicklung gestützt. Bei Novartis sorgte die starke Nachfrage nach wichtigen Medikamenten für Ergebnisse über den Erwartungen. Dies ist umso bemerkenswerter, als der Pharmakonzern in den vergangenen Monaten mehrere Rückschläge bei klinischen Studien hinnehmen musste.
Neben den drei Schwergewichten lieferten weitere Unternehmen positive Impulse. Givaudan konnte dank höherer Absatzmengen das Wachstum deutlich beschleunigen. Holcim wiederum hob nach einem starken dritten Quartal die Prognose für das Gesamtjahr an.
Ist der Aufschwung nachhaltig?
Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen, dass viele Schweizer Unternehmen operativ gut aufgestellt sind. Allerdings reichen überzeugende Ergebnisse allein nicht immer aus, um die Aktienkurse anzutreiben.
Dies zeigt das Beispiel ABB. Der Industriekonzern steigerte im dritten Quartal sowohl den Umsatz als auch den Gewinn kräftig. Der Auftragseingang schnellte sogar um 40 Prozent in die Höhe. Dennoch verloren die Aktien nach der Veröffentlichung der Zahlen rund fünf Prozent. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung des KI-Booms und die Sorge vor einer Wachstumsverlangsamung überwogen die positiven Geschäftszahlen.
Die Entwicklung zeigt, wie stark die Erwartungen der Anleger die Aktienkurse beeinflussen. Der KI-Boom dürfte die Märkte deshalb weiter beschäftigen und sowohl Chancen als auch Risiken mit sich bringen.
Gerade hier liegt eine Stärke des Schweizer Aktienmarkts. Während wachstumsorientierte Technologieunternehmen die globalen Börsen zunehmend prägen, bietet die Schweiz einen hohen Anteil defensiver Qualitätsunternehmen. Diese profitieren von stabileren Geschäftsmodellen und einer geringeren Abhängigkeit vom KI-Boom.
Ob die Schweizer Aktien ihren Vorsprung der vergangenen Wochen halten können, hängt auch davon ab, ob die Sektorrotation anhält. Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen jedoch, dass der Aufschwung nicht allein auf einer veränderten Stimmung beruht. Damit bleiben Schweizer Aktien eine wichtige Ergänzung zu den wachstumsorientierten Titeln an den globalen Börsen.
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