Lindt kämpft mit den Folgen der Hitze

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Die Aktie von Lindt & Sprüngli hat seit Jahresbeginn rund 30 Prozent eingebüsst. Alleine vergangene Woche ging es nach einer weiteren Prognosesenkung deutlich abwärts. Eröffnet der Rückschlag eine Kaufgelegenheit?

Publiziert vor 8 Stunden

Autor

Jonas Wieckert

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Die diesjährige Hitzewelle hat dem Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli stärker zugesetzt als viele Anleger erwartet hatten. Nachdem das Unternehmen seine Wachstumsziele bereits im Frühjahr reduziert hatte, musste es vergangene Woche ein zweites Mal zurückkrebsen. Für 2026 rechnet Lindt nur noch mit einem organischen Umsatzwachstum von 0 bis 2 Prozent statt der ursprünglich angestrebten 6 bis 8 Prozent.

Die erneute Prognosesenkung deutet jedoch nicht nur auf wetterbedingte Belastungen hin. Sie nährt auch Zweifel daran, ob Lindt die stark gestiegenen Kakao- und Produktionskosten weiterhin problemlos an die Kunden weitergeben kann.

Die Reaktion an der Börse fiel entsprechend stark aus. Die Partizipationsscheine verloren nach der Gewinnwarnung zeitweise fast sieben Prozent und fielen auf den tiefsten Stand seit 2021. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 30 Prozent an Wert eingebüsst und gehört damit zu den schwächsten Titeln im Schweizer Leitindex.

Die Aktie von Lindt & Sprüngli hat sich 2026 deutlich schlechter entwickelt als der Gesamtmarkt und auch schwächer als Konkurrent Barry Callebaut. Die jüngste Prognosesenkung hat die Zweifel der Anleger an der Wachstumsstory zusätzlich verstärkt.

Europa bleibt die wichtigste Absatzregion des Konzerns. Rund die Hälfte des Umsatzes wird hier erzielt. Während das Geschäft in Asien und Nordamerika weiterhin wächst, geriet die Nachfrage in mehreren europäischen Märkten zuletzt deutlich unter Druck.

Wenn Schokolade unter der Sonne schmilzt

Die Ursachen für die Umsatzwarnung liegen nicht nur bei den gestiegenen Preisen. Ein entscheidender Faktor war der aussergewöhnlich heisse Sommer in Europa. Besonders betroffen waren Deutschland, die Schweiz und Österreich, wo die Nachfrage nach saisonalen Produkten und Pralinen deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb.

Laut CEO Adalbert Lechner zeigte sich der Effekt vor allem im Direktvertrieb. Bei Temperaturen von deutlich über 30 Grad hatten viele Konsumenten schlicht wenig Interesse daran, ein spezialisiertes Schokoladengeschäft aufzusuchen. Zwar macht dieser Vertriebskanal nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus, die Entwicklung verdeutlicht aber die Anfälligkeit des Geschäftsmodells gegenüber extremen Wetterereignissen.

Gerade hier unterscheidet sich Lindt von vielen Konkurrenten. Anders als Barry Callebaut verkauft der Kilchberger Konzern einen Teil seiner Produkte direkt an die Endkunden. Neben dem klassischen Einzelhandel betreibt Lindt weltweit zahlreiche eigene Geschäfte und Cafés. Dies stärkt die Marke und erhöht die Margen, macht das Unternehmen aber auch anfälliger für kurzfristige Veränderungen im Konsumverhalten. Wenn Kunden bei Sommerhitze Schokolade meiden oder Einkaufszentren seltener besuchen, spürt Lindt dies unmittelbar.

Klimawandel wird zum doppelten Geschäftsrisiko

Die aktuelle Entwicklung könnte weit mehr als ein einmaliger wetterbedingter Rückschlag sein. Der Klimawandel bedroht Lindt gleich von zwei Seiten.

Auf der Nachfrageseite führen häufigere und intensivere Hitzewellen dazu, dass weniger Schokolade konsumiert wird. Besonders betroffen sind Premiumprodukte wie Pralinés oder Lindor-Kugeln, die oft als Genuss- oder Geschenkartikel gekauft werden. Wenn die Temperaturen steigen, greifen Konsumenten vermehrt zu anderen Produkten.

Auf der Angebotsseite stellt der Klimawandel die Kakaoproduktion vor immer grössere Herausforderungen. Kakao wird vor allem in Westafrika angebaut, wo Dürren, Starkregen und Krankheiten die Ernten zunehmend belasten. Die starken Preissprünge der vergangenen Jahre haben bereits gezeigt, wie empfindlich die Branche auf Produktionsausfälle reagiert.

Damit entsteht für Lindt ein doppeltes Klimarisiko: Während hohe Temperaturen die Nachfrage bremsen, verteuern klimabedingte Ernteausfälle gleichzeitig den wichtigsten Rohstoff.

Lindt im Vergleich zu Barry Callebaut

Besonders interessant ist der Vergleich mit Barry Callebaut, dem weltweit grössten industriellen Schokoladenhersteller. Während Lindt eigene Markenprodukte verkauft, beliefert Barry Callebaut vor allem Lebensmittelkonzerne, Bäckereien und andere Hersteller.

Dadurch unterscheiden sich die Geschäftsmodelle deutlich. Barry Callebaut ist stärker vom Volumenwachstum seiner Industriekunden abhängig, besitzt aber nur begrenzten direkten Kontakt zum Endverbraucher. Lindt dagegen lebt von seiner starken Marke und erzielt über Premiumpreise höhere Margen.

In der aktuellen Situation zeigt sich jedoch die Kehrseite dieses Modells. Steigende Kakaopreise kann Barry Callebaut häufig vertraglich an seine Kunden weiterreichen. Lindt muss dagegen die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten berücksichtigen. Die jüngsten Geschäftszahlen deuten darauf hin, dass Preissteigerungen zunehmend auf Widerstand stossen.

Zudem war Lindt durch seine eigenen Geschäfte stärker von der Sommerhitze betroffen als ein reiner Zulieferer wie Barry Callebaut. Die direkte Kundenschnittstelle gilt normalerweise als Wettbewerbsvorteil, kann in aussergewöhnlichen Wetterlagen aber zum Nachteil werden.

Hoffnung auf Entspannung

Für 2027 zeigt sich das Management dennoch optimistisch. Sinkende Kakaopreise, eine breitere geografische Diversifikation, gezielte Preisanpassungen, höhere Marketingausgaben und Innovationen sollen wieder zu positivem Volumenwachstum führen. Erste Preissenkungen in der Schweiz und Deutschland hätten bereits zu einer Verbesserung der Nachfrage geführt.

Auch die mittelfristigen Ziele bleiben unverändert. Ab 2028 strebt Lindt weiterhin ein organisches Umsatzwachstum von 6 bis 8 Prozent sowie eine jährliche Verbesserung der EBIT-Marge um 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte an.

Fazit

Der Kursverlust von rund 30 Prozent seit Jahresbeginn hat die Bewertung zwar deutlich günstiger gemacht. Ob die Aktie damit bereits ihren Boden gefunden hat, bleibt jedoch offen. Solange unklar ist, wie stark Hitze, Kakaopreise und eine nachlassende Preissetzungsmacht die Geschäftsentwicklung belasten werden, dürfte die Aktie anfällig für weitere Rückschläge bleiben. Für langfristig orientierte Anleger könnte die aktuelle Schwächephase dennoch zunehmend interessant werden.
 

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