Reiseboom mit Rissen: Wie sich die Ferienbranche im Sommer schlug
VZ Analyse
Energiepreise und geopolitische Unsicherheit belasten die Tourismusindustrie ungleich. Ein Blick auf die Sommerzahlen von fünf zentralen Unternehmen zeigt, wo die Unterschiede liegen.
Publiziert 25. Sep 2026
Autor
Roman Gfeller
Funktion Anlageexperte
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Die globale Reiselust hielt sich im diesjährigen Sommer besser als erwartet. Reiseunternehmen, die in dieser Saison bestehen wollten, mussten vor allem flexible Kostenstrukturen und technische Anpassungsfähigkeit vorweisen.
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Denn das Marktumfeld hat sich verschärft: die Eskalation des Iran-Kriegs hat eine Welle globaler Unsicherheiten ausgelöst. Sie belastet nicht nur die Aktienkurse der Tourismusbranche, sondern treibt über höhere Öl- und Gaspreise auch die Betriebskosten der Reisebranche an. Gleichzeitig ändern sich die Reisegewohnheiten. Buchungen werden kurzfristiger, Destinationen selektiver gewählt, und kürzere, flexiblere Aufenthalte gewinnen an Gewicht.
Gleichzeitig ändern sich die Reisegewohnheiten. Buchungen werden kurzfristiger, Destinationen selektiver gewählt, und kürzere, flexiblere Aufenthalte gewinnen an Gewicht. Die nachfolgenden fünf Kern-Titel des Sektors zeigen, dass sich das Feld in widerstandsfähige und verwundbare Unternehmen teilt.
Jungfraubahn
Wie empfindlich regionale Tourismusunternehmen auf globale Schocks reagieren, zeigt die Jungfraubahn. Das Bergbahnunternehmen im Berner Oberland verzeichnete im ersten Halbjahr einen Rückgang der Besucherzahlen auf dem Jungfraujoch um 18 Prozent. Der Gewinn sank um 22 Prozent auf 28,9 Millionen Franken. Das Unternehmen ist stark vom asiatischen Markt abhängig. Die Eskalation zwischen den USA und dem Iran hat die Reiselust der kaufkräftigen Kundschaft aus Fernost spürbar gebremst. Der Ausfall asiatischer Reisegruppen reisst Lücken auf, die das inländische Geschäft nicht vollständig schliesst. Die Substanz bleibt durch Immobilienwerte und strenges Kostenmanagement erhalten. Die Entwicklung verdeutlicht jedoch das Klumpenrisiko des alpinen Qualitätstourismus in einer geopolitisch instabilen Lage.
TUI
Am direktesten an der Energiekrise steht TUI als grösster integrierter Reisekonzern. Das Unternehmen betreibt eigene Flugzeuge, Hotelanlagen und Kreuzfahrtschiffe und ist von den höheren Öl- und Gaspreisen direkt betroffen. Das jüngste Buchungsupdate zeigt eine unterschiedliche Entwicklung: Die eigenen Hotelmarken und die Flotte von TUI konnten höhere Preise durchsetzen, das klassische Pauschalreisegeschäft schwächt sich ab. Angesichts der Unsicherheiten in Europa buchen Kunden kurzfristiger und meiden Destinationen im östlichen Mittelmeerraum. Das Management hält am operativen Jahresziel von 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro bereinigtem Ergebnis fest. Gegenüber den digitalen Plattformen bleibt das Geschäftsmodell durch hohe Fixkosten und Verschuldung anfälliger für externe Schocks.
Flughafen Zürich
Andere Herausforderungen bewältigt der Flughafen Zürich. Als Infrastrukturunternehmen der Schweiz sichern die Passagiertaxen des regulierten Flugbetriebs stabile Grundeinnahmen. Zusätzlich erwirtschaften die kommerziellen Flächen im Airside-Bereich Erträge. Mit über 3,3 Millionen Passagieren im August bewegte sich der Hub nahe an Rekordwerten. Schweizer Reisende verzichten trotz des internationalen Krisenmodus nicht auf das Fliegen. Die Ausgaben pro Passagier stiegen auf 22.10 Franken und halfen damit, die baulichen Investitionen zu refinanzieren.
Gleichzeitig zeigt sich ein klarer Trend: Das Wachstum kommt vor allem von europäischen Kurz- und Mittelstrecken, während Interkontinentalverbindungen – insbesondere in den Nahen Osten – schwächer ausfallen. Höhere Flugfrequenzen bei teilweise niedrigerer Auslastung deuten auf mehr kürzere Reisen aus dem lokalen Markt hin. Die durch den Konflikt getriebenen Kerosinpreise könnten Airlines dennoch zu Ticketpreiserhöhungen zwingen und das Wachstum im Langstreckenverkehr dämpfen.
Booking.com
Als Plattform ohne eigene Hotelimmobilien behauptet sich Booking.com. Das Plattform-Modell erweist sich im aktuellen Umfeld als Vorteil, denn das Unternehmen spürt die steigenden Heiz- und Betriebskosten der Hoteliers nicht direkt. Trotz erneut aufkommender Inflation und geopolitischer Unsicherheit stiegen die weltweiten Buchungsnächte im zweiten Quartal um 5 Prozent. Der Umsatz stieg auf 7,3 Milliarden Dollar. Das Management steuert die Marketingausgaben auf den eigenen Plattformen präzise. Individualreisende sind bereit, trotz der Unsicherheiten Geld für Ferien auszugeben, und Booking.com profitiert von dieser Nachfrage, ohne dabei eigenes Kapital einzusetzen. Der Trend zu flexiblen, kurzfristig buchbaren Aufenthalten spielt dem Unternehmen zusätzlich in die Hände.
Airbnb
In einer ähnlichen Position steht Airbnb. Der Konzern hat sich vom reinen Zimmervermittler zu einer breiteren Plattform entwickelt. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz um über 16 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar. Den entscheidenden Schritt machte das Unternehmen bei der Profitabilität: Die IT-Infrastruktur und der globale Kundenservice wurden weitgehend auf Systeme mit KI umgestellt. Die internen Kosten sanken spürbar, die operative Marge kletterte auf 35 Prozent. Individuelle Ferienunterkünfte bleiben für viele Konsumenten eine günstigere und flexiblere Alternative zu klassischen Hotels – ein Trend, der sich unter den aktuellen Unsicherheiten verstärkt.
Was das für Anleger bedeutet
Für Anleger lohnt sich daher ein genauer Blick auf die Kostenstruktur und die Bilanzqualität eines Unternehmens. Denn gerade in einem unsicheren Umfeld erweisen sich tiefe Fixkosten, finanzielle Stabilität und ein robustes Geschäftsmodell häufig als wichtiger als kurzfristige Nachfrageschwankungen.
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