Prämienschock: Verdienen Spitalaktien mit?
VZ Analyse
Die Krankenkassenprämien steigen 2027 im Durchschnitt um 5 Prozent. Wer immer mehr für das Gesundheitswesen bezahlt, fragt sich: Profitieren die Spitäler davon - und lässt sich dieser Trend an der Börse nutzen?
Publiziert vor 8 Stunden
Autor
Luca Liebi
Funktion Anlageexperte
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Ende September hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Prämien für 2027 bekanntgegeben. Die mittlere Prämie steigt um 5 Prozent auf 412 Franken pro Monat. Erwachsene ab 26 Jahren bezahlen im Schnitt 487.60 Franken, das sind rund 270 Franken mehr pro Jahr. Seit 2022 ist die mittlere Prämie damit um gut 30 Prozent gestiegen.
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Der Grund ist einfach: Die Prämien müssen die Kosten decken, und diese wachsen weiter. 2025 stiegen die Kosten in der Grundversicherung um 5,3 Prozent. Als wichtigste Treiber nennt das BAG mehr Behandlungen pro Patient, den medizinischen Fortschritt, die Alterung der Bevölkerung und höhere Tarife.
Mehr Geld heisst nicht mehr Gewinn
Spitalleistungen gehören zu den grössten Kostenblöcken im Gesundheitswesen. Trotzdem bleibt bei den meisten wenig übrig. Der Grund: Die Preise für Behandlungen sind reguliert. Die Spitäler verhandeln ihre Tarife mit den Krankenkassen. Genehmigt werden sie von den Kantonen oder vom Bundesrat.
Gemäss dem Spitalverband H+ lagen die ambulanten Tarife vor der Tarifreform von Anfang 2026 im Schnitt rund 25 Prozent unter den effektiven Kosten.
Das zeigt sich in den Zahlen: Gemäss der aktuellen Spitalstudie von PwC kamen die Akutspitäler 2025 auf eine Ebitdar-Marge von 6,8 Prozent, nach 4,5 Prozent im Vorjahr. Diese Kennzahl misst das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Mietaufwand. Von 100 Franken Umsatz blieben damit knapp 7 Franken als operativer Ertrag übrig.
Wie angespannt die Lage ist, zeigt das Spital Wetzikon im Zürcher Oberland. Es befindet sich seit 2024 in Nachlassstundung und konnte eine Anleihe über 170 Millionen Franken bei Fälligkeit nicht zurückzahlen. Den Gläubigern werden derzeit bis zu 47,5 Prozent ihrer Forderungen angeboten, je nach Geschäftsgang etwas mehr.
Die Erkenntnis für Anleger: Auch wenn Gemeinden oder Kantone hinter einem Spital stehen, haften sie nicht automatisch für dessen Schulden.
Nur wenige Spitalaktien an der Schweizer Börse
Dass es kaum Spitalaktien gibt, hat vor allem politische Gründe. Für die Spitalversorgung sind die Kantone zuständig: Sie planen das Angebot, führen die Spitalliste und vergeben die Leistungsaufträge. Zudem bezahlen sie heute mindestens 55 Prozent jeder stationären Behandlung. Die meisten Spitäler gehören deshalb Kantonen oder Gemeinden. Entweder als öffentliche Anstalt oder als Aktiengesellschaft im Besitz der öffentlichen Hand.
Auch die Gewinnmöglichkeiten sind begrenzt: Die Tarife müssen sich an Spitälern orientieren, die effizient und günstig arbeiten, und Kantone oder Bundesrat müssen sie genehmigen.
Bei den Krankenkassen ist es eindeutiger: Das Gesetz verbietet einen Erwerbszweck in der Grundversicherung. Die Prämien dürfen nur die Kosten decken, und das Geld aus der Grundversicherung darf nur für die Grundversicherung verwendet werden.
Gewinne sind nur mit Zusatzversicherungen möglich. Die grossen Kassen führen diese oft in eigenen Gesellschaften ihrer Gruppe, doch keine der grossen Gruppen ist an der Börse.
Für Schweizer Anleger bleiben deshalb nur wenige Titel:
Aevis Victoria: Die Beteiligungsgesellschaft hält gut drei Viertel am Swiss Medical Network, einer der beiden grössten Privatklinikgruppen der Schweiz. Im ersten Halbjahr 2026 stieg das operative Ergebnis (Ebitda) im Klinikgeschäft um 33 Prozent auf 46 Millionen Franken.
Die Ebitda-Marge kletterte von 8,1 auf 10,6 Prozent. Das ist vor allem betrieblichen Verbesserungen und Restrukturierungen zu verdanken. Der Nettoumsatz wuchs nur um rund 2 Prozent. AEVIS ist allerdings ein Mischkonzern mit Hotels und weiteren Beteiligungen.
Galenica: Kein Spital, aber ein indirekter Profiteur steigender Gesundheitsausgaben. Zur Gruppe gehören 384 Apotheken.
Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 7,1 Prozent auf 2,14 Milliarden Franken. Apotheken übernehmen zunehmend Aufgaben, die früher beim Arzt lagen: Die Zahl der bezahlten Beratungen und Impfungen nahm um 27 Prozent zu. Für 2026 stellt Galenica eine Dividende auf mindestens dem Vorjahresniveau von 2.50 Franken je Aktie in Aussicht.
Infracore: Die Gesellschaft ist seit Juli 2026 an der Börse und besitzt 47 Spital- und Klinikimmobilien an 19 Standorten im Wert von rund 1,4 Milliarden Franken. Infracore betreibt keine Spitäler, sondern vermietet die Gebäude, mit Verträgen von durchschnittlich knapp 29 Jahren.
Für 2026 ist eine Ausschüttung von rund 3 Franken je Aktie geplant. Weil viele öffentliche Spitäler knapp bei Kasse sind, könnten Spitäler vermehrt ihre Gebäude verkaufen und zurückmieten. Ein aktuelles Beispiel ist das See-Spital in Horgen, dessen Immobilien Infracore übernommen hat. Das Risiko: Die Mieten fliessen nur, solange die Spitalbetreiber zahlen können.
Was heisst das für Anleger?
Steigende Prämien sind kein Kaufsignal für Spitalaktien. Die Politik will die Kosten bremsen: Der Bundesrat legt Ende 2026 erstmals Ziele für das Kostenwachstum in der Grundversicherung fest, die ab 2028 gelten. Spitäler dürften deshalb eher unter Preisdruck geraten als vom Prämienanstieg zu profitieren. Zudem sind AEVIS und Infracore kleine Gesellschaften, deren Aktien wenig gehandelt werden.
Wer vom wachsenden Gesundheitsmarkt profitieren will, fährt mit einem breit gestreuten Ansatz besser. Viele Schweizer Anleger sind über Schwergewichte wie Roche, Novartis oder Alcon ohnehin schon stark im Gesundheitssektor investiert, und diese verdienen ihr Geld weltweit statt mit Schweizer Spitaltarifen.
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