Luxusaktien im Ausverkauf

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Geopolitische Spannungen, hohe Zölle und die schwache Nachfrage aus China setzen der Luxusbranche seit einiger Zeit zu. Das zeigt sich auch an der Börse: Viele der grossen Luxuskonzerne haben seit Jahresbeginn deutlich an Wert verloren.

Publiziert vor 10 Stunden

Autor

Christian Huber

Funktion Anlageexperte

Besonders hart trifft es LVMH. Noch 2023 war der französische Luxuskonzern das wertvollste Unternehmen Europas. Damals erreichte die Aktie mit über 900 Euro ein Allzeithoch. Seither hat sie mehr als die Hälfte ihres Werts verloren und notiert inzwischen bei knapp 400 Euro.

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Allein 2026 beträgt das Minus 36 Prozent. Ein weiterer Kursrückgang von 2,4 Prozent am vergangenen Dienstag führte dazu, dass LVMH erstmals seit 2017 nicht mehr zu den zehn wertvollsten Unternehmen Europas zählt. Auch Hermès (–35 Prozent) und der Gucci- und YSL-Eigentümer Kering (–21 Prozent) haben seit Jahresbeginn deutlich an Wert verloren. 

Die Kursverluste belasten den europäischen Luxusaktienindex Stoxx Europe Luxury 10, der seit Anfang Jahr um 23 Prozent nachgegeben hat. Ohne die vergleichsweise starke Entwicklung von Ferrari, dem Brillenkonzern EssilorLuxottica und Richemont würde die Bilanz noch schlechter ausfallen.

 

Warum die Nachfrage nachlässt

Lange profitierte die Luxusbranche vom wachsenden Wohlstand in Asien, insbesondere in China. Doch dieser Wachstumsmotor ist ins Stocken geraten. Gemäss Bain & Company schrumpfte der chinesische Luxusmarkt 2025 um drei bis fünf Prozent. Im Juli geriet LVMH zudem wegen eines Urheberrechtsstreits mit der Bubble-Tea-Kette Molly Tea in die Kritik chinesischer Medien. Zusätzlichen Gegenwind bringen die Unsicherheit über die US-Zölle und der Konflikt im Nahen Osten, der die Verkäufe in den dortigen Einkaufszentren deutlich belastet.

Die schwächere Nachfrage hinterlässt Spuren in den Geschäftszahlen. LVMH verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 im wichtigen Mode- und Lederwarengeschäft einen Umsatzrückgang von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Immerhin konnte der Konzern seine operative Marge von über 22 Prozent bislang stabil halten. Auch Kering musste in diesem Segment einen vergleichbaren Umsatzrückgang hinnehmen.

Allerdings trifft die Krise nicht alle Luxuskonzerne gleich stark. Das zeigt sich besonders bei Richemont. Der Schweizer Konzern, zu dem Marken wie Cartier, Van Cleef & Arpels und IWC Schaffhausen gehören, verzeichnet seit Jahresbeginn ein leichtes Kursplus.

Der Grund liegt vor allem im Geschäftsmix. Während die Nachfrage nach Lederwaren schwächelt, zeigt sich das Uhren- und Schmuckgeschäft deutlich widerstandsfähiger. Auch die gestiegenen Goldpreise konnten die Nachfrage bislang nicht entscheidend bremsen. Richemont steigerte seine Schmuckverkäufe im Quartal von April bis Juni gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent.

Auch Swatch hat sich mit einem Kursplus von knapp sieben Prozent seit Jahresbeginn besser gehalten als viele Konkurrenten. Rückenwind erhielt die Aktie unter anderem durch die im Mai bekannt gegebene Zusammenarbeit mit Audemars Piguet.

Lohnt sich der Einstieg?

Trotz des schwierigen Marktumfelds bleiben die Analysten mehrheitlich zuversichtlich. Rund 60 Prozent empfehlen die Aktien von Richemont und LVMH zum Kauf. Bei Swatch und Kering rät dagegen etwa die Hälfte der Analysten zum Halten.

Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob die jüngsten Kursverluste bereits eine attraktive Einstiegsgelegenheit bieten oder ob der Luxusbranche eine längere Schwächephase bevorsteht. Entscheidend dürfte vor allem sein, ob sich die Nachfrage aus China erholt. Auch eine Entspannung der geopolitischen Lage und ein nachlassender Inflationsdruck könnten der Branche neuen Auftrieb verleihen.

Die jüngste Entwicklung zeigt allerdings, dass Luxus nicht gleich Luxus ist. Während Mode- und Lederwarenhersteller besonders unter der schwachen Nachfrage leiden, behaupten sich Schmuck- und Uhrenhersteller bislang deutlich besser. Diese Unterschiede dürften auch für die weitere Kursentwicklung entscheidend bleiben.

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