Logitech: Volatil, aber attraktiv
VZ Analyse
Der Aktienkurs von Logitech verspricht vor allem eines: keine Langeweile. Was steckt dahinter und bieten diese Schwankungen für Anlegerinnen und Anleger auch Chancen? Wir gehen diesen Fragen in der VZ Analyse nach.
Autor
Stefan Müller
Funktion Anlageexperte
Die Aktie von Logitech liegt im Vergleich zum Jahresanfang leicht im Minus. Das klingt unspektakulär. Doch Seitwärtsbewegungen werden bei diesem Chart vergebens gesucht. Logitech ist eine der volatilsten Aktien im Swiss Market Index (SMI). Grosse Schwankungen sind die Norm und nicht eine Seltenheit.
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Merkblatt
Das jüngste Beispiel ereignete sich bei der Veröffentlichung der Unternehmensergebnisse zum zweiten Quartal innerhalb des Geschäftsjahres 2026/2027. Trotz eines ansehnlichen Zahlensets tauchte der Aktienkurs um mehr als 10 Prozent. Davor war der Kurs innert weniger Tage um fast denselben Prozentsatz gestiegen.
Unvergessen bleibt auch die Boomphase der Aktie während der Corona-Pandemie. Diese gipfelte im Allzeithoch Mitte 2021 bei 124 Franken. Kurze Zeit später folgte ein massiver Kurszerfall, bei dem sich der Aktienpreis mehr als halbierte.
Die Entwicklung des Aktienkurses ist seit jeher von starken Schwankungen begleitet. Gerade rund um Ergebnispräsentationen steigt die Volatilität und grössere Kurssprünge in beide Richtungen sind die Folge.
Langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger müssen dies aushalten und ausblenden können. Oft sind die unmittelbaren Kursreaktionen von Übertreibungen geprägt. Wichtig ist, dies richtig einschätzen zu können.
Zyklische Massenprodukte
Die hohe Volatilität hängt einerseits mit dem Geschäftsmodell zusammen. Ein grosser Teil der Produkte wie Computermäuse, Tastaturen, Webcams oder Gaming-Zubehör weist einen hohen Konsumcharakter auf. Entsprechend reagiert die Nachfrage stark auf Veränderungen der Konsumentenstimmung und des konjunkturellen Umfeldes.
Andererseits wird Logitech als Technologieunternehmen wahrgenommen. Dieser Sektor ist naturgemäss mit höheren Auf- und Abschlägen konfrontiert. Die Kotierung an der US-Technologiebörse Nasdaq trägt zusätzlich dazu bei, dass die kurzfristige Entwicklung von Umsatz, Wachstum und Margen stark im Fokus der Anlegerinnen und Anleger steht. Die Erwartungen an das Unternehmen sind deshalb oftmals hoch und werden genau beobachtet.
Gute Zahlen allein reichen bei Logitech somit nicht immer aus. Die Marktteilnehmer honorieren insbesondere, wenn das Unternehmen die Erwartungen übertrifft und gleichzeitig seine Ziele erhöht. Werden die Vorgaben lediglich erreicht, kann dies bereits zu Enttäuschungen führen.
Aus unserer Sicht sollte aber stärker auf die fundamentale Entwicklung des Unternehmens als auf einzelne Quartalszahlen geachtet werden.
Operativ auf Kurs
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026/2027 erhöhte Logitech den Umsatz auf 1,22 Milliarden Dollar. Währungsbereinigt entspricht dies einem Wachstum von 2 Prozent. Damit verzeichnet Logitech bereits das elfte Quartal in Folge ein Umsatzwachstum gegenüber dem jeweiligen Vorjahresquartal.
Erfreulich entwickelte sich auch die Profitabilität. Die bereinigte Bruttomarge stieg um 1,4 Prozentpunkte auf 45,2 Prozent. Damit wurden die Erwartungen übertroffen. Warum also der heftige Kurssturz von letzter Woche?
Zum Verhängnis wurden dem Aktienkurs die steigenden Kosten und der damit verbundene zurückhaltende Ausblick. Logitech erwartet im wichtigen Weihnachtsquartal bei der Bruttomarge einen Rückgang auf 41 bis 42 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit rund zwei Jahren.
Gleichzeitig plant das Unternehmen vorderhand keine Preiserhöhungen. Damit will Logitech das Verkaufsvolumen schützen. Dies begrenzt zwar die Möglichkeit, höhere Kosten über die Preise weiterzugeben, dürfte aber teilweise durch Effizienzmassnahmen aufgefangen werden.
Der Schutz der Marktanteile ist unseres Erachtens strategisch sinnvoll und wird sich mittelfristig auszahlen. Der unmittelbaren Kursreaktion war dies, wie so oft, aber egal.
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen ein insgesamt solides Bild. Wichtige Produktkategorien wie Gaming, Tastaturen und Computermäuse konnten weiter zulegen. Besonders erfreulich entwickelte sich Video Collaboration mit einem zweistelligen Umsatzwachstum.
Leichte Entwarnung gibt es zudem beim Ausfall einer Fabrik eines Halbleiterzulieferers. Der Vorfall wurde im Sommer bekannt. Die Auswirkungen sind weniger drastisch als zunächst befürchtet. Die volle Kapazität wird aber erst gegen Ende des Kalenderjahres wieder erreicht.
Strategisch im Plan
Logitech befindet sich operativ auf Kurs. Ende 2023 übernahm Hanneke Faber die Konzernleitung. Seither wurde die strategische Ausrichtung geschärft. Logitech investiert wieder offensiver in neue Produkte, Forschung und Entwicklung sowie den Vertrieb. Gleichzeitig überzeugt das Unternehmen mit einer hohen Kostendisziplin.
Nach mehreren rückläufigen Quartalen kehrte Logitech Anfang 2024 zum Umsatzwachstum zurück und konnte seither insbesondere auch die Profitabilität deutlich verbessern. Die Voraussetzungen für weiteres Wachstum sind intakt. Das Unternehmen gehört in zahlreichen Produktkategorien zu den führenden Anbietern.
Dass Logitech weiterhin kräftig investiert, zeigt auch die Produktepipeline. Für das anstehende Weihnachtsgeschäft hat das Unternehmen insgesamt 19 neue Produkte angekündigt. Aufgrund des erwähnten Zuliefererproblems wird sich dieses Potenzial kurzfristig allerdings noch nicht vollständig in den Zahlen zeigen.
Fazit
Nach dem aussergewöhnlichen Boom während der Corona-Pandemie folgte bei Logitech die Normalisierung. Inzwischen hat sich das Bild wieder aufgehellt. Wachstum und Profitabilität entwickeln sich gut.
Für weiteres Kurspotenzial spricht aus unserer Sicht die Kombination verschiedener Faktoren: Logitech wächst, die Margen bewegen sich auf einem hohen Niveau und wichtige Segmente wie Gaming und Video Collaboration verzeichnen eine starke Nachfrage.
Für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger, welche sich der hohen Volatilität bewusst sind, können Rückschläge interessante Gelegenheiten bieten.
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