PolyPeptide: So ist das Übernahmeangebot einzuordnen

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Nun ist es offiziell: Samsung Biologics bietet 44.31 Franken pro Aktie des Unternehmens Polypeptide. Was bedeutet das für Anleger? Sollen sie das Angebot annehmen oder auf einen höheren Preis spekulieren?

Publiziert 21. Jul 2026

Autor

Robert Leitner

Funktion Anlageexperte

Seit Bekanntwerden der ersten Übernahmegerüchte im April ist der Aktienkurs von rund 30 Franken auf zwischenzeitlich 49 Franken angestiegen. Das erste offizielle Übernahmeangebot von 44,31 Franken dürfte einige Anleger enttäuschen, denn es liegt rund 10 Prozent unter dem Jahreshöchst.  

Fusionen und Übernahmen gehören zum Alltag an den Finanzmärkten. Anlegerinnen und Anleger müssen sich in einem solchen Fall gut überlegen, was sie mit ihren Aktien machen. 

Die Vorankündigung: Erste Weichenstellung

Bei börsenkotierten Unternehmen beginnt eine Übernahme in der Regel mit einer öffentlichen Vorankündigung. Darin legt der Käufer die zentralen Bedingungen offen – insbesondere den angebotenen Kaufpreis sowie die Dauer der Angebotsfrist.  

Im Falle von Samsung Biologics soll das offizielle Angebot bis spätestens 31. August veröffentlicht werden, der Abschluss ist gegen Ende 2026 geplant. Das Übernahmeangebot ist an eine Bedingung geknüpft: mindestens 66 Prozent der Aktien müssen angedient werden. Da aber der Mehrheitsaktionär Draupnir Holding (55,7%) bereits unverbindlich zugesagt hat, seine Aktien anzudienen, müssen lediglich rund 20 Prozent der Free Float-Aktionäre ihre Aktien andienen damit der Deal als erste Hürde zustandekommt.

Die Angebotsfrist: Zeit für Entscheidungen

Während der Angebotsfrist können Aktionäre ihre Aktien zu den festgelegten Konditionen andienen.  Für Anleger ist die Andienung dann sinnvoll, wenn eine erfolgreiche Übernahme wahrscheinlich erscheint und keine höheren Gegenangebote zu erwarten sind. Die mit dem Verkauf verbundenen Kosten – etwa Stempelsteuern oder Transaktionsgebühren – übernimmt meistens der Käufer. Auch in dieser Zeit bleibt es möglich, die Aktien weiterhin über die Börse zu handeln.

Die Nachfrist: Letzte Chance für Unentschlossene

Wer zögert, erhält in der Nachfrist eine weitere Gelegenheit, seine Aktien zu verkaufen. Dies ist meist ratsam, denn ab einem Stimmrechtsanteil von über 98 % kann der Käufer einen sogenannten Squeeze-out beantragen. Dabei werden die verbleibenden Aktionäre zwangsweise ausgekauft – zum ursprünglichen Angebotspreis. Anschliessend wird die Aktie dekotiert und ist nicht mehr börslich handelbar.

Kursreaktionen: Blick auf den Markt

Während der gesamten Übernahmephase – von der Ankündigung bis zum Abschluss – können Gegenangebote anderer Interessenten den Kurs beeinflussen. Ein Börsenkurs nahe am Angebotspreis deutet auf eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit hin. Liegt der Kurs darüber, spekuliert der Markt auf ein verbessertes Angebot oder einen weiteren Bieter. 

Im Fall von PolyPeptides gilt ein Gegenangebot allerdings als unwahrscheinlich, denn der Mehrheitsaktionär hat bereits eine unverbindliche Zusage zum Verkauf seiner Anteile an Samsung Biologics bekanntgegeben.

Spekulieren auf ein besseres Angebot?

Spekulativ orientierte Investoren hoffen auf eine Nachbesserung des Angebots. Voraussetzung dafür ist, dass der Interessent in der ersten Runde nicht auf die 66 % kommt oder darüber hinaus zu einem späteren Zeitpunkt alle Anteile des Unternehmens besitzen möchte. Im Falle von Samsung Biologics sind die Absichten bereits bekannt: Das Unternehmen strebt das "Going Private" an. Damit dies möglich ist, benötigt das Unternehmen in einem ersten Schritt mehr als 75 Prozent der Anteile. Dann nämlich hat es die vollständige Kontrolle und kann ein Börsen-Delisting von der SIX erwirken, sodass passive Investoren das Interesse am Titel verlieren und weitere Anteile andienen. 

Sollte das 66- und anschliessend das 75-Prozent-Ziel mit dem ersten Angebot nicht erreicht werden, ist ein zweites, verbessertes Angebot wahrscheinlich. 

Andienen oder zukaufen?

Ob ein Einstieg in die Aktie der PolyPeptide Group sinnvoll ist, hängt derzeit vor allem davon ab, wie Anleger die Annahme des Erstgebot einschätzen. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass ein Teil dieser Erwartung bereits im Aktienkurs enthalten ist.

Ein Einstieg ist damit weniger eine taktische Marktentscheidung als eine Einschätzung darüber, ob und wie der Eigentümerwechsel tatsächlich umgesetzt werden soll.

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