Multipolares Finanzsystem: Das sind die Chancen für Schweizer Banken

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Die Dominanz der Wall Street gerät ins Wanken: Geopolitische Spannungen und Kapitalflüsse eröffnen neue Chancen für Europa, Asien – und die Schweiz. Schon kleine Verschiebungen bewegen Billionen und verändern die Finanzwelt.

24. Sep 2025

Beschreibung

Autor: Andreas Paciorek / VZ VermögensZentrum

Die Geopolitik und die Handelspolitik könnten Kapitalbewegungen verursachen, von denen andere Finanzplätze profitieren würden. Zu den Nutzniessern könnte insbesondere die Schweiz sowie die EU gehören. Das zeigt die Studie «Defying Gravity» von Morgan Stanley und Oliver Wyman. Darin werden drei Szenarien für die Zukunft der globalen Bankenlandschaft skizziert.

Amerikanische Institute dominieren seit Jahrzehnten die globale Bankenwelt: Fast ein Drittel der weltweiten Erträge mit grossen Unternehmenskunden und rund 44 Prozent der Investmentbanking- und Handelsumsätze entfallen auf die sechs grössten US-Banken. Auch im weltweiten Handelsvolumen und bei den globalen Vermögensbeständen nehmen die USA eine zentrale Rolle ein. 

Wachsende geopolitische Spannungen und die Unberechenbarkeit der US-Aussenpolitik könnten die Investoren dazu bewegen, Kapital verstärkt in andere Regionen zu verlagern. Schon ein Prozentpunkt veränderter Kapitalallokation entspricht laut Studie rund 1,5 Billionen US-Dollar an Kapitalabflüssen aus den USA – genug, um die Kräfteverhältnisse spürbar zu verschieben. 

Drei Szenarien für die Zukunft 

Die Studie skizziert drei mögliche Entwicklungspfade: 

1. Unangefochtene US-Vorherrschaft: Die Wall Street bleibt uneinholbar, Kapitalmarktreformen in Europa und Asien greifen zu wenig. 

2. Globale Kontraktion: Handelskonflikte und Unsicherheit bremsen Investitionen, die Erträge sinken. 

3. Multipolare Welt: Europa und Asien gewinnen an Gewicht, Kapitalmarktreformen greifen, Investoren verlagern Mittel in die Heimatregionen. 

Gerade im Szenario der Multipolarität eröffnen sich laut Studie neue Chancen für die Konkurrenz ausserhalb der USA: Bis 2028 könnten schweizerische, europäische und asiatische Banken ihre Erträge im Grosskunden-Geschäft um rund 80 Milliarden Dollar pro Jahr steigern. Der US-Marktanteil würde zwar nur leicht zurückgehen (von 44 auf 42 Prozent), doch selbst kleine Verschiebungen haben angesichts der gewaltigen Summen enorme Wirkung. 

Schweizer Banken: Chancen im Umbruch 

Die Studie nennt die UBS als Teil der europäischen Top-Kohorte. Nach der Übernahme der Credit Suisse ist sie der dominierende Akteur im Land. Ihre globale Stärke im Wealth Management sowie ihre internationale Vernetzung verschaffen ihr eine solide Ausgangslage. 

Aus Schweizer Sicht lässt sich ergänzen: Gerade ihre Rolle als Brückenkopf zwischen Europa, Asien und Nahost könnte der UBS Vorteile sichern, die US-Banken in dieser Form nicht haben. Andere Schweizer Institute werden in der Studie zwar nicht explizit genannt. Doch der gesamte Finanzplatz Zürich könnte indirekt profitieren – insbesondere dann, wenn Europa regulatorisch enger zusammenrückt und Kapitalmarktinitiativen wie die EU-Spar- und Investitionsunion Fahrt aufnehmen. 

Europas Herausforderer: Integration als Schlüssel 

Was die Institute im übrigen Europa anbelangt, verweisen die Analysten auf Institute wie BNP Paribas, Crédit Agricole, Deutsche Bank, Société Générale, HSBC und Standard Chartered. Diese Banken verfügen über eine breite Kundenbasis, internationale Reichweite und spezialisierte Stärken – vom Asset Management über den Derivatehandel bis hin zu Emerging-Market-Netzwerken. 

Entscheidend bleibt jedoch, ob Europa regulatorische Hürden abbaut und grenzüberschreitende Finanzströme erleichtert. Nur dann könnten die Banken einen Teil der Marktanteile zurückerobern, die in den letzten Jahrzehnten an die USA gewandert sind. Für Anleger heisst das: Wer auf europäische Banken setzt, wettet nicht nur auf einzelne Geschäftsmodelle, sondern auch auf die politische Bereitschaft, die Kapitalmarktunion voranzutreiben. 

Japans Finanzhäuser: Rückkehr auf die Weltbühne 

Im Hinblick auf Japan werden in der Studie zwei Institute hervorgehoben: Mizuho Financial Group und Nomura Holdings. Mizuho gilt als regional stark verankert und finanziell solide, Nomura als international aktives Wertpapierhaus mit Potenzial, wenn asiatische Unternehmen ihre Kapitalmarktaktivitäten stärker in der Region abwickeln. Auch MUFG und SMBC könnten als Schwergewichte gut positioniert sein. 

Für Japan könnte sich die Chance auf eine Renaissance als Finanzzentrum andeuten – getragen von verbesserten Governance-Standards, einer wachsenden Investorenbasis und der Abkehr von Negativzinsen. 

Emerging Markets: Exoten mit Potenzial 

Neben den etablierten Finanzzentren richtet die Studie den Blick auch auf Schwellenländer. Genannt werden Banco BTG Pactual (Brasilien), Standard Bank (Südafrika), KB Financial (Südkorea) und Kotak Mahindra Bank (Indien). Diese Institute sind in ihren Heimatregionen gut verankert und profitieren von wachsenden Mittelschichten sowie der zunehmenden Bedeutung lokaler Kapitalmärkte. 

Fazit 

Die Studie zeigt: Selbst in einem multipolaren Szenario behalten US-Banken ihre dominante Rolle. Doch schon kleine Marktanteilsverschiebungen können enorme Summen bewegen und Chancen für andere Finanzplätze eröffnen.

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