Nach dem Ausverkauf: Warum Anleger wieder Software-Aktien kaufen

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Die Angst war gross: Künstliche Intelligenz könnte klassische Software überflüssig machen. Entsprechend brutal fiel der Ausverkauf bei vielen Software-Aktien aus. Doch die jüngste Erholung zeigt, dass an der Börse ein Umdenken stattfindet.

Publiziert 8. Sep 2026

Autor

Ramon Hess

Funktion Anlageexperte

Noch vor wenigen Monaten schien die Sache für Anlegerinnen und Anleger klar: Künstliche Intelligenz ist eine Bedrohung für die Softwarebranche.

Neue KI-Modelle können programmieren, Inhalte erstellen, Kundenanfragen beantworten und zunehmend auch komplexe Arbeitsabläufe automatisieren. Die Befürchtung: Wenn Software dank KI einfacher und günstiger entwickelt werden kann, könnten etablierte Anbieter ihre technologische Vormachtstellung verlieren.

Und wenn KI-Agenten Aufgaben zunehmend autonom erledigen, benötigen Unternehmen möglicherweise weniger Softwarelizenzen und Nutzerzugänge.

Entsprechend brachen die Kurse von Software-Aktien im Frühling ein. Doch seit Juli zeichnet sich eine klare Gegenbewegung ab. Der MSCI World Software Index liegt in Franken gerechnet inzwischen mehr als 5 Prozent im Plus, nachdem er im April zwischenzeitlich rund 15 Prozent verloren hatte.

Macht Künstliche Intelligenz Software doch nicht obsolet?

Die Sorgen der Anlegerinnen und Anleger sind nicht völlig unbegründet. KI verändert die ökonomischen Grundlagen der Softwareindustrie. Programmieren wird einfacher, Entwicklungszyklen werden kürzer und neue Konkurrenten können schneller Produkte auf den Markt bringen. Damit sinken die Eintrittsbarrieren.

Doch Unternehmenssoftware besteht nicht nur aus Code. Ein Konzern ersetzt seine Software nicht einfach durch ein neues KI-Modell. Die Systeme sind tief in die IT-Infrastruktur integriert. Sie enthalten Kundendaten, Geschäftsprozesse und Schnittstellen zu zahlreichen anderen Anwendungen.

Gerade hier liegt ein wichtiger Vorteil der etablierten Anbieter. Beispielsweise verfügt Salesforce über eine riesige installierte Kundenbasis im CRM-Bereich. SAP ist tief in den Geschäftsprozessen grosser Unternehmen verankert. ServiceNow bildet zentrale Arbeitsabläufe und IT-Prozesse ab. Oder auch Microsoft kontrolliert einen besonders grossen Teil der digitalen Arbeitsumgebung seiner Kunden.

Dementsprechend können die Unternehmen Künstliche Intelligenz direkt in ihre bestehenden Produkte integrieren. Damit verändert sich auch die Investmentstory: KI ersetzt Software nicht, sondern macht sie leistungsfähiger.

Hohe Margen und steigende Gewinne schaffen einen Puffer

Interessant ist dabei ein Blick auf die Profitabilität. Die im MSCI World Software Index enthaltenen Unternehmen dürften 2026 eine Gewinnmarge von knapp 32 Prozent erzielen. Gleichzeitig soll der Gewinn pro Aktie gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent steigen.

Das zeigt: Trotz der Befürchtung, dass KI bestehende Softwareprodukte entwerten könnte, rechnet der Markt weiterhin mit deutlich steigenden Gewinnen bei den Unternehmen.

Die etablierten Softwareunternehmen verfügen also über erhebliche finanzielle Ressourcen, um selbst in künstliche Intelligenz zu investieren.

SoftwareOne: KI als Wachstumstreiber

Aus Schweizer Sicht ist SoftwareOne besonders interessant. Mit einer Rendite von 9,2 Prozent seit Jahresbeginn hat sich die Aktie besser als der MSCI World Software Index entwickelt.

Gleichzeitig unterscheidet sich das Geschäftsmodell von jenem klassischer Softwarehersteller.

SoftwareOne entwickelt nicht primär eine einzelne Softwareplattform, die durch einen neuen KI-Konkurrenten ersetzt werden könnte. Das Unternehmen unterstützt vielmehr Firmen beim Einkauf, der Verwaltung und der Optimierung von Software- und Cloudlösungen. Genau diese Rolle könnte im Zeitalter der künstlichen Intelligenz an Bedeutung gewinnen.

Denn mit dem Einsatz von KI steigt für viele Unternehmen die Komplexität ihrer IT-Landschaft. Neue Cloud-Anwendungen, steigender Rechenbedarf, verschiedene KI-Modelle und eine wachsende Zahl von Softwareanbietern müssen verwaltet und finanziell optimiert werden. Für SoftwareOne kann diese zunehmende Komplexität selbst zu einer Geschäftschance werden.

Die erwartete Gewinnmarge von rund 9 Prozent liegt zwar deutlich unter jener der globalen grossen Player. Dafür wird für 2026 ein Gewinnwachstum pro Aktie von 90 Prozent erwartet.

Fazit

Die erste Phase des KI-Booms gehörte den Chipherstellern und Infrastrukturunternehmen. Anlegerinnen und Anleger investierten in jene Unternehmen, die Rechenleistung, Chips und Rechenzentren liefern.

Jetzt beginnt möglicherweise die zweite Phase. Die Börse sucht nach Unternehmen, die mit künstlicher Intelligenz tatsächlich Geld verdienen können. Die jüngste Rally bei Softwaretiteln deutet darauf hin, dass die Märkte wieder stärker an diese Möglichkeit glauben.

Besonders interessant erscheinen dabei auch Spezialisten wie SoftwareOne. Für das Schweizer Unternehmen könnte KI weniger eine Bedrohung als vielmehr ein zusätzlicher Wachstumstreiber sein. Denn je komplexer die technologische Landschaft wird, desto wertvoller könnte ein Anbieter werden, der Unternehmen bei der Auswahl, Integration und Optimierung dieser Technologien unterstützt.

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