Privatmarktanlagen: Finanzbranche setzt immer mehr auf Kleinanleger
VZ Analyse
Auf der Suche nach Rendite entdeckt die Finanzbranche immer weitere Anlagebereiche. Ein heisses Thema derzeit sind Privatmarktanlagen. Die Neobank Revolut hat kürzlich die Grenzen deutlich nach unten verschoben.
Publiziert 7. Aug 2026
Autor
Thomas Züttel
Funktion Anlageexperte
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Das britische Fintech-Unternehmen Revolut hatte vor einigen Tagen angekündigt, seinen Kunden Zugang zu Privatmarktanlagen zu ermöglichen. Dazu ist die Online-Bank Partnerschaften mit Partners Group sowie mit Apollo, Ares und Hamilton Lane und eingegangen.
Künftig sollen Privatanleger bereits ab 1 Euro in entsprechende Produkte investieren können. Damit setzt Revolut die Anlagegrenze deutlich nach unten. Bislang war es möglich gewesen, bei auf Privatmarktanlagen spezialisierten Fondsanbietern Anteile zu kaufen, die sich in der Regel im drei- oder vierstelligen Bereich bewegen.
Was sind Privatmarktanlagen?
Privatmarktanlagen umfassen Beteiligungen an nicht börsengehandelten Unternehmen (Private Equity), Infrastrukturprojekten oder Privatkrediten. Im Gegensatz zu Aktien und Obligationen werden solche Unternehmen nicht an einer Börse gehandelt. Entsprechend ist der Handel mit ihren Anteilen deutlich weniger liquide.
Lange Zeit waren diese Strategien institutionellen Investoren und vermögenden Privatkunden vorbehalten. Vor zwei Jahren ist der entsprechende Regulierungsrahmen überarbeitet worden. Mit ELTIF 2.0 (European Long-Term Investment Fund) können entsprechende Produkte mittlerweile auch breiteren Anlegerkreisen angeboten werden.
Der ELTIF-Rahmen
Die Struktur des European Long-Term Investment Fund (ELTIF) wurde bereits 2015 geschaffen. Erst die Reform von 2024 führte jedoch zu einer breiteren Marktakzeptanz.
Ziel des Regelwerks ist es, langfristige Investitionen in Anlageklassen wie Private Equity, Infrastruktur oder Privatkredite auch für Privatanleger zugänglich zu machen. ELTIF dient dabei als regulatorischer Mantel für den Vertrieb solcher Strategien.
Die Tücken der Illiquidität
ELTIF-Fonds unterscheiden sich wesentlich von klassischen Anlagefonds, die meist als UCITS-Fonds benannt sind. Während UCITS-Anleger ihre Anteile in der Regel täglich zurückgeben können, sind Rücknahmen bei ELTIF meistens nur in grösseren Zeitabständen möglich. Die meisten Anbieter empfehlen deshalb eine Mindestanlagedauer von fünf Jahren.
Die über Revolut angebotenen Produkte sollen zumindest quartalsweise rückgabefähig sein. Hinzu kommen weitere Einschränkungen, sodass Anleger unter Umständen deutlich länger auf die Auszahlung ihres Kapitals warten müssen. Revolut weist in seiner Mitteilung denn auch ausdrücklich darauf hin, dass die Fonds «fundamental illiquid» seien.
Damit stellt sich die Frage, ob sich alle Anleger der Konsequenzen dieser Illiquidität bewusst sind. Gerade die niedrige Einstiegsschwelle könnte dazu verleiten, Risiken zu unterschätzen.
Rückgabedruck bei Privatkreditfonds
Die Ankündigung erfolgt in einer Zeit, in der einzelne Privatkreditfonds mit erhöhten Rücknahmebegehren konfrontiert sind. Kürzlich gab Partners Group bekannt, die vierteljährlichen Rücknahmen bei einzelnen Fonds auf 5 Prozent des Nettoinventarwerts zu deckeln. Beim US-Anbieter Blue Owl konnten Rücknahmewünsche von Investoren zum Teil gar nicht mehr vollständig bedient werden. Die Gesellschaft sah sich deshalb gezwungen, die Rücknahmen zu begrenzen. In der Branche spricht man von «Gating».
Auffällig ist dabei, dass vor allem Anlagevehikel mit hoher Beteiligung von Privatanlegern betroffen waren. Diese verfügen oft über einen kürzeren Anlagehorizont als institutionelle Investoren wie Pensionskassen und reagieren tendenziell schneller auf Marktbewegungen. Dies wirft die grundsätzliche Frage auf, ob illiquide Privatmarktanlagen für einen breiten Privatkundenmarkt überhaupt geeignet sind.
Hohe Gebühren
Neben der eingeschränkten Handelbarkeit fällt vor allem die Kostenstruktur ins Gewicht. Die von Revolut angebotenen Fonds weisen Verwaltungsgebühren zwischen 1,65 und 2,35 Prozent pro Jahr aus. Auch andere Anbieter verlangen ähnlich hohe Gebühren.
Hinzu kommen erfolgsabhängige Vergütungen von 10 bis 15 Prozent der erzielten Rendite. Insgesamt können die laufenden Kosten damit rasch auf 3 Prozent oder mehr pro Jahr ansteigen. Für Anleger stellt sich deshalb die Frage, ob die erwarteten Mehrrenditen diese Gebühren langfristig rechtfertigen.
Braucht es Privatmarktanlagen im Portfolio?
Private Equity, Privatkredite und Infrastrukturinvestitionen können durchaus attraktive Renditeeigenschaften aufweisen und eröffnen Zugang zu Märkten, die über traditionelle Wertschriften nicht erreichbar sind.
Gleichzeitig teilen diese Anlageklassen eine zentrale Eigenschaft: ihre Illiquidität. Da die Anlagen nicht über organisierte Börsen gehandelt werden, benötigt jede Transaktion einen Käufer auf der Gegenseite. In Phasen erhöhter Rückgabewünsche kann dies zu erheblichen Einschränkungen führen.
Für Anleger bedeutet dies, dass sie einen längeren Anlagehorizont mitbringen und auf kurzfristige Verfügbarkeit ihres Kapitals verzichten müssen.
Fazit
Mit ELTIF 2.0 werden Privatmarktanlagen für ein breiteres Publikum zugänglich. Das schafft neue Anlagemöglichkeiten, erhöht aber auch die Anforderungen an die Anleger.
Private Equity, Infrastruktur und Privatkredite können ein Portfolio ergänzen. Dem stehen jedoch eine geringe Liquidität, hohe Kosten und eine begrenzte Transparenz gegenüber. Wer in solche Produkte investiert, sollte die Rückgabebedingungen genau verstehen und sich bewusst sein, dass das investierte Kapital unter Umständen über längere Zeit gebunden bleibt.
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