Obligationen: weshalb die Anlageklasse oft unterschätzt wird

Analysen
Analysen

VZ Analyse

Im Schatten der täglichen Kursbewegungen bei Aktien steht die Entwicklung des Anleihenmarktes deutlich weniger im Fokus. Dabei lohnt es sich, die Funktionsweise und den Portfoliocharakter zu verstehen. Obligationen stabilisieren die Erträge, steuern die Risiken und machen das Portfolio robuster.

Publiziert 23. Jul 2026

Autor

Claudio Betschart

Funktion Anlageexperte

Der Obligationenmarkt ist mit einem Volumen von weltweit rund 130 Billionen Dollar das Rückgrat des Finanzsystems und nimmt eine Schlüsselrolle ein. Er steuert in vielerlei Hinsicht die Realwirtschaft, da sich die Zinssätze für Hypotheken, Autokredite oder Unternehmensfinanzierungen direkt an den Entwicklungen der Zinsmärkte orientieren – ebenso wie die Währungskurse. 

Die enorme Bedeutung zeigt sich besonders bei starken Zinsänderungen, welche die Bewertung von Aktien, Immobilien und anderen Anlageklassen beeinflussen. So sorgten die heftigen Zinserhöhungen der Zentralbanken 2022 für eines der schwierigsten Anlagejahre seit der Finanzkrise. Auch im Frühjahr 2025 zwang der Zinsmarkt den US-Präsident Donald Trump zu einem Kurswechsel im US-Zollstreit.

Vor allem die Renditen langfristiger Staatsanleihen gelten weltweit als zentrale Referenzgrösse für die Bewertung von Vermögenswerten, insbesondere von Aktien. Jegliche Bewegung des Zinsniveaus entfaltet eine erhebliche Signalwirkung. Zinsänderungen verändern den heutigen Wert zukünftiger Erträge, wodurch die Bewertungsgrundlagen angepasst werden müssen.

Besonders deutlich wird dieser Effekt bei Unternehmen, deren Wert stark von künftigen Gewinnen abhängt. Entsprechend geraten vor allem wachstumsorientierte Anlagen wie Technologieaktien bei steigenden Zinsen häufig unter Druck. Aber auch auf die Preisbildung von Zinswerten hat dies einen grossen Einfluss.

Für defensivere Anlageprofile sind Obligationen ein wesentlicher Baustein. Sie stabilisieren die Ertragsstruktur und machen das Depot robuster gegenüber unterschiedlichen Marktphasen. Wie im gesamten Depotkonstrukt ist auch bei den Anleihen ein diversifizierter Ansatz zu wählen. Dabei gilt es, die unterschiedlichen Bonitäten, die verschiedenen Währungsräume, die Zinssensitivität sowie die Laufzeiten gleichermassen zu berücksichtigen. Diese Charakteristiken entscheiden über die jeweiligen Einsatzmöglichkeiten.

Aufgrund der Bedeutung und der Komplexität dieses Marktes gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Anleihen-Arten. Für Schweizer Anlegerinnen und Anleger bilden Franken-Anleihen das Kernelement. Es handelt sich dabei um in Schweizer Franken denominierten Anleihen unterschiedlicher Emittenten, welche aber nicht ausschliesslich aus der Schweiz kommen. Dennoch kann von der hohen Bonität vieler Schweizer Schuldner profitiert werden. Dieses Segment wird im Swiss Bond Index (SBI) zusammengefasst, der die entsprechende Kursentwicklung abbildet. Der SBI bietet eine breite Diversifikation qualitativ hochwertiger Anleihen ohne Währungsrisiko.

Gerade in einem Umfeld anhaltender geopolitischer Unsicherheiten, schwankender Inflationserwartungen und möglicher Zinsänderungen gewinnt die Rolle von Obligationen erneut an Bedeutung. Während die Aktienmärkte häufig von kurzfristigen Schlagzeilen geprägt werden, leisten qualitativ hochwertige Anleihen gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Stabilität eines breit diversifizierten Portfolios.
Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei den aufgezeigten Informationen handelt es sich um Werbung gemäss Art. 68 FIDLEG.