VZ Analyse
Obligationenanlagen steuern auf ein Rekordjahr zu. Mit den gestiegenen Zinsen werden Obligationen wieder zum echten Gegengewicht zu Aktien. Für Anlegerinnen und Anleger in der Schweiz ist die Rechnung allerdings weniger einfach, als die Schlagzeilen vermuten lassen.
Publiziert vor 6 Stunden
Beschreibung
Anleger entdecken Obligationen neu. In den USA flossen bis Ende August 2026 netto 625 Milliarden Dollar in Obligationen-ETF. Damit wurde der bisherige Rekord von 508 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2021 bereits deutlich übertroffen.
Nach den massiven Abflüssen während des Zinsanstiegs im Jahr 2022 hat sich die Nachfrage eindrucksvoll erholt. Schon 2024 und 2025 verzeichneten US-kotierte Obligationen-ETF Zuflüsse von jeweils über 330 Milliarden Dollar.
Der Boom beschränkt sich nicht auf die USA. Auch in Europa greifen Anleger wieder verstärkt zu Obligationen: Europa-kotierte Obligationen-ETF zogen bis Ende August netto 381 Milliarden Dollar an.
Die hohen Zuflüsse zeigen: Mit den gestiegenen Renditen sind Obligationen für viele Investoren wieder zu einer attraktiven Anlageklasse geworden. Frisches Geld fliesst derzeit so schnell in Obligationenfonds wie seit Jahren nicht mehr.
Höhere Zinsen als wichtigster Treiber
Der Anleiheboom kommt nicht von ungefähr. Aufgrund der hohen Inflation in den USA und im Euroraum haben die Notenbanken ihren Lockerungskurs gestoppt. Die US-Notenbank Fed erhöhte ihren Leitzins Mitte September erstmals seit 2023 um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Auch die Europäische Zentralbank straffte ihre Geldpolitik und hob den Einlagesatz auf 2,50 Prozent an.
Die Folgen sind an den Obligationenmärkten deutlich sichtbar. Die Rendite fünfjähriger US-Staatsanleihen schloss am 24. September erstmals seit 2007 über 5 Prozent, zehnjährige Treasuries rentieren inzwischen rund 5,2 Prozent. Deutsche Bundesanleihen erreichten mit gut 3,5 Prozent den höchsten Stand seit 2011.
Für Anleger eröffnet dies Chancen. Bei Renditen von 5 Prozent und mehr sind Obligationen wieder eine ernsthafte Alternative zu Aktien, deren Bewertungen vielerorts hoch geblieben sind.
Schweiz: Nullzins und Währungsrisiko
In der Schweiz ist die Ausgangslage eine andere. Die Teuerung lag im August bei 0,8 Prozent, die Schweizerische Nationalbank hat ihren Leitzins am 24. September bei 0 Prozent belassen. Entsprechend tief sind die Renditen von Franken-Obligationen: Eine Anleihe der Eidgenossenschaft mit Laufzeit bis 2036 rentierte bei der Auktion im Juli gerade einmal 0,36 Prozent.
Da liegt es nahe, auf Obligationen in Dollar oder Euro auszuweichen. Doch damit trägt man ein Währungsrisiko. Wer das Risiko ausschaltet, etwa mit einer gegen den Franken abgesicherten ETF-Tranche ("CHF hedged"), bezahlt dafür ungefähr die Zinsdifferenz im Geldmarkt - derzeit pro Jahr rund 4,2 Prozentpunkte gegenüber dem Dollar und 2,7 Prozentpunkte gegenüber dem Euro.
Von gut 5 Prozent Rendite auf Dollar-Obligationen bleibt in Franken so nur gut 1 Prozent übrig, bei Euro-Obligationen knapp 0,7 Prozent.
Das ist immer noch etwas mehr als bei Eidgenossen, aber deutlich weniger, als es auf den ersten Blick scheint. Zudem ist zu beachten, dass die Bonität bei US-Treasuries gegenüber Schweizer Staatsanleihen etwas tiefer eingestuft wird.
Fazit
Die gestiegenen Renditen bieten Privatanlegern die Möglichkeit, ihr Portfolio neu zu justieren. Besonders interessant sind Obligationen für vorsichtige Anleger sowie für Investoren, deren Aktienanteil nach den starken Kursgewinnen der letzten Jahre über die ursprünglich vorgesehene Gewichtung hinausgewachsen ist.
Die Rekordzuflüsse zeigen zwar, dass Obligationen wieder gefragt sind. Allein daraus lässt sich jedoch kein Kaufsignal ableiten. Entscheidend bleibt die Rolle, die Obligationen im Portfolio erfüllen: Sie sorgen für Stabilität, liefern laufende Erträge und können Verluste in turbulenten Börsenphasen abfedern.
Gerade in einem Umfeld hoher Bewertungen an den Aktienmärkten bieten sie damit wieder einen Nutzen, den viele Anleger in den Jahren der Nullzinsen fast vergessen hatten.
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